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27. September 2010 07:39 Uhr
Verkehrssicherheit
Geisterradler nehmen Warnhinweise kaum wahr
Schnellstmöglich vorankommen – das ist das Ziel vieler Geisterradler. Dadurch riskieren sie Unfälle und sind der Polizei ein Dorn im Auge. Die versucht nun mit Warnhinweisen, die Radfahrer vom Falschfahren abzuhalten. Bisher mit wenig Erfolg. Dabei ist vielen Fahrradfahrern nicht bewusst, dass sie gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen.
Ein junger Mann tritt auf der Baslerstraße in die Pedale und reckt den Oberkörper weit nach vorne. Sein verzerrtes Gesicht ist starr nach vorne gerichtet. Er rast auf der verkehrten Seite stadtauswärts und übersieht eine entgegenkommende Radlerin – die kann gerade noch ausweichen. Glück gehabt.
Nicht so glimpflich ging vergangene Woche ein anderer Fall von "Geisterradeln" aus: Ein 39-jähriger Fahrradfahrer war in der Elsässer Straße entgegen der Fahrtrichtung unterwegs, kollidierte mit einem Auto, das von der Wirthstraße einbog, und kam schwer verletzt ins Krankenhaus. In diesem Fall können sowohl der Radler als auch der Autofahrer haftbar gemacht werden. Solche Unfälle sind keine Seltenheit in Freiburg.
Erst in diesem Jahr musste sich ein 19-Jähriger vor dem Landgericht verantworten, der auf dem Velo in der falschen Fahrtrichtung unterwegs war und frontal mit einer Radfahrerin zusammenprallte. Die Frau wurde schwer verletzt, der "Geisterradler" verlor sein Bewusstsein. Vom Richter wurde er zu 20 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.
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In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrern kontinuierlich gestiegen. Allein 2009 meldete die Polizei 632. Hauptgründe sind zu hohes Tempo, Missachten der Vorfahrt – und eben das Geisterradeln. "Freiburg ist eine Fahrradstadt, darüber freuen wir uns. Aber es passieren zu viele Unfälle", sagt Polizeisprecher Karl–Heinz Schmid.
Mit Hilfe von Stichproben hat das Institut für angewandte Verkehrs- und Tourismusforschung für die Stadt Freiburg und die Polizeidirektion in einer aktuellen Untersuchung die Radverkehrssicherheit analysiert. In den Fragebögen gaben 90 Prozent der Fahrradfahrer zu, den Radweg entgegen der vorgeschriebenen Richtung zu benutzen. Um diese Geisterradler zum Umlenken zu bewegen, warnt die Stadt seit neustem mit Hinweisen auf dem Asphalt.
Auch Friedrich Würth radelt auf der falschen Seite die Eschholzstraße entlang. Er hat es eilig und rechtfertigt sich damit: "Es ist kein geeigneter Seitenwechsel vorhanden." Seiner Meinung nach gibt es viele problematische Stellen in Freiburg. "Es müssen vernünftige Regelungen her, denn die Leute sind einfach zu faul zum Wechseln". Er hätte einen "riesigen Umweg" in Kauf nehmen müssen, um auf der richtigen Seite zu fahren – 50 Meter und zwei Ampeln.Eine solche Problemstelle hat Klaus Winkler vom Garten- und Tiefbauamt entdeckt: die Kronenbrücke. Wenn von der Innenstadt der südliche Dreisamradweg erreicht werden soll und man nicht auf der falschen Seite fahren möchte, müsste man an sieben statt an einer Ampel warten. Winklers Vorschlag ist, einen Fahrradweg auf dem östlichen Gehweg in Nord- und Südrichtung einzurichten.
Für die Polizei sind das keine Argumente. "Wer auf der falschen Seite fährt, verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung", stellt Schmid klar, "und muss mit einem Bußgeld zwischen 10 und 30 Euro rechnen". Ob die Polizei mit Bußgeld und Warnhinweisen Unfälle mit Geisterradlern verringern kann, bleibt offen. Schorsch Hardt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) kritisiert die Radwegführung in Freiburg allgemein: "Die Wege sind viel zu eng und an manchen Stellen müssen Radler auf den Gehweg ausweichen." Seiner Meinung nach gehören Fahrradfahrer sowieso auf die Straße. Dies sei die sicherste Variante.
INFO: Von den 632 Radunfällen in Freiburg im Jahr 2009 wurden 94 durch unangepasste Geschwindigkeit verursacht und 92 durch missachtete Vorfahrt. 84 Unfälle gab es gab es, weil Radler in die falsche Richtung unterwegs waren. Alkohol spielt bei 29 Radunfällen eine Rolle.
- Neue Warnhinweise: Freiburg will Geisterradler zum Umlenken bewegen
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Autor: Johanna Hirt
