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30. Oktober 2008

Gutes Beispiel VAG?

Freiburger Straßenbahnen sollen künftig mit Ökostrom fahren.

  1. Ob die VAG-Fahrzeuge künftig mit Ökostrom fahren, entscheidet der Aufsichtsrat im November. Foto: Ingo Schneider

Rund 13 Millionen Kilowattstunden Strom benötigen die Straßenbahnen der Freiburger Verkehrs AG (VAG) pro Jahr – und damit so viel wie 3500 Familien. Doch während Privathaushalte seit Anfang des Jahres vom Energieversorger Badenova automatisch Ökostrom beziehen, bekommt die VAG – wie die meisten Geschäftskunden – nach wie vor einen Strommix, der auch Energie aus Atommeilern und Kohlekraftwerken enthält. Möglicherweise schon Anfang nächsten Jahres könnte sich dies allerdings ändern – falls der Aufsichtsrat der VAG zustimmt.

Bis vor einigen Monaten hatte sich die Freiburger Verkehrs AG über das Thema Ökostrom keine konkreten Gedanken gemacht. Dies werde aktuell, wenn der bis Ende 2009 laufende Vertrag mit Badenova ausläuft, hieß es damals. Dann jedoch schaltete sich die Grüne Gemeinderatsfraktion ein. Und erreichte, dass sich Badenova und VAG an einen Tisch setzten.

Die Grünen hoffen, dass die Freiburger Straßenbahnen bereits ab dem 1. Januar 2009 mit Strom aus Wasserkraftwerken fahren – und sich dadurch die Fahrgäste weitgehend emissionsfrei durch die Stadt bewegen können. Vorbild sind die Darmstädter Verkehrsbetriebe "Heag Mobilo". Sie betreiben seit Jahresbeginn als bundesweit erstes Unternehmen ihre Bahnen mit reinem Ökostrom. Entschieden ist in Freiburg jedoch noch nichts. "Es gab konstruktive Gespräche mit Badenova", sagt VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt.

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Erich Möck von Badenova berichtet, dass der Energieversorger den Verkehrsbetrieben ein konkretes Angebot unterbreitet habe. Ansonsten halten sich beide Seiten bedeckt. Weder VAG noch Badenova möchten verraten, wie viel teurer es für den Verkehrsbetrieb wird, wenn er zukünftig seine Straßenbahnen ökologisch korrekt betreibt.

Die VAG will das Angebot nun prüfen – und im November dem Aufsichtsrat vorstellen. Dieser muss entscheiden. Im Aufsichtsrat sowohl von der VAG als auch von Badenova sitzt Oberbürgermeister Dieter Salomon. Prinzipiell stehe der OB den Plänen positiv gegenüber, sagt sein Sprecher Walter Preker. Allerdings käme es entscheidend darauf an, wie hoch die Mehrkosten sind: "Das Ganze muss sich auch rechnen."

Insgesamt wären die Pläne eine logische Weiterentwicklung für die VAG. Bereits seit Jahren versucht das Verkehrsunternehmen, mehr für den Klimaschutz zu tun. So hat es die Energiebilanz seines Betriebshofs an der Besanconallee optimiert, hat Photovoltaikanlagen installiert und ein Blockheizkraftwerk errichtet.

Das Badenova-Angebot für den Ökostrom bezieht sich zunächst nur auf die Energie, die für den Betrieb der Straßenbahnen benötigt wird. Der Strom für Betriebsstätten und Verwaltung käme auch in Zukunft aus dem allgemeinen Strommix. Dieser mache allerdings nur einen Bruchteil des Bedarfs aus, sagt VAG-Sprecher Hildebrandt. Die Grünen hoffen allerdings, dass langfristig nicht nur die VAG ihren kompletten Strom aus regenerativen Energien bezieht, sondern dass sich auch andere Geschäftskunden dem Vorbild des Verkehrsunternehmens anschließen.

Autor: Beate Beule