Klimaschutz

Freiburg tritt "Fossil-Free-Bewegung" bei - doch Badenova darf weiter mit Erdgas handeln

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Di, 06. März 2018 um 10:59 Uhr

Freiburg

Die Stadt Freiburg will der weltweiten Fossil-Free-Bewegung beitreten, die sich gegen Investitionen in klimaschädliche Brennstoffe einsetzt. Das ist jedoch lediglich ein symbolischer Schritt.

Die Stadt Freiburg will der weltweiten Fossil-Free-Bewegung beitreten. Der regionale Energieversorger Badenova, der mit Erdgas handelt und an dem Freiburg rund ein Drittel der Anteile hält, bleibt jedoch außen vor. Die Freiburger Fossil-Free-Gruppe begrüßt gleichwohl den Entschluss und erhofft sich dadurch weitere Impulse.

Brennstoff-Firmen soll die Unterstützung entzogen werden

Die Idee hinter Fossil Free (ohne fossile Brennstoffe) lautet Divestment (Kapital abziehen) statt Investment (Kapital anlegen). Rund 840 Institutionen und 58 000 Privatanleger haben sich bereits verpflichtet, ihr Geld nicht mehr in klimaschädigende Unternehmen zu stecken. Ziel ist es, den Firmen, die mit fossilen Brennstoffen Geld verdienen, möglichst viel Unterstützung zu entziehen. Auch das Land Baden-Württemberg hat 2016 beschlossen, mit seinen Anlageentscheidungen die Energiewende vorantreiben zu wollen – und kürzlich für Schlagzeilen gesorgt, weil ein Pensionsfonds des Landes das Engagement in Öl-, Gas- und Kohlekonzerne sogar noch erhöht hat (die BZ berichtete).

Für die Stadtverwaltung ist der Fossil-Free-Beitritt indes nur symbolisch. Denn, so erklärte Kämmerer Bernd Nußbaumer in der jüngsten Sitzung des gemeinderätlichen Umweltausschusses: "Wir haben derzeit gar keine Geldanlagen." Städtisches Vermögen stecke in öffentlichen Immobilien – und in den städtischen Gesellschaften. Genau diese sind jedoch von dem Fossil-Free-Beitritt ausgenommen, etwa die kommunale Badenova AG, die mit Erdgas handelt und damit Geld verdient. Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik (Grüne) bezeichnete es als unrealistisch, dass Badenova von jetzt auf gleich komplett auf Erneuerbare Energien umsteige.

Die Stadtverwaltung hat aktuell keine Geldanlagen

"Das ist ein kritischer Punkt", meint Christian Hauenstein von der Freiburger Fossil-Free-Bewegung. Da Badenova kein Unternehmen sei, das Erdgas fördert oder erkundet und damit "eher am Ende der Kette" stehe, sei die Ausnahme in Ordnung. Das sei in anderen Städten nicht anders. Auf der "schwarzen Liste" von Fossil Free stehen vor allem börsennotierte Konzerne, insgesamt 200 Unternehmen. Christian Hauenstein wertet den Schritt der Stadt Freiburg vor allem als "wichtiges Signal". Er hofft, dass sich dadurch andere Institutionen, aber auch Bürger ebenfalls Gedanken über ihre Geldanlagen machen. Die Freiburger Fossil-Free-Gruppe versucht seit einigen Jahren, auch die Universität und das Erzbistum davon zu überzeugen, der Fossil-Free-Bewegung beizutreten – bislang ohne durchschlagende Erfolge, so Hauenstein. Im Umweltausschuss sprachen sich mehrere Stadträte dafür aus, dass das Rathaus diesbezüglich an Uni, Kirchen und Stiftungsverwaltung herantreten solle – Bürgermeisterin Stuchlik sicherte dies zu.

Dass die Stadt Freiburg Teil von Fossil Free wird, geht auf eine Initiative von mehreren Gemeinderatsfraktionen zurück. Bereits 2015 hatten SPD, Unabhängige Listen, Freie Wähler, JPG und Freiburg Lebenswert/Für Freiburg im Rathaus angefragt, wo die Stadtverwaltung ihr Geld anlegt. Insofern begrüßte der Umweltausschuss den Entschluss der Stadtverwaltung – abgestimmt wird am 20. März im Gemeinderat.