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24. Mai 2009 20:23 Uhr

Kommunalwahl

Fehlt dem Freiburger Wahlkampf der Pfeffer?

Zwei Wochen vor der Kommunalwahl am 7. Juni sollte nun die heiße Phase des Wahlkampfs starten. Doch heiß ist zu Beginn der Pfingstferien in Freiburg nur das Wetter.

  1. Wahlkämpfer unterm Sonnenschirm, Teil I: die CDU vor dem ZO. Foto: Thomas Kunz

  2. Wahlkämpfer unterm Sonnenschirm, Teil II: die SPD in der Innenstadt. Foto: Thomas Kunz

  3. Wahlkämpfer unterm Sonnenschirm, Teil III: die Grünen auf dem Markt in Littenweiler. Foto: Thomas Kunz

Zwar freuen sich die Wahlkämpfer über die freundliche Stimmung auf den Straßen. Dafür klagen sie über mangelndes Interesse. Die BZ absolvierte einen Rundgang.

FREITAG, 18 UHR, KAJO

Die Herren von der Jungen Union bauen ihren Stand an der Ecke Münsterstraße ab. Proppenvoll war die Innenstadt an diesem Brückentag, doch an den Wahlkämpfern hatten die meisten Leute kein Interesse. "Ein bisschen langweilig ist das", meint Daniel Sander, der für die CDU auf Listenplatz zwei kandidiert und eigentlich gerne diskutiert: "Nicht mal beschimpft wird man mehr." Irgendwie komme keine Wahlkampfstimmung auf, es fehle wohl das große Thema.

SAMSTAG, 11 UHR, ZO

"Ich bin politikverdrossen", sagt eine ältere Dame und lehnt den Flyer ab, den ihr Hermann Aichele in die Hand drücken wollte. Der langjährige CDU-Stadtrat nimmt’s gelassen. "Es ist ein mühsames Werben um Stimmen", sagt er. Dabei ist der Auftritt vor dem Zentrum Oberwiehre (ZO) für ihn ein Heimspiel. Der Bäckermeister aus der Nägeleseestraße wird von vielen erkannt und begrüßt: "Die wählen mich sowieso", meint er. Sein junger Kollege Dirk Blens, der zum ersten Mal kandidiert, hat’s da weniger leicht. "Manchmal ist es schier unangenehm, die Leute im Einkaufsstress anzusprechen", gibt er zu. Die würden in diesen Wochen mit der Werbung der elf Listen geradezu überschwemmt. Aber es gehe eben darum, Präsenz zu zeigen.

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11.30 UHR, LITTENWEILER

Angesichts der Hitze ist Helmut Thoma froh, dass er den grünen Sonnenschirm an diesem Morgen per Fahrrad auf den Markt transportiert hat. Zusammen mit seinem Stadtratskollegen Per Klabundt verteilt der Lehrer gut gelaunt die Broschüre der Freiburger Grünen. Besonders groß ist das Interesse auch hier nicht. "Nur wer uns gegenüber aufgeschlossen ist, lässt sich in ein Gespräch verwickeln", meint Thoma. Sein Mitstreiter interpretiert die Zurückhaltung der Wähler positiv: "Wir machen im Rathaus erfolgreich Politik, da haben die Leute wenig zu meckern."

12.15 UHR, LANDWASSER NUR VEREINZELT TRÖPFELN ZUR MITTAGSZEIT DIE MENSCHEN INS EINKAUFSZENTRUM. DOCH UTA SPÖRI, DIE PLATZ NEUN AUF DER LINKEN LISTE INNEHAT, STRAHLT. "ICH HABE SCHON VIELE SPANNENDE GESPRÄCHE GEFÜHRT", BERICHTET SIE, MEIST SEI ES ALLERDINGS UM BUNDESPOLITIK GEGANGEN. VON GROßEM INTERESSE UND FREUNDLICHEN GESPRÄCHEN BERICHTET LOTHAR SCHUCHMANN (PLATZ VIER), DER IN LANDWASSER 25 JAHRE ALS KINDERARZT GEARBEITET HAT. "ICH GEH’ AUF DIE LEUTE ZU UND VERSUCHE NICHTWÄHLER ZU ÜBERZEUGEN", BESCHREIBT DER 69-JÄHRIGE SEINE WAHLKAMPFSTRATEGIE: "MIT ZUNEHMENDEM ALTER WIRD MAN MUTIGER."
12.45 UHR, KAJO

In der Kaiser-Joseph-Straße wird’s für die Wahlkämpfer an diesem Samstag eng. Am Bertoldsbrunnen rückt die Linke der FDP auf die Pelle. An der Ecke Rathausgasse plaudert Claudia Handke von den Freien Wählern mit Grünen-Stadtrat Axel de Frenne am Nachbarstand. Und auf der anderen Straßenseite hat sich die SPD mit ihren aufblasbaren Plastikhänden postiert. "Die Leute sind sehr freundlich", erzählt Renate Buchen (SPD), die sich an den aggressiven Wahlkampf vor fünf Jahren erinnert, als die hiesigen Sozialdemokraten ständig wegen Schröders Agendapolitik angegriffen wurden. Und doch: "Es fehlt so ein bisschen der Pfeffer." Der verhinderte Verkauf der Stadtbauwohnungen, den sich die SPD auf die Fahnen schreibt, spielt in der öffentlichen Diskussion derzeit kaum mehr eine Rolle. "Das Wohnungsthema versuchen wir nochmal hochzuziehen", kündigt Buchen an.

Autor: Heike Spannagel