Dietenbach

Evangelische Kirche in Freiburg bezieht keine Stellung in der Diskussion um Dietenbach

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Sa, 26. Januar 2019 um 10:36 Uhr

Freiburg

Die Leitung der Evangelischen Kirche wollte Farbe bekennen in der Dietenbach-Frage. Doch in der eigens einberufenen Sondersynode kam es anders. Die Delegierten lehnten eine Positionierung ab.

Sichtlich enttäuscht war Stadtdekan Markus Engelhardt nach der zweieinhalbstündigen Veranstaltung am Freitagabend in den Räumen der Matthäusgemeinde in Betzenhausen. Er hatte sich im Vorfeld schon für die Bebauung des Gewanns Dietenbach ausgesprochen und viel Kritik dafür erhalten.

"Für Christen stehen aber selbst leidenschaftliche Meinungen immer unter dem Vorbehalt, dass auch der andere Recht haben könnte." Stadtdekan Markus Engelhardt

Zu Beginn der Sitzung der Synode, des höchsten Gremiums der Evangelischen Kirche in Freiburg, sagte er, diese dürfe sich nicht wegducken. Sie müsse sich an der Debatte beteiligen, in welcher Stadt man leben wolle. "Für Christen stehen aber selbst leidenschaftliche Meinungen immer unter dem Vorbehalt, dass auch der andere Recht haben könnte."

Auf dem Podium, moderiert von Stadtpfarrerin Gabriele Hartlieb, sprachen sich für den neuen Stadtteil der Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach sowie Jochen Pfisterer, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, aus. Sie stellten die soziale Frage in den Vordergrund. Ohne Dietenbach würden Mieten und Immobilienpreise steigen, die Mittelschicht ins Umland gedrängt und Freiburg zu einem zweiten Baden-Baden.

Mehr Nachverdichtung, statt Flächenversiegelung

Gegen den Stadtteil argumentierten Michael Nödl, Geschäftsführer des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, und Georg Löser von der Initiative Rettet Dietenbach. Sie stellten die ökologische Frage in den Mittelpunkt. Die Flächenversiegelung müsse eine Ende haben. Ackerflächen, die bebaut werden, seien endgültig verloren. Um den Wohnbedarf zu decken, den sie für niedriger halten als die Stadtverwaltung, fordern sie mehr Nachverdichtung.

Die anschließende Abstimmung zur Frage ob die Sondersynode überhaupt ein Votum zum Bürgerentscheid abgeben soll, war spannender als das parallel laufende WM-Halbfinale der Handballer. Zunächst zählte die Leitung der Stadtsynode 23 Ja-Stimmen und 21 dagegen - bei einer Enthaltung, die laut Satzung als "Nein" gewertet wird. Doch es waren 46 Stimmkarten ausgegeben worden. Wegen der Differenz holte die Vorsitzende der Stadtsynode, Regina Schiewer, ein erneutes Votum ein. Das Ergebnis: 23:22 - und eine Enthaltung. Damit gibt es in der Synode keine Mehrheit für eine Positionierung.

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