Gedenken an Widerstandskämpfer

Robin Wille

Von Robin Wille

Di, 29. November 2016

Freiburg

An der Justizvollzugsanstalt und der Lessing-Realschule erinnern nun Tafeln an sechs "stille Helden" aus Frankreich und Deutschland.

An gleich zwei Orten in Freiburg wurde am Montag an Widerstandskämpfer während des Nationalsozialismus gedacht. Zu ihren Ehren wurden zudem Gedenktafeln enthüllt. Anlass ist die Ausstellung "Nationalsozialismus in Freiburg", die derzeit im Augustinermuseum zu sehen ist.

Links vom Haupteingang der Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Hermann-Herder-Straße 8 erinnert nun eine Gedenktafel an drei Mitglieder der französischen Widerstandsgruppe "Réseau Alliance": Edouard Kauffmann, Jean Lorday und Emile Pradelle wurden am 28. November 1944, auf den Tag genau vor 72 Jahren, ohne ordentliches Verfahren, von Beamten der Gestapo erschossen.

"Wir können die unfassbar schrecklichen Taten nicht mehr ändern – jedoch können wir ein kollektives Bewusstsein schaffen, indem wir die Namen der Männer öffentlich machen", so Ulrich von Kirchbach. Der Bürgermeister dankte dem Verband "Souvenir Français", durch dessen Engagement die Stadt auf die "Gräueltat" aufmerksam gemacht worden sei.

Vor mehr als 100 Gästen – die Mitglieder von "Souvenir Français" waren extra aus Frankreich angereist – wurde die Gedenktafel enthüllt, darunter wurden drei Kränze niedergelegt. Die Verbandsvorsitzende Mireille Hincker sagte, die Männer hätten ihre Kräfte in den Dienst eines Ideals gestellt: "Die Befreiung des Vaterlandes und die Verweigerung des Totalitarismus." Ihr Tod erfordere eine "dringend notwendige Gedächtnisarbeit und Wachsamkeit, damit sich solche Katastrophen nicht mehr ereignen". Im Anschluss zogen die Gäste, angeführt von neun französischen Fahnenträgern, an den nur unweit entfernten Tatort bei der Feuerwehrzufahrt der JVA an der Ecke Hebelstraße.

Ortswechsel: Elf Schüler und zwei Lehrkräfte aus Toulouse übergaben ihrer Partnerschule, der Lessing-Realschule in der Wiehre, einen "Baum für stille Helden". Drei Schüler pflanzten den Judasbaum, der im Frühjahr pink blüht.

Die Geschichtswerkstatt der Lessing-Realschule, einer Arbeitsgemeinschaft, die sich mit der Geschichte der Zwangsschule für jüdische Kinder in Freiburg auseinandersetzt, hatte gemeinsam mit dem "Club d’Historie" aus Saint-Antonin zu den Schicksalen recherchiert. Der Baum soll an drei Schicksale erinnern: Jean Philippe war französischer Polizist, der Juden nicht nach Deutschland ausliefern wollte und dafür in Freiburg zum Tode verurteilt wurde; Kurt Lion war Schüler in der Zwangsschule und kämpfte als Jugendlicher in der Résistance. Und Fritz Schaffner, ein Kriminalbeamter aus Bötzingen, rettete die Familie seines jüdischen Freundes Gustav Judas vor der Deportation nach Gurs. Dessen Enkelin Jutta Zöllner-Rumler appellierte an die Anwesenden: "Wir ehren die Verstorbenen am besten mit unserem Verhalten in der Gegenwart." Sie ermutigte die Schüler, sich wie ihr Großvater für die "Werte der Menschlichkeit" einzusetzen.