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24. September 2013 10:23 Uhr

Freiburger Gemeinderat berät über Baugebiet am Schlierberg

Da Freiburg dringend weitere Wohngebiete benötigt und es noch einige Zeit bis zu einem neuen Stadtteil dauern wird, will die Stadtverwaltung jetzt Flächen mobilisieren, die schon fast in Vergessenheit geraten sind. Mit dabei ist der Schlierberg im Stadtteil Wiehre.

  1. Dass der Schlierberg bebaut wird, ist sicher. Der Freiburger Gemeinderat berät noch darüber, wann begonnen wird und wie dicht die Bebauung sein soll. Foto: Ingo Schneider

Am Dienstag soll der Gemeinderat entscheiden. Kurios: Wie viele neue Wohneinheiten dort entstehen könnten und wann die Planungen konkret beginnen, darüber gibt es aus dem Rathaus unterschiedliche Aussagen. Der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre ist generell gegen eine Bebauung der Hänge.

Laut der Gemeinderatsdrucksache, die den Stadträten in ihrer heutigen Sitzung vorliegt, könnten auf den vier am Schlierberg vorgesehenen Flächen insgesamt zwischen 440 und 680 neue Wohnungen entstehen. Im Jahr 2007, als die Planungen für eine Bebauung des Schlierbergs schon einmal begonnen hatten, war im Rathaus von insgesamt 180 bis 200 neuen Wohnungen die Rede gewesen. Die jetzigen Zahlen wären also in etwa eine Verdreifachung der Wohneinheiten.

Auf Nachfrage der BZ widerspricht Rathaussprecherin Edith Lamersdorf jedoch den in der Drucksache gemachten Angaben. Keinesfalls sollten die Flächen dichter bebaut werden als 2007 geplant, sagt Lamersdorf. Die in dem Papier für den Gemeinderat genannten Zahlen seien "pauschaliert berechnet" worden, "ohne Rücksicht auf eventuelle Ausschlusskriterien wie Abstandsflächen oder Naturschutz zu nehmen, die die Flächen verringern könnten." Das Stadtplanungsamt habe die gesamte Stadt auf der Suche nach weiteren Wohnbaupotenzialen unter die Lupe genommen und dadurch nicht jedes Gebiet im Detail betrachten können. Neben dem Schlierberg haben die Planer auch noch die Areale Schlangenweg (Herdern), Zum Schwarzen Steg (Ebnet) und Bolläcker (Opfingen) als Gebiete identifiziert, die früher bebaut werden könnten als bislang vorgesehen.

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Der Schlierberg bietet jedoch den größten Sprengstoff. Denn er gehörte zu den umstrittensten Flächen bei der Diskussion um den aktuellen Flächennutzungsplan aus dem Jahr 2005. Tausende von Unterschriften wurden damals gesammelt, in einer symbolischen Aktion besetzten Demonstranten sogar den Hang. Denn, so die Argumentation der Gegner: Der Schlierberg ist ein wichtiges Naherholungsgebiet, er sorgt für Frischluft in der Wiehre. Außerdem seien die Flächen steil und instabil und dadurch nur schwer bebaubar. Doch aller Protest half nichts: Der Schlierberg wurde in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Ende 2008 keimte dann jedoch Hoffnung bei den Gegnern der Bebauung auf: Das Rathaus verschob die Planungen. Das wurde als Signal gewertet, dass der Schlierberg als Neubaugebiet ganz gestorben sei.

Das sei jedoch nicht der Fall, sagt Lamersdorf. Der Schlierberg stehe nach wie vor als Wohnbaugebiet im Flächennutzungsplan. Bei den konkreten Planungen für die Areale werde es deshalb auch nur noch um das "Wie" der Bebauung gehen und nicht mehr um das "Ob". Die Details sollen laut Lamersdorf ab Ende 2014 besprochen werden – auch hier gibt es wieder eine Abweichung zur Drucksache, die als Startpunkt bereits Ende 2013 nennt.

Der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre lehnt die Bebauung der Schlierberghänge nach wie vor ab. Dies sei auch klares Votum bei den im vergangenen Jahr erarbeiteten Stadtteilleitlinien gewesen, sagt Justus Kampp, neuer Vorsitzender des Vereins. Er rechnet mit massiven Protesten der Bevölkerung. Kampp plädiert dafür, zunächst mit einem Perspektivplan zu schauen, wohin sich Freiburg generell entwickeln soll, bevor neue Baugebiete konkret angegangen werden.

Autor: Jelka Louisa Beule