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23. November 2012

Grätsche ins Rotgrüne

Tobias Pflüger ist Kandidat der Linken für den Bundestag.

  1. Tobias Pflüger Foto: A. peikert

Mit einer "Grätsche ins rotgrüne Freiburger Milieu" will der Linke Tobias Pflüger bei der Bundestagswahl für Furore sorgen. In seiner Bewerbungsrede im Gewerkschaftshaus vor 18 stimmberechtigten Genossen machte der 47-Jährige Politik- und Kulturwissenschaftler deutlich, dass er sich in der Wahlauseinandersetzung des kommenden Jahres vor allem seine erneut kandidierenden Konkurrenten von Rot und Grün zur Brust nehmen werde.

"Die grüne Kerstin Andreae verteidigt bis heute den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, Hartz IV und die Agenda 2010. Für diese Haltung will ich sie verantwortlich machen", kündigte Pflüger an. SPD-Ex-Staatsminister Gernot Erler attackierte er vor allem wegen seines fortgeschrittenen Alters: "Der 68-Jährige müsste nach dem Konzept seiner Partei in Rente gehen", stellte er lakonisch fest. Der gebürtige Schwabe ließ keinen Zweifel, dass die CDU/FDP-Bundesregierung maßgeblichen Anteil an der Eurokrise hat. "Die Linke ist die einzige Partei, die klar sagt, dass nicht bei den Menschen in Griechenland, Spanien und Portugal mit niedrigem Einkommen gekürzt werden darf. Wisst ihr eigentlich, dass es in Griechenland immer mehr Menschen gibt, die nicht mehr genug zum Essen haben", echauffierte sich Pflüger. Weil seiner Ansicht nach vor allem Banken und Konzerne für den drohenden Staatsbankrott verantwortlich seien, müssten diese finanziell zur Rechenschaft gezogen werden.

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Mit der einstimmigen Wahl von Tobias Pflüger zum Bundestagskandidat ist es den Freiburger Linken erstmals gelungen, einen über die Region hinaus bekanntes Aushängeschild aus dem linken Lager als Bewerber zu gewinnen. Vor mehr als 20 Jahren begann die politische Karriere des in Tübingen wohnenden Pflüger als parlamentarischer Berater der Grünen im baden-württembergischen Landtag. Nachdem er wegen Dissens zur Außenpolitik von Joschka Fischer dort austrat, schaffte er im Jahr 2004 auf der Liste der damaligen PDS für fünf Jahre den Sprung ins Europaparlament. Seit 2010 gehört er dem 44-köpfigen Linken-Bundesvorstand an. Die Bundestagsfraktion der Linkspartei berät er gegenwärtig in Fragen der Europa-, Außen- und Friedenspolitik.

Bei seiner Vorstellung in Freiburg betonte Pflüger, dass er sich als "Bewegungslinker" versteht, der sich vor allem den sozialen Bewegungen vor Ort verpflichtet fühle. In der Diskussion wies ein Veranstaltungsteilnehmer auf die zunehmend zu beobachtende kritische Haltung des alternativen Spektrums hin. "Alternativ-Autonome lehnen Parteien als Institution ab", so seine Feststellung. In seiner Antwort wies Pflüger darauf hin, dass es ihm wiederholt gelungen ist, bei Konflikten zwischen Autonomen und Polizei erfolgreiche zu verhandeln. Um als erster linker Bundestagsabgeordneter aus Südbaden den Sprung in den Bundestag zu schaffen, erhofft sich Pflüger einen der ersten vier Listenplätze beim Stuttgarter Parteitag im Januar ergattern zu können.

Autor: Andreas Peikert