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11. Dezember 2015

Festakt zum Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Lviv

"Ich wünsche alles Gute für die große gemeinsame Arbeit", hat Lembergs Oberbürgermeister Andriy Sadovyy zum Ende des Festakts "25 Jahre Städtepartnerschaft Freiburg – Lviv" ins Goldene Buch der Stadt Freiburg geschrieben. Darüber, dass da noch viel zu tun ist, waren sich am Mittwochabend im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses alle Beteiligten einig.

Mit dem sehr deutschen Appell "Arbeit, Arbeit, Arbeit" beschloss denn auch Sadovyy seinen Beitrag zur Podiumsdiskussion mit Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon, dem Bundestagsabgeordneten und Osteuropabeauftragten der Bundesregierung, Gernot Erler und dem auch in Freiburg als Korrespondent der Badischen Zeitung bekannten Journalisten Jurij Durkot aus Lemberg. Es moderierte Juliane Besters-Dilger, Professorin am Slavischen Seminar der Uni Freiburg.

Im Fokus der Diskussion stand der Konflikt der Ukraine – und Europas – mit Russland und der Krieg im Osten des Landes. Erler sagte, die Weltöffentlichkeit konzentriere sich derzeit auf Syrien und auf das Flüchtlingsproblem, und dies mache die Lage in der Ukraine gefährlicher. Russland unter Putin fürchte eine erfolgreiche Demokratie im Nachbarland; die Ukraine solle deshalb unbedingt die Hilfe annehmen, die Europa ihr mit dem geplanten Assoziierungsabkommen biete.

Dem stimmte Durkot zu. Das Abkommen von Minsk habe immerhin erreicht, dass nicht mehr so viel geschossen werde. Viel mehr aber auch nicht. Doch gebe es keine einfachen Lösungen, und die Ukraine müsse die Chance der Zusammenarbeit mit Europa nutzen. Dazu muss das Land, auch darüber bestand Einigkeit, die Korruption eindämmen und funktionierende Institutionen schaffen. Dann, sagte Salomon, kämen auch westliche Investoren ins Land. Sadovyy verwies darauf, dass sein Land auf Rang 142 der Korruptionsliste von Transparency International liege (Deutschland: 12). Die Bekämpfung oligarchischer Macht sei eine Riesenaufgabe, und seine Ambition sei es, eine große demokratische Partei aufzubauen.

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Die große Politik war das eine an diesem Abend, die damit verglichen kleine, doch nicht unwichtige Partnerschaft der beiden Städte das andere. Vor dem Festakt zeigte die West-Ost-Gesellschaft Südbaden den Dokumentarfilm "Lemberg: Geöffnete Stadt" von Didi Danquart und Walter Mossmann aus dem Jahr 1993, der drei Jahre nach Beginn der Städtepartnerschaft und zwei Jahre nach Beginn der unabhängigen Ukraine gedreht wurde – eine Hommage auch an den jüngst gestorbenen Mossmann, der viel für die Partnerschaft der beiden Städte getan hat.

Danquart saß nach der Vorführung mit Erler und Durkot auf dem Podium und erinnerte daran, dass Mossmann dazu aufgerufen habe, die Ukraine in Europa aufzunehmen. "Doch das ist nicht passiert."

An Mossmann erinnerte auch Salomon anschließend in seiner Festrede. Er nannte außerdem Mitarbeiter des Rathauses, die sich für die Partnerschaft mit Lemberg engagierten, das Rote Kreuz, die Feuerwehr, das Einlädele und Erler, der auch Vorsitzender der West-Ost-Gesellschaft ist, Lothar Böhler von der Stiftungsverwaltung, Dompfarrer Wolfgang Gaber, den ehemaligen Stadtrat Hans Eßmann und Maria Steinle, Vorsitzende des Freundeskreises Freiburg-Lviv. Für sie erbat er einen Sonderbeifall, den sie selbstverständlich auch erhielt. "Es sind Vereine, die den besonderen Wert der Städtepartnerschaft ausmachen", sagte Salomon. Er bot jedoch auch bilaterale Projekte an, denn "Städtepartnerschaft macht beide Seiten schlauer".

Schwierige Zeiten

für die Ukraine

Er würde sich freuen, wenn Sadovyys Besuch "ein Auftakt wäre für eine neue Entwicklung der Partnerschaft". Dass daran einiges verbessert werden kann, sagte auch Sadovyy. Seit der Unabhängigkeit mache sein Land schwierige Zeiten durch, wolle aber eine freie Nation bleiben. Dazu könne die Städtepartnerschaft einen wertvollen Beitrag leisten. Freiburg sei in Fragen der Nachhaltigkeit führend in Deutschland. Da könne Lemberg lernen und Unterstützung brauchen. Er warb für regelmäßigere Besuche auch auf höherer als der Vereinsebene, worauf Salomon versprach, er werde der Einladung zu einem Jazzfestival in Lemberg kommenden Sommer folgen, falls sein Terminkalender dies irgendwie erlaube.

Die Umrahmung des Festakts hatte die Junge Kantorei Freiburg mit Chor und Instrumentalensemble übernommen und sang (Leitung: Christoph Andreas Schäfer) sehr schön Ukrainisches und Bach; darunter "Wie soll ich dich empfangen". Falls die Bachsche Frage auf den – samt Film und Festakt – fast vierstündigen Abend gezielt haben sollte: Es war gelungen, unsteif und interessant.

Autor: Niklas Arnegger