"Europa – noch immer großartig"

Hanno Müller

Von Hanno Müller

Mi, 28. Juni 2017

Freiburg

Das "per tutti Orchester" gibt ein Konzert, dessen Stücke europäische Werte zum Thema haben.

Weil sie Europa nicht den Populisten überlassen wollen, geben die Musiker des "per tutti Orchesters" am kommenden Wochenende ein Konzert in Freiburg, das sich thematisch mit dem Kontinent befasst. Unterstützung erhält das Laienorchester dabei von Musikprofessor Jaime Gonzalez, der als Solo-Oboist auftreten wird. Das Konzertmotto lautet "Still great" ("noch immer großartig").

"Ich bin nicht 100 Prozent europäisch", sagt Dirigent Nikolaus Reinke. "Viele Dinge sind verbesserungswürdig – viele Dinge sind aber auch gut!" Reinke, der das Orchester bereits seit 2000 dirigiert, hat das Konzertprogramm entworfen. Die Idee habe sich noch vor den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich entwickelt, als die europakritischen Populisten Geert Wilders und Marine Le Pen noch potentielle Kandidaten für eine Position an der Macht waren.

Das Konzertprogramm soll Europa nicht befürworten oder ablehnen, sagt Reinke. Vielmehr gehe es ihm darum, der destruktiven Auseinandersetzung mit Europa durch die Populisten eine konstruktive Auseinandersetzung entgegenzustellen. Die Stücke, die das Orchester spielen wird, beziehen deshalb auch nicht klar Position, sondern thematisieren verschiedene Aspekte Europas.

Zum Beispiel geht es in die "Finnlandia" von Jean Sibelius um die finnische Unabhängigkeitsbewegung. "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß hat Reinke mit ins Programm genommen, weil die Donau für ihn "der europäische Fluss schlechthin" sei. Die Ouvertüre zu "Die Geschöpfe des Prometheus" von Ludwig van Beethoven ist ebenfalls Teil des Programms, weil sie ein Thema der Aufklärung aufgreife. Insgesamt wird das "per tutti Orchester" acht verschiedene Stücke aufführen. Normalerweise werden bei klassischen Konzerten eine Sinfonie und ein oder zwei kleinere Stücke präsentiert. Reinke habe sich allerdings für viele kleine Stücke entschieden, da es in Freiburg so viele Orchester gebe, dass man sich irgendwie abgrenzen müsse.

Das "per tutti Orchester" setzt sich zusammen aus zahlreichen Laienmusikern. "per tutti" ist Italienisch und bedeutet "für alle". Der Name verweist bereits auf die Grundhaltung des Orchesters: Jeder, der möchte, kann mitspielen. Ein Vorspiel ist nicht nötig. Das uneinheitliche Leistungsniveau der Musiker führe allerdings auch zu Herausforderungen bei der Auswahl der Stücke, sagt Reinke: "Man will niemanden überfordern oder unterfordern." Das Solostück des Konzerts spielt deshalb der Berufsmusiker Jaime Gonzalez.

Gonzalez ist Professor für Oboe an der Hochschule der Künste in Bern. Zusammen mit dem "per tutti Orchester" spielt er bei den beiden Aufführungen die Solo-Oboe bei den "Fantaisie sur des thèmes populaires français" von Vincent d’Indy. Gonzalez lehrt nicht nur in Bern, sondern doziert auch an der Ensemble-Akademie Freiburg. Außerdem ist er Mitglied des "ensemble recherche", einer Kammermusikgruppe für Neue Musik.

Das Thema Europa sei vor den Wahlen in Frankreich und den Niederlanden "gefühlt noch ein bisschen dringlicher" gewesen als jetzt, sagt Reinke. Allerdings stecke Europa noch immer in einer "pubertären Phase": "Europa kommt mir vor wie ein Teenie, der anfängt zu opponieren." Umso glücklicher ist Reinke, dass das Orchester das Konzept der Aufführung unterstützt. "Ich möchte niemandem etwas aufoktroyieren. Mir war aber klar, dass niemand gegen die Grundidee des Programms sein würde."

Das Konzert findet statt am Sonntag, 2. Juli, 19.30 im Bürgerhaus Zähringen. Schon am Vorabend ist das Konzert ab 19.30 Uhr in der Steinhalde in Emmendingen zu hören. Karten an der Abendkasse kosten 8 Euro, ermäßigt 5 Euro.