Freiburger Start-up-Firma Telocate wird für seine Indoor-Navigation ausgezeichnet

Hanno Müller

Von Hanno Müller

Di, 04. Juli 2017

Freiburg

Sie lernten sich kennen während der Promotion und gründeten flugs ihr eigenes Unternehmen: Fabian Höflinger und Johannes Wendeberg. Nun sind die zwei Gründer und Geschäftsführer der Firma Telocate mit dem zweiten Preis beim Wettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums für die IKT-Gründung des Jahres ausgezeichnet worden.

Sie lernten sich kennen während der Promotion und gründeten flugs ihr eigenes Unternehmen: Fabian Höflinger und Johannes Wendeberg. Nun sind die zwei Gründer und Geschäftsführer der Firma Telocate mit dem zweiten Preis beim Wettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums für die IKT-Gründung des Jahres ausgezeichnet worden.

"Große Konzerne wie Apple interessieren sich auch dafür", sagt Fabian Höflinger. Die Rede ist von der sogenannten Indoor-Lokalisierung, also der Ortung von Handys, Robotern und anderen Geräten in geschlossenen Räumen. Telocate wählt jedoch einen anderen Forschungsansatz als der IT-Konzern aus den USA. "Wir haben auf Schall gesetzt", erläutert der 36-jährige Mikrosystemingenieur. Das Konzept hat sich bewährt. Das schallbasierte Verfahren von Telocate ist wesentlich präziser als die Ortung via Bluetooth oder via W-Lan.

Auf die Idee mit der Schallnavigation kommen Höflinger und Wendeberg während ihrer Promotion an der Uni Freiburg. "Wir wollten ein eigenes Projekt auf die Beine stellen", erinnert sich der 35-jährige Informatiker Wendeberg. Dann geht es schnell: Am 23. Mai 2014 erhalten Höflinger und Wendeberg das einjährige Exist-Gründerstipendium des Wirtschaftsministeriums. Das Start-up bezieht sein erstes Büro im Studentenwohnheim an der Technischen Fakultät.

Mit Unterstützung der Uni entwickeln die beiden ihre Technologie weiter. Grundlage ist dabei der sogenannte Fledermauseffekt. Das Smartphone gibt akustische Signale im 20-Kilohertz-Bereich von sich. Diese Signale sind fürs menschliche Gehör nicht wahrnehmbar, allerdings für die von Telocate entwickelten Detektoren im Gebäude. Diese berechnen mit Hilfe der Signale die genaue Position des Smartphones.

So weit, so gut – wären da nicht die Echos. "In jedem Raum gibt es Echos", sagt Höflinger. Diese stören die Signalverarbeitung. Sie in den Griff zu bekommen, erweist sich als echte Herkulesaufgabe. Dann aber folgt der Durchbruch. Anfang 2015 funktioniert die erste Ortung in Echtzeit – ein Heureka-Moment für Höflinger und Wendeberg.

Bald darauf muss das Unternehmen jedoch einen Rückschlag hinnehmen. In der Nacht vom 24. auf 25. Oktober 2015 kommt es zu einem Schwelbrand in einem benachbarten Büro. Über das Lüftungssystem gelangt der Rauch auch in die Räume von Telocate, die deswegen erst einmal nicht mehr nutzbar sind. "Die erste Woche waren wir ganz ohne Computer", erinnert sich Höflinger. "Die Uni hat uns dann zum Glück kurzfristig in anderen Räumen untergebracht", sagt Wendeberg.

Überhaupt erweist sich die enge Kooperation mit der Hochschule als förderlich. Telocate investiert viel Zeit in die Forschung, schreibt Masterarbeiten für Studierende aus, stellt studentische Hilfskräfte ein und veröffentlicht im Gegenzug wissenschaftliche Arbeiten. Mittlerweile besteht das Team von Telocate aus acht Mitarbeitern, Tendenz steigend. Einen Teil seiner Kosten kann das Unternehmen über Forschungsfördergelder finanzieren. Höflinger und Wendeberg möchten auch, dass das weiterhin so bleibt. "Wir sehen uns selbst als Technologieentwickler und -anbieter." Die Verbreitung im Markt überlassen sie lieber anderen.

Ganz im Sinne der Technologieentwicklung arbeitet das Unternehmen derzeit an neuen Anwendungsfeldern für das Ortungssystem. Potenzielle Anwendungsfelder sind die Blindennavigation und die Orientierung auf Messegeländen. Besucher in Krankenhäusern sollen mit dem System leichter zum Patientenzimmer finden und ein großer Systemgastronom habe ebenfalls Interesse gezeigt, um damit seinen Service zu optimieren.

Telocate erzielte nach eigenen Angaben 2016 einen Umsatz im sechsstelligen Bereich. Seit Gründung konnte das Start-up den Erlös jährlich verdoppeln. Wendeberg rechnet auch für 2017 mit einer Verdopplung.