"Es hat Spaß gemacht" am Walter Eucken

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Sa, 22. Juli 2017

Freiburg

LEUTE IN DER STADT: Claudia Feierling geht in den Ruhestand.

Hier arbeitet eine Ästhetin: Kandinsky und Munch an der Wand, geschmackvoll arrangierte Vasen, eine weiße Spitzendecke (ein Erbstück) auf dem ovalen Resopaltisch. Immerhin hat Claudia Feierling in den vergangenen zehn Jahren einen Großteil ihrer Zeit in diesem Arbeitszimmer verbracht. Aber ihre Tage als Leiterin der Walter-Eucken-Schule sind gezählt: Am Freitag wurde die 64-Jährige in den Ruhestand verabschiedet.

Es seien "die zehn besten Jahre" ihres 37-jährigen Berufslebens gewesen. Nach Stationen an Schulen in Offenburg und Freiburg sowie neun Jahren als Personalreferentin und Frauenvertreterin am Regierungspräsidium war die studierte Volkswirtschaftlerin ans Walter-Eucken-Gymnasium zurückgekehrt, wo sie schon ihr Referendariat abgeleistet hatte.

Dort hat man sie anfangs nicht haben wollen: Entgegen dem Votum aller Gremien hatte das Regierungspräsidium sie als Schulleiterin eingesetzt. Öffentlich kursierte der Verdacht der "Vetterleswirtschaft". Das habe sie sehr getroffen. Ihre eigene Bilanz nach den "Irrungen und Wirrungen" zu Beginn: "Es hat Spaß gemacht." Nicht ohne Stolz führt sie durch das auf ihre Initiative von der Stadt umgebaute Sekretariat und das Lehrerzimmer. Mit der durchdachten Raumplanung und einer beeindruckenden Gestaltung hinterlässt sie ein ästhetisches Vermächtnis. Was wäre es wert, würde es nicht mit Inhalten gefüllt? "Wir verstehen unsere Aufgabe als Dienstleistung an der Schule", lautet etwa ein Satz im gemeinsam erarbeiteten Leitbild an der Wand.

Die Schule hat sich deutlich weiterentwickelt, wie Kollegen der scheidenden Chefin bescheinigen. Bis hin zur Schulleitung wird in Teams gearbeitet. "Die Teamentwicklung mit externen Beraterinnen ist mein Baby", freut sich Feierling. Als "schöne Idee" werden die freiwilligen Mitarbeitergespräche vom Kollegium gelobt, die jüngst eingeführt und gut angenommen würden.

Neben viel Licht hat es offenbar auch Schatten gegeben: Es sei nicht alles einfach gewesen, sagt ein ungenanntes Mitglied des Kollegiums, das aber auf die stets offene Tür der Schulleiterin verweist. Schulsprecher Felix Wiese findet es ganz normal, dass es an einer großen Schule "immer mal Unstimmigkeiten" geben könne. Als "sehr positiv und sehr kooperativ" beschreibt der 22-Jährige den Umgang mit der Schulleiterin: "Für die SMV hat sie sehr viel möglich gemacht."

Clemens Metz, seit sechs Jahren Vorsitzender des Elternbeirats, erlebt dankbare Eltern und ein außergewöhnliches Engagement der Lehrer. "Sehr zufrieden" seien die Eltern mit der Unterrichtsversorgung.

Mit 150 Kollegen und 2650 Schülerinnen und Schülern an zwei Standorten hatte Claudia Feierling samt Team ein weit verzweigtes Unternehmen zu managen: Das Walter-Eucken-Wirtschaftsgymnasium an der Glümerstraße, eine Vollzeitschule mit drei- und sechsjährigem Bildungsgang und die kaufmännischen Schulen mit beruflichen Bildungsgängen im Lycée Turenne. Mehr als 70 Lehrkräfte hat sie über die Jahre eingestellt, mit mehr als 800 Betrieben und den Kammern als dualen Partnern zusammengearbeitet. An die 3000 Unterschriften musste sie jedes Jahr unter Zeugnisse und Zertifikate setzen. "Man hat gemerkt, dass sie für ihren Job lebt", sagt Felix Wiese.

Und jetzt? Wird der Stab an Eberhard Fritz weitergereicht, bisher Leiter der Walter-Rathenau und Geschäftsführender Schulleiter der beruflichen Schulen. Und die Mutter einer erwachsenen Tochter, die sie alleine großzog, kann sich endlich russischer Kunst und Literatur widmen – und vielleicht sogar noch Russisch lernen. "Ich habe ziemlichen Nachholbedarf in dem, was mich persönlich interessiert."