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10. Oktober 2015 13:09 Uhr

Wie helfen?

Freiburg: Hilfsangebote für Flüchtlinge laufen ins Leere

Die Solidarität der Freiburger ist groß: Mit Deutschkursen, Sach- und Kleiderspenden möchten viele Bürger Flüchtlingen helfen. Bei der Koordination der Hilfe hakt es allerdings gewaltig.

  1. Die Bedarfsorientierte Erstaufnahmestelle in Freiburg: Viele Bürger möchten den Flüchtlingen helfen Foto: Thomas Kunz

Viele Freiburgerinnen und Freiburger wollen helfen, nun, da immer mehr Flüchtlinge in der Stadt wohnen: mit Deutschkursen, Kleiderspenden, Kuchenbacken – egal wie. Doch die Angebote laufen oft ins Leere. Oberbürgermeister Dieter Salomon hat sich jetzt öffentlich dafür entschuldigt.

Hilfsbereite Bürger, überlastete Verwaltung

Dienstagabend im Rieselfeld: Stadtverwaltung und Freiwilligenagentur hatten zum Infoabend "Freiwillige in der Flüchtlingshilfe" geladen. Mit 150 Interessierten hatte man gerechnet, rund 250 kamen. Viele gingen unzufrieden heim. "Die Veranstalter wussten einfach nicht, was sie mit den Hilfsangeboten anfangen sollen", sagt ein Besucher: "Die sagten immer nur: Geduld, wir sind überlastet."



Gerhard Rieger von der städtischen Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement sieht das anders: "Insgesamt war es eine gute Veranstaltung." Allerdings, räumt er ein, hätten manche Besucher konkrete Vorschläge vermisst; die Einladung sei vielleicht missverständlich formuliert gewesen. Die Stadtverwaltung sei von der Welle der Hilfsbereitschaft quasi überflutet worden und habe vielleicht auch zu spät reagiert: "Da müssen wir flexibler werden." Tatsächlich ist die Hilfsbereitschaft riesengroß.

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Rund 300 Mails mit Hilfsangeboten gingen in den vergangenen Wochen bei Ämtern und der Freiwilligenagentur ein. Loslegen konnten die wenigsten dieser potenziellen Helfer. "Seit Mitte September werden wir mit Angeboten überschwemmt", sagt Heike Arens von der Freiwilligenagentur – persönliche Beratung ist nicht mehr möglich. Das Treffen im Rieselfeld sollte darüber aufklären; den Besuchern war das zu wenig.

Koordination gelingt den Kirchengemeinden besser

"Ich habe den Eindruck, diese Art von Ehrenamtsverwaltung ist zu traditionell", sagt Michael Hartmann. Der Pastoralreferent des Seelsorgeteams St. Georgen-Hexental hat im Kirchenladen in Vauban eine Koordinationsstelle für Ehrenamtliche eingerichtet. Die Kirchengemeinden gehen voran: Haslach, Weingarten, Rieselfeld und Vauban/St. Georgen arbeiten in kleinen Einheiten zusammen. Ihnen gelingt es deutlich besser, die Dynamik in Sachen Hilfsangebote aufzunehmen und zu nutzen.

Und da ist noch eine ganz andere Form des Engagements, das sich in den sozialen Netzwerken zeigt. Auf Facebook-Seiten wie "Flüchtlingshilfe Freiburg" oder "You and we – Freiburg for refugees" finden sich spontan und selbstorganisiert Menschen zusammen, die etwas auf die Beine stellen, zum Beispiel Sonntagsfeste neben der provisorischen Landeserstaufnahmestelle BEA an der Lörracher Straße.

Bei der Stadtverwaltung hat man inzwischen bemerkt, dass man hinterherhinkt, und noch zwei Stellen eingerichtet. OB Dieter Salomon sagte am Mittwoch: "Ich muss mich dafür entschuldigen, dass wir es im Augenblick nicht schaffen, das tolle Engagement vieler Bürger sinnvoll zu kanalisieren. Das wird noch einige Wochen dauern."

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Autor: Simone Lutz