Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. April 2014

Freiburg bringt Flüchtlinge in Arbeit

Asylbewerber dürfen eigentlich nicht arbeiten – doch die Bundesagentur für Arbeit hat die Stadt für ein Experiment ausgewählt.

Freiburg ist eine von sechs Modellstädten, die qualifizierten Asylbewerbern Arbeit verschafft. Das ist eine Innovation, denn bislang durften Asylbewerber, deren Antrag noch nicht anerkannt wurde, in Deutschland nicht arbeiten. Jetzt hat die Bundesagentur für Arbeit zusammen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlingen am 1. Februar ein Modellprojekt gestartet.

Flüchtlinge mit abgeschlossenem Studium oder Ausbildung erhalten die Chance, sich auf Stellen zu bewerben. Vorausgesetzt, kein deutscher Arbeitssuchender bewirbt sich um den Job. "Uns fehlen Fachkräfte im Gesundheitsbereich, in der Gastronomie und im Bau. Die Flüchtlinge können uns helfen", sagt Stefan Schubert, operativer Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit in Freiburg.

Firas Diab hat in Syrien als Arzt gearbeitet. Der 33-jährige Vater ist mit seiner Frau und der einjährigen Tochter geflohen und nimmt in Freiburg am Bleiberecht-Projekt teil. Nun ist die Arbeitsagentur auf ihn zugegangen, um herauszufinden, ob er für das Modellprojekt in Frage kommt. Seine Chancen stehen gut. Er ist ausgebildet und motiviert. Silvia Spinner vermittelt Flüchtlinge in Freiburg. Die 37-jährige gelernte Krankenschwester hat Islamwissenschaften studiert und spricht Arabisch. Ihre Projektstelle finanziert die Bundesagentur für Arbeit. In den vergangenen fünf Wochen hat sie bereits 25 Menschen für das Modellprojekt ausgewählt. Weitere zehn werden in den nächsten Wochen hinzukommen– ein Großteil davon sind Männer. Das liegt daran, dass mehr männliche als weibliche Flüchtlinge in Deutschland ankommen. Noch konnte niemand vermittelt werden, doch Schubert glaubt, dass sich das bald ändert. Es hänge von Qualifikation und freien Stellen ab. Beides sei vorhanden.

Werbung


Allein 2013 beantragten 109 000 Menschen Asyl in Deutschland. Rund 20 Prozent von ihnen erfüllen die Kriterien für das Modellprojekt, so Schubert. In der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge in Karlsruhe stellen die Asylbewerber, die Baden-Württemberg zugeteilt werden, ihren Antrag. Die Mitarbeiter machen sich ein erstes Bild über Herkunft und Bildungshintergrund der Flüchtlinge. Dann schlägt Karlsruhe Freiburg Menschen vor, die für das Projekt in Frage kommen. "Freiburg wurde auch als Standort ausgewählt, weil wir hier schon Bleiberechtsstrukturen haben", sagt Schubert. Auch in Augsburg, Bremen, Dresden, Hamburg und Köln erproben die Agenturen für Arbeit das Modellprojekt, das im Dezember diesen Jahres endet. Schubert sagt: "Bisher suchen wir Menschen aus, die wegen der politischen Situation nicht so schnell in ihre Herkunftsländer zurückkönnen. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Projekt ausgeweitet wird."

Autor: Nadine Zeller