Glasmalkunst im Flugplatz-Tower

Carola Schark

Von Carola Schark

Di, 23. Januar 2018

Freiburg

Ein buntes Fenster erinnert an den Wiederaufbau in den 70ern.

FREIBURG. Tower – bei diesem Wort denkt man an Vorschriften, Funksprüche und Kontrolle. In so einem Turm scheint wenig Raum zu sein für irgendwelchen Kunstgenuss. Doch in Freiburg ist das anders.

Zwar wirkt der 1976 fertiggestellte Tower des Flugplatzes auf den ersten Blick innen so langweilig wie außen. Doch die Zeitreise in die Kanzler-Schmidt-Ära birgt eine Überraschung: Im Treppenhaus stößt man auf ein buntes Fenster von hoher Qualität.

Der Glasmalermeister Robert Sperlich hatte nach seinem eigenen Entwurf zusammen mit dem Kunstglasermeister Emil Böcherer die in Blei gefasste Wappenscheibe gestaltet. Wie ein mittelalterliches Kirchenfenster, aber in modernen Formen, zeigt es die Verbindung von Stadt und Flugplatz durch Platzierung des Georgskreuzes als Stadtwappen. Denn seit der Gründung des Breisgauvereins für Luftschifffahrt (heute Breisgauverein für Motorflug) im Jahr 1907 sind Freiburg und sein Flugplatz untrennbar verbunden. Der Glasmalermeister Robert Sperlich hatte nach seinem eigenen Entwurf zusammen mit dem Kunstglasermeister Emil Böcherer diese in Blei gefasste Wappenscheibe gestaltet. Ein stilisierter Vogel, der an einer Sonne vorbeifliegt, ist über dem Banner mit den Stadtratsbeschlüssen zu Umbau und Erhalt des Platzes zu sehen. Denn die Zukunft des Flugplatzes war Ende der 1960er Jahre ungewiss; die damaligen Gegner verurteilten vor allem den Lärm der französischen Heeresflieger und sprachen sich für eine Wohnbebauung anstelle von Hangars und Pisten aus. 1974 aber traf der Gemeinderat einstimmig die Entscheidung zu Erhalt und Ausbau.

OB Keidel führt die Namensliste an

Das Banner präsentiert stolz die Daten der Beschlüsse zur Bestandssicherung. Der frühere Oberbürgermeister Eugen Keidel, welcher der Stadt von 1962 bis 1982 vorstand, führt die Liste der darunter stehenden Namen an. Als zweiter folgt der ehemalige Stadtkämmerer Engelbert Bernauer. Darunter sind die damaligen Aufsichtsräte der Flugplatz Freiburg GmbH genannt, ferner die Betreiberin, die Flugplatz Freiburg-Breisgau GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke Freiburg.

Das tiefe Blau eines Sommerhimmels in verschiedenen Schattierungen bringt die Details des Kunstwerks so richtig zum Leuchten – schönste Aussichten also schon vor dem Abheben.