Musikkultur

Freiburgs erste Hi-Fi-Convention stößt auf großen Zuspruch

Rolf Müller

Von Rolf Müller (BZ)

Mo, 26. Februar 2018

Freiburg

Es gibt sie offenbar noch – die Liebhaber des hifidelen Wohlklangs, die ihre Musik nicht aus dem Smartphone oder MP3-Player beziehen und ihre Geräte beim gut sortierten Fachhändler nach sorgfältigen Hör-Vergleichen auswählen.

Ein halbes Dutzend gibt es in Freiburg, und fünf davon – Esser, Gogler, Müller, Polansky, Velde – und dazu "in akustik" aus Ballrechten-Dottingen haben am Wochenende im Dorint-Hotel beim Keidelbad die erste Freiburger Hi-Fi-Convention bestritten.

Zusammen mit den Freiburger Veranstaltungsprofis "Seiler + Kunz" wollen sie künftig die Lücke von Hi-Fi-Fachausstellungen im Südwesten schließen und eine Fahrt nach München oder Stuttgart ersparen. Gut 70 Marken der gehobenen internationalen Hi-Fi-Szene präsentierten sich zum Auftakt in mehr als einem Dutzend Hotelzimmern - und der Besucherandrang war zeitweise beängstigend.

In einträchtiger Nachbarschaft dienten Schallplatte und Festplatte als Musikspeicher, glimmten Röhren in sanftem Licht aus Verstärkerfronten und blickten W-LAN-Antennen keck hinter futuristischen Geräten mit buntem LED-Display hervor. So manches Kabel von der Stärke eines Kinderarms schlängelte sich zwischen Netzfilter oder Sinus-Wellen-Generator und den Wiedergabegeräten, zwischen Verstärker und Lautsprechern.

Altbekannte Namen wie Canton, Dual oder T+A waren ebenso vertreten wie die fast vergessenen von Acoustic Research, Krell oder Tannoy. Überraschungen gab es obendrein, etwa nach Jahrzehnten wieder mal einen Plattenspieler von Elac oder einen Röhrenverstärker aus Polen. Als Orientierungshilfe durch die Szene konnte am Eingang ein "Who is Who in High Fidelity" erstanden werden, alphabetisch sortiert in zwei Bänden.

Die optische Anmutung war meist ebenso ansprechend wie der akustische Genuss. Lautsprecher und Racks, also die Regale für die Geräte, in edlem Design und Edelholz-Furnier, Gerätefronten mit sorgfältig gebürstetem Metall – dazu ein Plattenspieler mit dem bezeichnenden Namen "Transformer" und einem futuristischen Tonarm, der aussah, als wäre er gerade einem der gleichnamigen Filme entsprungen. Wobei die Bezeichnung Schallplatte fast eine Untertreibung ist für die mindestens 180 Gramm schweren Vinyl-Scheiben, die sich heute bei einer wachsenden Zahl von Fans dieser analogen Technik auf dem Teller drehen.

Und die Musik, die aus dem Netz, vom Server oder der Super-Audio-CD kommt, hat wenig mit MP 3 zu tun: 24bit und 192KHz sind das Minimum, also ein Vielfaches dessen, was eine normale CD auf der Scheibe hat. Smartphone und Tablet sind allenfalls als Fernbedienung erlaubt. Die Preise beginnen auf den nach oben offenen High-End-Skalen durchaus moderat: knapp 1000 Euro für einen Netzwerk-Server oder einen CD-Spieler, 2000 für einen ordentlichen Verstärker und ebensoviel für einen gewichtigen Plattenspieler oder ein Paar wohltönende Lautsprecher.

Die Präsentation in den Hotelzimmern, meist hinter geschlossenen Türen im Viertel- oder Halbstundentakt, ließ auf den Fluren noch Fachgespräche mit den Händlern und Firmenvertretern zu oder auch ganz einfach den Austausch von Eindrücken unter den Besuchern überwiegend mittleren Alters. Da kam dann auch zur Sprache, was bei der ersten Hi-Fi-Convention von dem Einen oder Anderen vermisst wurde: die Mehrkanaltechnik.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden: Karl Polansky jedenfalls zog am Sonntag Nachmittag eine äußerst positive Bilanz. Mit mehr als 1500 Besuchern wurden die Erwartungen deutlich übertroffen, so dass einer Wiederholung im kommenden Jahr nichts im Wege steht.