Neujahrsbotschaft

Erzbischof Zollitsch rügt Rüstungsexporte

dpa/KNA/BZ

Von dpa, KNA & BZ-Redaktion

Di, 01. Januar 2013 um 19:23 Uhr

Freiburg

Zum Jahreswechsel haben die Kirchen die Bürger in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland zu Solidarität mit den Schwächeren aufgerufen und vor Egoismus und Selbstzufriedenheit gewarnt.

Seit 46 Jahren begeht die katholische Kirche den ersten Tag des Jahres als Weltfriedenstag. In diesem Jahr veröffentlicht Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, einen ausführlichen kritischen Beitrag aus diesem Anlass. In diesem Beitrag rügt der Erzbischof die Zunahme von Rüstungsexporten in Problemländer und steigende Militärausgaben in Krisenregionen.

Wörtlich heißt es in Zollitschs Beitrag: "Es muss uns wachrütteln, wenn weltweit Rüstungsexporte ein florierendes Geschäft darstellen und die Ausgaben für Militär und paramilitärische Einheiten immens steigen".

Wirtschaftliche Interessen lassen Konflikte entstehen

Nach seiner Einschätzung sei die Politik weltweit gefordert, andere Mittel zur Konfliktlösung zu finden als Krieg und Gewalt. Doch auch jeder Einzelne könne und müsse zu einer friedlicheren Welt beitragen, indem er in Familie, Nachbarschaft, Schule und Beruf wohlwollend und wertschätzend auf seine Nächsten zugehe. Denn, selbst dort, wo Konflikte im Kleinen entstünden, so heißt es in Erzbischof Zollitschs Beitrag, könne jeder in einer Kultur des Hinschauens deeskalierend und moderierend eingreifen und Streitparteien helfen, sich zu versöhnen.

"Wir dürfen dankbar sein, dass Europa trotz aller Kritik und Schwierigkeiten in der Finanzmarktkrise nicht auseinander gefallen ist." Robert Zollitsch
Auch wenn die Förderung einer friedlichen Welt weithin als politisches Ziel anerkannt sei, so mangele es dennoch an vielen Orten an der notwendigen Umsetzungskraft, stellt Erzbischof Robert Zollitsch fest. Warum das so ist? Seine Diagnose: "Insbesondere handfeste wirtschaftliche Interessen wie auch ideologische Verblendung lassen immer wieder Konflikte und kriegerische Auseinandersetzungen entstehen, aber auch Bürgerkriege innerhalb eines einzigen Landes ausbrechen."

Trotz der Krise in Europa sieht Zollitsch indes keinen Anlass zum Jammern. "Wir dürfen dankbar sein, dass Europa trotz aller Kritik und Schwierigkeiten in der Finanzmarktkrise nicht auseinander gefallen ist", sagte er in seiner Predigt zum Jahresschluss in Freiburg. Dankbar dürfe man auch dafür sein, "dass die Solidarität, in der wir in der Europäischen Union einander helfen, nicht zerbrochen ist, sondern sich weiter als tragend erweist".

Papst: Menschen sollen Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben

Der evangelische Landesbischof in Baden, Ulrich Fischer, sorgt sich derweil um das Klima in Umwelt und Gesellschaft. In seiner Botschaft zum Jahreswechsel forderte er mehr Aufmerksamkeit für den Klimawandel und warnte vor einem Scheitern der Energiewende. Nur wenn Deutschland die Energiewende gelinge, könne es als "Blaupause für andere Industrienationen" maßgeblich zum Klimaschutz beitragen. Die Menschen in den reichen Industriestaaten müssten einen Lebensstil entwickeln, "der unseren Enkeln die gleichen Chancen lässt, wie wir sie haben."

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Neujahrspredigt aufgerufen, die Hoffnung auf Frieden in der Welt nicht aufzugeben. Der Mensch sei für den Frieden geschaffen, auch wenn die Welt von Spannungsherden gekennzeichnet sei, sagte er in einer Messe im Petersdom. Als Ursachen für den Unfrieden in der Welt kritisierte er eine wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich und egoistisches Denken. Dieses komme in einem "ungezügelten Finanzkapitalismus" zum Ausdruck.

Mehr zum Thema: