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25. Oktober 2012

Dreisamstraße

Elisabeth-Krankenhaus macht dicht - Zukunft des Gebäudes unklar

Keine Zukunft für die Wiege der Bobbele: Das Elisabeth-Krankenhaus an der Freiburger Dreisamstraße schließt zu Jahresende. Ein Nutzungskonzept gibt es derzeit nicht.

  1. Zu teuer und keine Parkplätze: Der RKK gibt seine Pläne auf. Damit ist die Zukunft des Elisabeth-Krankenhauses an der Freiburger Dreisamstraße völlig ungewiss. Foto: Ingo Schneider

"Bobbele" darf sich eigentlich nur nennen, wer dort geboren wurde. Das Elisabeth-Krankenhaus an der Dreisamstraße, eine Freiburger Institution in Sachen Geburtsmedizin und Frauenheilkunde, schließt Ende des Jahres. Nun ist noch etwas anderes klar: Der Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser wird dort nicht wie angedacht ein ambulantes Operationszentrum mit Hotel betreiben. Was im "Elisabeth" künftig geschieht, weiß derzeit niemand.

Das Josefskrankenhaus in der Sautierstraße bereitet sich auf den Betrieb im neuen, topmodernen Ergänzungsneubau vor, das Elisabeth-Krankenhaus dagegen auf das absehbare Ende. "Wehmut schwingt mit, aber die Notwendigkeit dieser Entwicklung muss man einsehen", sagt Herbert Bolze. Der Frauenarzt hatte dort Belegbetten, war sein gesamtes Berufsleben mit dem Geburtshaus verbunden und ist es heute noch. Was das Haus besonders macht, sagt er, sei die familiäre Atmosphäre und die liebevolle Betreuung der Ordensschwestern von der Schwesternschaft St. Elisabeth, die hier leben und arbeiten.

"Elisabeth" und "Josef" gehören zusammen mit dem Loretto-Krankenhaus, dem Waldkircher Bruder-Klaus-Krankenhaus sowie dem Freiburger Hospiz Karl Josef zum Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser (RKK-Klinikum). Während das Josefskrankenhaus zum zentralen "Stadtkrankenhaus" mit Notfall-Ambulanz werden soll, konzentrieren sich die anderen Kliniken auf Spezialgebiete. Im Elisabeth-Krankenhaus wollte der Klinikverbund eigentlich ein ambulantes OP-Zentrum einrichten, für gynäkologische Eingriffe sowie chirurgische, orthopädische und phlebologische, also Venen-Operationen. Zusätzlich sollte sich Patienten bei Bedarf in einem Hotel einmieten können. "Mein Wunsch war das immer", sagt Helmut Schillinger, Geschäftsführer des RKK-Klinikums.

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Doch nun kommt es anders, und zwar aus Kostengründen und weil in der Dreisamstraße keine Parkplätze zu finden sind. Aus dem Elisabeth-Krankenhaus wandert die Gynäkologie ins Josefs- und die Phlebologie ins Loretto-Krankenhaus. "Wir überlegen intensiv, ob in der Dreisamstraße ein ambulantes Zentrum für niedergelassene Ärzte entstehen könnte, die das in Eigenregie machen", so Schillinger. Es stehe jedoch fest, dass sich der Klinikverbund zurückziehe. Im Aufsichtsrat des RKK werde der Orden der Elisabethschwestern jedoch weiterhin vertreten sein, sagt Schillinger, der keinen Hehl daraus macht, dass er die Aufgabe des traditionsreichen Elisabeth-Krankenhauses sehr bedauert.

Damit geht auch ein Stück Freiburger Geschichte zu Ende. Es begann 1929, als die sozial engagierte und streitbare Freiburger Stadträtin Mathilde Otto ihren ansehnlichen Besitz an der Dreisamstraße zum "Wöchnerinnenheim für mittellose Mütter" umwandelte und von der Ordensgemeinschaft der Elisabeth-Schwestern betreiben ließ, die sie gegründet hatte. In der Klinik arbeiteten niedergelassene Ärzte, die Pflege lag bei den Ordensschwestern, die im Mutterhaus daneben wohnen. Es war über lange Jahre ein glückliches Arrangement, bei dem das Krankenhaus erblühte und zeitweise nach der Uniklinik die zweithöchste Geburtenrate im Land hatte – in der Hochzeit der Klinik wurden hier 1600 Kinder im Jahr geboren. 1200 Quadratmeter Nutzfläche, 50 Betten, 25 Ordensschwestern – das Elisabeth-Krankenhaus wurde zu dem Krankenhaus, in dem die "echten Bobbele" geboren wurden. Doch der Wettbewerb im Krankenwesen macht kleinen Kliniken den Garaus. In der Geburtshilfe ging die technische Entwicklung über das Haus hinweg; im Jahr 2002 musste die Geburtsabteilung geschlossen werden. Der Eintritt in den Verbund katholischer Krankenhäuser verschaffte dem "Elisabeth" Luft, aber es war klar, dass die Gynäkologie in den Erweiterungsbau des Josefskrankenhauses gehen würde, wenn es soweit ist. Nun will der RKK die restliche Zeit "in Würde und Ehre", wie Schillinger sagt, gestalten.

Ein Stockwerk wurde inzwischen an die Caritas-Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe vermietet, die dort Büros eingerichtet hat. Noch ist das Krankenhaus voll in Betrieb, die Operationssäle sind absolut auf dem Stand der Technik, die Patientenzimmer noch gar nicht lange neu hergerichtet. Ob sich Ärzte finden, die dies übernehmen, ist die große Frage, die bleibt.

Autor: Simone Lutz