Wahlkampf

FDP-Chef Christian Lindner unterwegs im VAG-Partywagen

Thomas Goebel

Von Thomas Goebel

Mo, 29. Februar 2016 um 17:40 Uhr

Freiburg

Im "Guidomobil" war der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle vor Jahren unterwegs. Für den Auftritt ihres aktuellen Vorsitzenden Christian Lindner hatte sich die Partei den Partywagen der VAG ausgesucht

Der Spaßwahlkampf im Westerwelle-Stil sollte aber nicht wiederbelebt werden : Nah dran sollten die Mitfahrer am Wahlkämpfer sein, das lässt sich in dem engen Wagen auch gar nicht vermeiden.



Mit einem landestypischen "Grüß Gott zusammen" stürzt sich der 37-jährige Rheinländer dynamisch ins Gewühl, zückt sein Handy und schießt erst mal ein Selfie, bevor er im persönlichen Gespräch Fragen beantwortet. Die hatten Interessierte auf Facebook einreichen und so die Mitfahrt gewinnen können. Die erste Frage verliest FDP-Landtagskandidat Jens-Arne Buttkereit noch über die Bordlautsprecher. Verfasst hat sie Justine Kraus – eine in zahlreichen gereimten Versen verfasste Bitte um Auskunft, wie sich der "mitleidige Blick" vermeiden lasse, den sie regelmäßig als FDP-Wählerin ernte.

Eine Vorlage für Lindner: "Es ist etwas Besonderes, freier Demokrat zu sein", verkündet er gut gelaunt. "Eigenverantwortung, Toleranz, Großzügigkeit und Zukunftsoptimismus" seien eben in Deutschland "nicht die Mentalität der großen Mehrheit".

Dann geht’s mitten hinein in den Nahwahlkampf: Lindner kritisiert Kanzlerin Angela Merkel für die "grenzenlose Aufnahme" von Flüchtlingen, fordert eine gemeinsame europäische Grenzpolizei und ein Einwanderungsgesetz. Er fordert auch einen europäischen Datenschutz, der sei "eine Frage von bürgerlichen Freiheitsrechten." Und er kritisiert Subventionen für "Rotormonster im Schwarzwald" – leider fehlt der Freiburger FDP-Kandidat und Experten für Erneuerbare Energien Eicke Weber für weitere Diskussionen. Wortgewandt diskutiert Lindner zwei Stunden am Stück, nur hier und da blitzte Ungeduld auf: "Ich erkläre es ihnen ja gerade", bescheidet er einem Frager.



Um Landespolitik geht es nur selten, Lindner verteidigt aber die Absage der FDP an ein grün-rot-gelbes Bündnis: "Unser Respekt vor Herrn Kretschmann ist zu hoch, um ihm eine 180-Grad-Wende seiner Politik abzuverlangen."

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