Ernüchterung

Freiburg findet nur einen einzigen neuen Standort für Windräder

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Do, 22. März 2018 um 08:39 Uhr

Freiburg

Der Ausbau der Windkraft auf Freiburger Gemarkung bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Denn als einziger neuer Standort kommt der Taubenkopf im Ortsteil Kappel hinzu.

Im Gemeinderat machte sich Ernüchterung breit. CDU-Stadtrat Bernhard Schätzle blickte bang auf die Klimaschutzziele der Stadt, die wohl kaum erreicht würden. Bei einer Enthaltung hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend den sogenannten Teilflächennutzungsplan Windkraft beschlossen. Damit endet ein Verwaltungsverfahren, das seinen Anfang im Jahr 2012 genommen hat, als die damals neue grün-rote Landesregierung die geltenden Vorrang- und Ausschlussgebiete für Windkraft aufgehoben hatte. Die Städte und Gemeinden durften nun selbst steuern, wo sich Rotoren drehen sollen.

Rechtsstreit mit der Landesregierung ist beendet

Allerdings setzen gesetzliche Bestimmungen nach wie vor einen engen Rahmen, vom Landschafts- bis zum Lärmschutz. Der Artenschutz hat in Form eines brütenden Wanderfalkenpärchens den besten Standort verhindert: den Ochsenberg.

Im Oktober 2015 präsentierte das Rathaus 18 potenzielle Flächen. Nach weiteren Untersuchungen blieben ein Jahr später noch zehn mögliche Standorte übrig. Seit Dienstag sind es noch drei: die altbekannten Rosskopf und Holzschlägermatte sowie der Taubenkopf, rund vier Kilometer oberhalb der Kappeler Molzhofsiedlung. Sie haben bereits den Segen des Regierungspräsidiums.

"Der vorliegende Vorschlag macht den Ausbau der Windkraft in Freiburg möglich, wenn auch nicht in dem Umfang, den sich viele gewünscht haben", sagte Baubürgermeister Martin Haag. Immerhin sind nun die beiden Windräder auf der Holzschlägermatte rechtlich gesichert, die im September 2003 ans Netz gingen und nach einem Rechtsstreit mit der damaligen CDU-Landesregierung unter Ministerpräsident Erwin Teufel nur eine auf 20 Jahre befristete Genehmigung erhalten hatten.

Bestehende Anlagen sollen durch neue ersetzt werden

Ernüchternd sei das Ergebnis des langwierigen Verfahrens, sagte Stadtrat Eckart Friebis von den Grünen (11 von 48 Sitzen im Gemeinderat). Im schlechtesten Fall stünden künftig lediglich zwei Windräder mehr auf Freiburger Gemarkung als heute. Maximal denkbar wären elf. So komme dem Repowering größere Bedeutung zu, also dem Austausch der bestehenden Anlagen durch neue. Die sind nahezu doppelt so groß wie die alten mit ihren 133 Metern, haben längere Flügel und erzeugen viermal so viel Strom. "Die Neuen sind deutlich wahrnehmbarer", sagte Friebis, "da dürfen wir uns nicht in die Tasche lügen."



Die fünf Freiburger Windräder liefern etwa zehn Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr und decken gerade mal ein Prozent des Bedarfs der Stadt. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, sollten in zwei Jahren zehn Prozent des Stromverbrauchs durch die Windenergie gedeckt werden, bis zum Jahr 2030 sogar 15 Prozent. Auf den nun beschlossenen Flächen könnten neue Anlagen etwa neun Prozent des Bedarfs decken.

Andreas Markowsky, Geschäftsführer der Ökostrom-Gruppe, ist erst einmal froh, dass er nun die Planungen vorantreiben kann. Mit dem kommunalen Energieversorger Badenova hat er die Tochtergesellschaft Regiowind gegründet, die die Freiburger Windräder betreibt. Gerne würde er sie deutlich vor dem Jahr 2024 repowern. "Aber es muss sich rechnen", sagte er am Mittwoch der BZ. Er appelliert an die Stadtverwaltung zu prüfen, ob nicht doch die Rotoren über die Flächengrenze ragen dürfen. Dafür bräuchte es eine Genehmigung. Das brächte zusätzliches Potenzial.