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10. Februar 2016 07:38 Uhr

Integration im Verein

Flüchtlinge trainieren beim SC Freiburg und dem PSV

Der SC Freiburg und der Polizeisportverein bieten Flüchtlingen ein Training an, bei dem mehr als sonst üblich gesprochen wird. Freiburgs Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach spricht von einem Vorzeigeprojekt.

  1. „Freunde statt Fremde“ heißt das Projekt, das Flüchtlinge und SC-Spieler verbindet. Foto: Thomas Kunz

  2. Auch Spieler der U-16-Mannschaft engagieren sich. Foto: Thomas Kunz

Auf dem Kunstrasenplatz beim PSV Freiburg wimmelt es am Dienstagnachmittag nur so von SC-Trikots. Der Sportclub und der PSV bieten hier seit November vergangenen Jahres ein Mal in der Woche ein Fußballtraining für die Bewohner des Flüchtlingswohnheims in der Lörracher Straße an. Sozialbürgermeister Ulrich sagt, das ihn froh und stolz mache – schließlich hat er die verschiedenen Beteiligten an einen Tisch gebracht. Dass diese so unbürokratisch und schnell eine Lösung gefunden haben, damit hat er nicht unbedingt gerechnet.

25 bis 30 Bewohner des Wohnheims kommen regelmäßig zum Training. Einer von ihnen ist Yazan Hochmi, der sich aus der syrischen Stadt Homs zu Fuß, mit dem Schlauchboot, Zug und Bus nach Deutschland durchgeschlagen hat. In Syrien hat der 23-Jährige Englisch-Arabische Übersetzung studiert.

Erfahrungen beim syrischen Meister

Als Jugendlicher hat er bei al-Karama Fußball gespielt, dem mehrfachen syrischen Meister und Pokalsieger. Seit zwei Monaten wohnt er mit seinem 14-jährigen Bruder in Freiburg, seit kurzem sind seine Eltern und ein weiterer Bruder in der Notunterkunft in Opfingen untergebracht.

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Das Training beim PSV ist für Hochmi ein willkommener Zeitvertreib, vor allem aber will er "so schnell wie möglich Deutsch lernen". Für ein kurzes Gespräch reicht es jetzt schon, und auf dem Fußballplatz braucht man bekanntlich nicht viele Worte.

Beim "Freunde statt Fremde"-Training wird allerdings mehr gesprochen als üblich. "Es geht nicht darum, wer die beste Schusstechnik hat", sagt Projektleiter und Trainer Ludwig Voss, "der Fußball steht gar nicht so im Vordergrund, sondern mehr die Umgangsformen und die Sprache." Vor dem Training begrüßen sich alle und die Aufwärmübungen werden immer mit sprachlichen Einheiten verknüpft.

In diesem Monat stehen Zahlen, Uhrzeiten und Wochentage auf dem Lehrplan. An diesem Dienstag erklären Spieler der U16 des SC Freiburg den Flüchtlingen die Uhrzeiten. Die Nachwuchskicker aus der Fußballschule sind auf eigenen Wunsch zu Gast in der Lörracher Straße, erzählt Voss. Und es soll auch einen Gegenbesuch im Möslestadion geben, bei einem Spiel der U16.

Ulrich von Kirchbach spricht von einem "Vorzeigeprojekt"

Die Arbeit an der Integration steht bei dem Projekt im Vordergrund und nicht die Suche nach Talenten für den SC oder neuen Mitgliedern für den Polizei-Sport-Verein, betont Peter Egetemaier, Vereinspräsident und Freiburger Kripo-Chef. "Wir wollen auch zeigen, dass die Polizei nicht auf eine Rolle festgelegt ist, differenziert denkt und Verantwortung übernimmt." Ursprünglich hatte der PSV überlegt, so ein Training in Eigenregie anzubieten, hätte das aber personell nicht im jetzigen Umfang geschafft. Nun stellt der Verein den Platz zur Verfügung und unterstützt die Trainer, die vorwiegend vom Sportclub kommen.

Als "ersten Schritt zur Integration" bezeichnet Jochen Pfisterer vom Diakonischen Werk das Fußball-Projekt. Die Diakonie ist für die soziale Betreuung in der Notunterkunft und im Wohnheim in der Lörracher Straße zuständig. "Am Anfang war das sehr beengt und provisorisch", sagt Pfisterer, "deswegen ist es umso wichtiger, Aktivitäten in der Nähe anbieten zu können." 180 Frauen, Männer und Kinder wohnen derzeit in der Lörracher Straße, die meisten von ihnen kommen aus Syrien, einige aus Afghanistan und dem Irak. Weil darunter auch viele Familien mit kleinen Kindern sind, hat Egetemaier den Plan, irgendwann auch noch ein Mutter-Kind-Turnen anbieten zu können.

Flüchtlinge in die Breitensportvereine integrieren

Langfristig soll es auch gelingen, die Flüchtlinge in die Breitensportvereine zu integrieren. In der kommenden Woche werden zwei Teilnehmer des "Freunde statt Fremde"-Projekts mit der ersten Mannschaft des PSV trainieren. Im Sport sind kulturelle Unterschiede meist einfacher zu überwinden. "Die größten Diskussionen gab es bisher darüber, ob es ein Foul war oder nicht", erzählt Ludwig Voss, "also so, wie auf jedem anderen Fußballplatz auch."

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Autor: Daniela Frahm