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25. Februar 2013

Feste Lernzeiten gegen das Chaos

BZ-Veranstaltung über das "Methodos-Prinzip" und den Weg zum Abitur außerhalb der Schule.

  1. Die Teilnehmer der BZ-Diskussion (von links): Simon Valentin, Lehrer Uli Winterhager, Diemut Westpfahl und Alia Ciobanu. Foto: Rita Eggstein

Lumi ist ein Pudel und sitzt auf Lailas Schoß. Der Vierbeiner scheint genauso interessiert wie sein Frauchen. Die 17-jährige Schülerin des Droste-Hülshoff-Gymnasiums hat es nicht mehr weit bis zum Abi und überlegt, die gewohnten Pfade zur Hochschulreife zu verlassen. Dafür gibt es Vorbilder: Im BZ-Haus stellte die junge Autorin Alia Ciobanu am Donnerstagabend ihr Buch "Revolution im Klassenzimmer" vor. Sie beschreibt darin das "Methodos-Prinzip" und die Erfahrungen, die sie und andere damit machen.

2007 hatten vom etablierten Bildungssystem frustrierte Freiburger Schülerinnen und Schüler bundesweit Aufsehen erregt mit ihrer Idee, sich daraus zu verabschieden und ihre Bildung selbst in die Hand zu nehmen. Sie gründeten den Verein "Methodos", bereiteten sich eigenverantwortlich auf ihr Abitur vor und stellten Lehrer an, die sie dabei unterstützten. Laila hat nicht nur ihren Pudel, sondern auch ihre Eltern mitgebracht. "Am Anfang hätte ich Bedenken gehabt, dass es klappt", räumt ihre Mutter Mukti Urban ein. Zu gigantisch erschien ihr das Projekt, als dass junge Menschen ausreichend Durchhaltevermögen über die Anfangsbegeisterung hinaus mitbringen könnten. Die Bedenken sind ausgeräumt. Mehrere Methodos-Generationen haben ihr gezeigt: "Es ist gut gelaufen. Wenn Laila sich dafür entscheidet, kann das auch für sie ein guter Weg sein."

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Die Zustimmung zu der von Alia Ciobanu vorgestellten "gelebten Kritik am Schulsystem" ist nicht nur beim jüngeren, sondern auch beim älteren Publikum der gut besuchten Veranstaltung groß. Aber die tollsten Ideen müssen finanziert werden, wenn man sie realisieren will: Eine Frau sorgt sich um die Belastungen für die Familien, wenn der Nachwuchs sich auf Methodos-Pfade begibt. Die Referentin bleibt keine Antwort schuldig: Wer es sich nicht habe leisten können, habe nichts bezahlt und dafür mehr Energie ins Spendensammeln gesteckt. Oder die Gruppe habe einen Kredit aufgenommen und nach dem Abi gemeinsam abgearbeitet. "Eigentlich spart ihr dem Land doch Tausende von Euro", meint ein Mann und empfiehlt, das Geld einzuklagen.

Wie läuft Methodos in der praktischen Umsetzung? "Wir haben uns feste Lernzeiten verordnet von 10 bis circa 18 Uhr, sonst wäre es zu chaotisch ", gewährt Simon Valentin vom aktuellen Methodos-Jahrgang einen Einblick in die Regeln der selbst verantworteten Bildung. Das Publikum spürt schnell die Grenzen ihrer Freiheit auf: "Gibt es staatliche Vorgaben für den Lehrplan und die Lernziele?" Wer an Methodos teilnimmt, will das Abitur machen. Das geht nur über die Schulfremdenprüfung. Die Anforderungen sind dabei sogar besonders hoch.

Chancen für eine Hochschulreife ohne Abitur?

"Am Ende habe ich gebüffelt wie blöde", gesteht Alia Ciobanu. "Der Leistungsdruck durch das Abitur steht im Widerspruch zu dem, was wir mit selbst verantworteter Bildung meinen." Einige hätten das Experiment abgebrochen, weil es ihnen zu "systemkonform" gewesen sei. "Konsequenter wäre es gewesen, das Abitur gar nicht zu machen."

Ein Zuhörer will deshalb den Hebel für Veränderungen am Abitur angesetzt sehen: "Wir brauchen mehr Bildungs- statt Prüfungsorientierung." Das sehen auch die Methodos-Mitglieder so: "Wir müssen mehr werden und weitere Schritte gehen", sagt die Referentin. Kürzlich waren sie gemeinsam mit der Waldkircher Initiative "Abi plus", die ähnliche Ziele verfolgt, an der privaten Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Sie wollten dort die Chancen einer "Hochschulreife ohne Abitur" ausloten und seien auf höchst interessierte Gesprächspartner gestoßen.

Autor: Anita Rüffer