Friede im einstigen Wellblechhausen

Carola Schark

Von Carola Schark

Di, 22. April 2014

Freiburg

WIEDERSEHEN! Die Reithalle der früheren Artilleriekaserne musste 2009 einem Neubau für die Hals-, Nasen-, Ohrenklinik weichen.

MOOSWALD. Vor fünf Jahren wurde das Schicksal der früheren Militär-Reithalle an der Berliner Allee besiegelt. Durch die mehrfachen Umbauten hatte das Gebäude keine Chance, ein Kulturdenkmal zu werden. Die der Universität gehörende so genannte Reithalle wurde abgebrochen, um Platz zu machen für das Haus III des Implant-Centrums der Universitätsklinik.

Verwirrung stiftet die Bezeichnung als Reithalle, da die ab 1896 erstellten Pläne für die Artilleriekaserne keine Halle, sondern nur zwei Reitplätze sowie zwei gedeckte Reitbahnen vorgesehen hatte. Diese lagen jedoch weiter östlich. Vermutlich hatte die spätere Reithalle zunächst Stallungen beherbergt. In einer damaligen Stellungnahme des Stadtrats heißt es: "Wie wir schon oft betont haben, halten wir eine entsprechende Vermehrung der hiesigen Garnison nicht bloß für vertretbar, sondern in mancher Beziehung für gerade wünschenswerth". Dies umso mehr, als in den 1870er Jahren der Versuch gescheitert war, ein Kavallerie-Regiment in der Stadt unterzubringen.

Stadtbaumeister Rudolf Thoma hatte die Gesamtanlage im repräsentativen Stil der Neorenaissance geplant. Das für den Kasernenbau vorgesehene Gelände am so genannten Mittelweg lag damals noch draußen vor der Stadt nahe der Gemarkung Betzenhausen. Der Mittelweg entspricht dem Verlauf der heutigen Barbarastraße, welche seit 1901 nach der Heiligen Barbara benannt ist, der Schutzpatronin der Artillerie. Ein Regimentsangehöriger hat zur Einweihung der Anlage eine von ihm selbst geschnitzte Statue der Heiligen gestiftet.

Im Gespräch für den Kasernenbau waren ebenso Grundstücke an der Basler Straße sowie an der Schwarzwaldstraße gewesen, bevor man sich für das Gebiet nahe dem Heidenhof entschied. Die Stadt errichtete in Eigenregie "ein Kasernement für einen Regimentsstab und zwei Abteilungen fahrende Artillerie zu je drei Batterien einschließlich Offiziersspeiseanstalt".

Mit der Königlichen Intendantur des XIV. Armeekorps des Reichs-Militär-Fiskus wurde im Juni 1899 ein Pachtvertrag geschlossen. An dieses für die Garnisonsstadt ereignisreiche Jahr erinnert ein wappengeschmückter Gedenkstein unweit des früheren Standorts der Reithalle. Allerdings verzögerte sich der Bau einiger Gebäude. Bis zur Fertigstellung von Kasernen und Wirtschaftsgebäuden wurden Soldaten und Gerät in Baracken untergebracht, weshalb das Areal als "Wellblechhausen" verspottet wurde.

Im westlichen Teil des Geländes befanden sich an der heutigen Berliner Allee ein Geschütz-Exerzierplatz, Stallungen sowie das im Jahr 2009 abgebrochene und als Reithalle bezeichnete Gebäude. Schon lange hatte niemand mehr sein Pferd an den eisernen Ringen, die aus der Fassade ragten, angebunden. Das alte Bauwerk diente zuletzt als Lager. Ein Vorstoß, den langgestreckten Riegel als Veranstaltungsraum zu nutzen, blieb erfolglos.

Nach dem Abbruch des Altbaus wurde im April 2010 der Grundstein für den Erweiterungsbau des Implant-Centrums der Hals-Nasen-Ohren-Klinik gelegt, welcher 2011 fertiggestellt wurde. Interessant ist die Mischung aus historischer und moderner Architektur auf engstem Raum. Ein kleiner Park mit Spielplatz und verschlungenen Wegen ist aus dem westlichen Teil des Kasernenareals geworden, während der östliche Teil überwiegend zu Wohnzwecken verwendet wird. Der Friede ist eingekehrt im einstigen Wellblechhausen.