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29. Juli 2016

Leben im mobilen Container

Freiburger Solararchitekt plant Öko-Container für Flüchtlinge

Wohnraum, Küche und Bad: Rolf Disch hat alternative Wohncontainer für Flüchtlinge entwickelt. Der Spezialist für Solararchitektur will mit seinen Unterkünften aus Holz mehr Energie produzieren, als sie selbst benötigen.

  1. Innenansicht eines Wohnmoduls Foto: Rolf Disch Solararchitektur

Als vor knapp einem Jahr die Stadt händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge suchte, kaum noch Baufirmen und Architekten für kurzfristige Umbauten zu bekommen waren und man monatelange auf Wohncontainer warten musste, wurde Rolf Disch initiativ: Der Spezialist für Solararchitektur begann, alternative Wohncontainer zu entwickeln – mit eigenem Bad und kleiner Küche, in Holz- und Plusenergiebauweise. Will heißen: Disch will mit seinen Unterkünfte mehr Energie produzieren, als sie selbst benötigen.

Die Zeit drängte im Sommer 2015. Disch arbeitete auf eigene Kosten an der Entwicklung. Inzwischen hat er nahezu fertige Pläne, die er derzeit noch "optimiert": "Wir wollen keinen Schnellschuss." Auf einem Grundstück in der Wiesentalstraße nahe einer bereits bestehenden Flüchtlingsunterkunft, die aus herkömmlichen Stahlcontainern besteht, will der Freiburger Architekt baldmöglichst 18 Exemplare seines Prototyps testen. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. Das angedachte Gelände gehört zum Teil Disch selbst.

Die Wohnmodule sollen aus massivem Fichtenholz gebaut werden, 30 Quadratmeter groß und 3,30 Meter hoch sein, so dass es Platz für eine Galerie als Schlaf- oder Lagerraum gibt, und die Container "alles haben, was man braucht: Brandschutz, Schallschutz, Wärmeschutz", so der Architekt. Während herkömmliche Wohncontainer nach fünf Jahren "abgewohnt" sind, geht Disch für sein Modell von einer wesentlich längeren Nutzung aus: "Es muss etwas Hochwertiges sein, variabel, in unterschiedlichen Größen." Seine Module könnten "so lange wie ein normaler Wohnungsbau" bewohnt werden, glaubt er: "Sie haben eine hohe Wohnqualität, es gibt da keine Abstriche." Der Vorteil gegenüber bestehenden Containerwohnheimen: "Man hat mehr Privatsphäre, da man ein eigenes Bad und eine eigene Kochmöglichkeit hat."

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Die Holzmodule sollen komplett in der Werkstatt gefertigt werden und dann fertig an den Standort transportiert werden. Disch sieht einen entscheidenden Vorteil seines Plusenergiemodells gegenüber den gewöhnlichen, meist elektrisch beheizten Containern im energetischen Bereich: "Dass viele Flüchtlingsunterkünfte mit Strom beheizt werden, ist eigentlich ein Unding." Der Solararchitekt will seine mobilen Wohnungen mit Photovoltaikanlage, dreifacher Wärme- und Schallschutzverglasung und einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung ausstatten. Dank eines Speichers kann der Strom auch ins Netz eingespeist werden. Beheizt werden soll ein Modulkomplex im Idealfall durch ein Blockheizkraftwerk mit Wärmespeicher. "Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass man langfristig denken muss", ist Disch überzeugt. Er rechnet mit Baukosten von 2000 Euro pro Quadratmeter inklusive Bad und Fundamentierung. Die Module sollen aufeinander gestellt werden. Eine dreigeschossige Bauweise sei statisch problemlos möglich, es gehe aber auch höher.

Bundesweit, auch im Freiburger Rathaus, besteht Interesse – wenn der Preis stimmt. Die Miete müsse erst noch berechnet werden, sagt Werner Hein. Der kommissarische Leiter des neuen Amts für Migration und Integration begrüßt, dass Dischs Wohnungen mehr Privatsphäre bieten. Der Architekt werde der Stadt zwei Modellrechnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung vorlegen: eine Variante finanziert mit Fördermitteln des Landes und eine ohne öffentliche Förderung. Laut Disch variiert der Preis je nach Grundstück, Anzahl der Module und weiteren Faktoren.

Standortsuche

Eigentlich wollte Rolf Disch seine Module im Stadtteil Vauban bei der Wendeschleife der Stadtbahn aufstellen. Wolfgang Heinze – Vorstandsmitglied des Vereins autofreies Wohnen, der das 3500-Quadratmeter-Gelände im Besitz von 415 autofreien Vauban-Haushalten treuhänderisch verwaltet – kann sich eine solche mehrjährige Zwischennutzung vorstellen. Doch bei einer Versammlung, auf der Disch seine Idee vorstellte, fühlten sich manche überfahren, wohl auch, weil der Großteil einer beliebten Wiese wegfallen würde. Heinze denkt deshalb an eine geringere Bebauung mit etwa 20 Modulen; die Wiese bliebe dann zu drei Vierteln erhalten. Zunächst müssten baurechtliche Fragen und der Bedarf nach Flüchtlingswohnungen geklärt werden, ehe Anwohner und Grundstückseigentümer einbezogen werden.  

Autor: fz

Autor: Frank Zimmermann