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02. Februar 2017

Geldstrafe für Sportlerin, die Dopingmittel aus der Ukraine importierte

Eine ukrainische Staatsangehörige wurde vom Amtsgericht wegen unerlaubten Besitzes und Erwerbs von Dopingmitteln zu einer Geldstrafe von 85 Tagessätzen à 55 Euro, also 4675 Euro, verurteilt. Die 28-jährige Sportlerin, Ernährungsberaterin und Personal Trainerin wusste angeblich nichts vom Antidopinggesetz in Deutschland.



Marga X.
befindet sich mitten in ihrem Einbürgerungsprozess. Ihre ukrainische Staatsangehörigkeit hat sie schon abgegeben. Voraussetzung für eine Einbürgerung ist jedoch, dass eine sogenannte Bagatellgrenze von 90 Tagessätzen Geldstrafe nicht überschritten werden darf. Bisher lief das Verfahren gut. Doch zunächst stand eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Antidopinggesetz von 120 Tagessätzen im Raum. Angemessen, wie Staatsanwalt Florian Rink fand.

Im Februar 2015 wurde ein von ihr bestelltes Paket am Flughafen Köln-Bonn zufällig kontrolliert, die Beamten fanden Doping-Tabletten. Im Januar 2016 wurde ihre Wohnung durchsucht, dabei wurden ebenfalls nicht geringe Mengen von Präparaten wie Testosteron gefunden.

Auf den Vorwurf, die Mittel verkaufen zu wollen, entgegnete die Angeklagte, dass die Präparate nur für den Eigenbedarf gedacht gewesen seien – ein Vorrat für längere Zeit. Schädigen habe sie niemanden wollen. Bei wiederholten Reisen in ihr Heimatland hatte sie die Präparate einfach im Koffer mitgenommen. In der Ukraine bekomme man solche Mittel rezeptfrei und legal in der Apotheke. Darum habe sich die Ukrainerin nicht weiter um deutsche Gesetze gekümmert.

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Die 28-jährige verheiratete Büroassistentin, die in Freiburg lebt, hatte sich schon immer für Sport interessiert. Früher war sie Leichtathletin, seit 2014 trainiert sie Bodybuilding mit einem Trainer, den sie in der Ukraine gefunden habe. Dieser sei es auch gewesen, der ihr zum Doping geraten habe. "Ich wollte schon immer wie ein Fitnessmodel aussehen", sagt Marga X. Für sie sei der Sport neu gewesen und ihre Erfahrung mit Doping dementsprechend gering. Auch von den 2015 neu erlassenen Antidopinggesetzen wusste die Angeklagte, die seit 2010 in Deutschland lebt, angeblich nichts.

Ebenfalls 2015 nahm sie an fünf Wettbewerben teil. Trotzdem bezeichnet sie sich selbst nicht als Leistungssportlerin, für die das Gesetz vor allem gilt. Ihr Verteidiger Klaus Leible sagte sogar, hier werde eine Freizeitsportlerin bevormundet. Der vorsitzende Richter Nils Klein verurteilte die Angeklage schließlich zu 85 Tagessätzen. Nicht ohne einen Verweis auf die gesundheitlichen Schäden, die Marga X. sich selbst zufüge. Der Einbürgerungsprozess kann also weitergehen. Und Marga X betreibt nur noch "Natural Bodybuilding" – ohne Dopingmittel.

Autor: Kerrin Klüwer