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01. Februar 2012
Herdern
Gagfah-Wohnungsverkauf ist vom Tisch
Der umstrittene Immobiliendeal in Herdern ist vom Tisch. Die Gagfah als Eigentümerin hat ihre 13 Häuser mit 108 Wohnungen vom Markt genommen.
Das teilte gestern Geschäftsführer Dieter Schwahn von der Südwert GmbH aus Bietigheim-Bissingen mit, die als Käuferin mit der Gagfah so gut wie einig gewesen war. Nicht zuletzt politische Gründe spielten für das Scheitern eine Rolle.
Im Gemeinderat, so Finanzbürgermeister Otto Neideck, habe es keine Mehrheit gegeben. Die aber wäre nötig gewesen, um die beiden städtischen Erbbaugrundstücke, auf denen die Mietshäuser stehen, ebenfalls an die Südwert zu veräußern. Darauf hatte das schwäbische Unternehmen bestanden. Neideck gab gestern gegenüber der BZ auch eine Kursänderung des Rathauses bekannt: Sollte die Gagfah irgendwann doch noch ihre Gebäude versilbern wollen, werde die Stadtverwaltung ihr Vorkaufsrecht prüfen, das ihr als Eigentümerin der Erbbaugrundstücke zusteht. Der ursprünglich von Neideck befürwortete Verkauf der beiden Fläche sollte 2,6 Millionen Euro in die Stadtkasse spülen. Das Thema war kurzfristig Ende Dezember von der Tagesordnung des Gemeinderats genommen worden.
Wie mehrfach berichtet, wollte die Südwert die 108 Wohnungen im Dreieck Rennweg, Sautier- und Stefan-Meier-Straße kaufen. Eigentümerin ist seit den 30er Jahren die Gagfah, die "Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Angestellten-Heimstätten", die im Jahr 2004 von der amerikanischen Investmentgesellschaft Fortress gekauft wurde. Die zwei Grundstücke, auf denen die Häuser stehen, gehören der Stadt und bringen jährlich 44 000 Euro Erbbauzins. Diese Flächen wollte die Südwert ebenfalls erwerben, was allerdings auf Widerstand stieß – unter den Mietern, aber auch im Gemeinderat. Und plötzlich signalisierte auch der Bauverein Breisgau sein Interesse an den Immobilien. "Inzwischen", sagt Finanzdezernent Neideck, "gibt es jede Menge Interessenten." Darunter seit wenigen Wochen auch die Stadt. Und die sitzt mit ihrem Vorkaufsrecht am längeren Hebel. Zu welchen Bedingungen es greifen würde, kann Neideck nicht sagen. "Das müsste dann geprüft werden." Derzeit gebe es jedenfalls keinen Handlungsbedarf.
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Unabhängig von der neuesten Entwicklung weist die Südwert den Vorwurf zurück, dass ihre Privatisierung von Mietwohnungen zu steigenden Mieten oder Kündigungen führe. Auch dann nicht, wenn die Südwert eine Wohnung an private Geldanleger weiter veräußere, versichert Geschäftsführer Dieter Schwahn in einem Brief an die Fraktionen im Gemeinderat. Seit 1998 kauft und privatisiert die Südwert auch in Freiburg Mietwohnungen. Laut Dieter Schwahn handelt es sich insgesamt um sechs Projekte; das erste war die Krozinger Straße 58 in Weingarten.
Autor: Uwe Mauch
