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22. Oktober 2015 19:27 Uhr

Neubaugebiet

Gutleutmatten: 34.000 Euro für einen Tiefgaragen-Stellplatz

34.000 Euro für einen Tiefgaragen-Stellplatz – das ist viel zu viel, finden sechs Baugruppen und eine Wohnbaugenossenschaft, die auf den Freiburger Gutleutmatten bauen. Und nicht nur das.

  1. Autos runter, Preise hoch? Foto: Ralf Staub

Mit den hochpreisigen Autoabstellplätzen verteuern sich auch die dazugehörigen Wohnungen und Sozialwohnungen, die die Baugruppen errichten müssen. Die Lage ist für einige Bauherren kritisch.

"Eine Finanzierung der Sozialwohnungen ist bei diesem Preis sehr schwer darstellbar." Andreas Henle
Im Westteil des neuen Haslacher Baugebiets gruppieren sich sechs Baugruppen und eine Genossenschaft sowie vier Häuser des Investors "Peltz Wohnen und Bauen" über einer zweistöckigen Tiefgarage mit rund 120 Plätzen, die ebenfalls Peltz errichtet. Schon lange drängten die Baugruppen darauf, die Kaufpreise für ihre Tiefgaragen-Stellplätze zu erfahren, denn ohne Kaufvertrag über die Stellplätze kein Notartermin. "Wir warten auf den Startschuss", sagt Armin Fleig von der Baugruppe Baumhaus.

Vergangene Woche nun, anderthalb Jahre nach der Vergabe, kamen die Zahlen. Je nach Größe soll ein Stellplatz 31.850 bis 35.040 Euro kosten, plus 7 Prozent Kaufnebenkosten wären das rund 34.000 bis 37.500 Euro – plus etwa 20 Euro Nebenkosten im Monat. "Eine Finanzierung der Sozialwohnungen ist bei diesem Preis sehr schwer darstellbar", so Andreas Henle von der Baugruppe Solaris. Durch die Umlage der Finanzierungskosten würde sich, so seine Rechnung, eine 60-Quadratmeter-Wohnung um rund 32 Prozent verteuern, eine 35-Quadratmeter-Wohnung um etwa 44 Prozent.

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Dazu kommt, dass die potenziellen Nutzer die Lage einzelner Stellplätze unzumutbar finden. Bei manchen Plätzen muss man laut Plan nach der Einfahrt über eine steile Rampe vor- und zurückstoßen, um quasi im spitzen Winkel einzuparken.

Eine größere Tiefgarage lässt der Bebauungsplan nicht zu

Schon früh war Kritik laut geworden, dass zu jeder Wohnung laut Landesbauordnung ein Autoabstellplatz gebaut werden muss. In Gutleutmatten werden die Stellplätze in einigen zentralen Tiefgaragen untergebracht, die über wenige Zufahrten angesteuert werden.

Die Tiefgarage von Investor Peltz ist zweistöckig – und das geht in einem Überschwemmungsgebiet wie Gutleutmatten ins Geld mit Beton und Stahl, Lüftungsanlage und Funksystem. Doch warum wurde die Tiefgarage nicht einstöckig geplant? Eine größere Tiefgarage lasse der Bebauungsplan nicht zu, erklärt die Stadtverwaltung, und eine einstöckige Tiefgarage mit Doppelparker-System – also Hebebühnen, um mehr Autos unterzubringen – reiche noch tiefer in den Boden. Warum allerdings der Bebauungsplan keine flächenmäßig größere Tiefgarage erlaubt, bleibt unklar. "Völlig unwirtschaftlich" sei der Bau von Wohnungen mit einer zweistöckigen Tiefgarage, urteilt ein Investor, der sich deshalb an dieser Stelle erst gar nicht engagierte.

Im November soll weiter verhandelt werden

"Wir müssen versuchen, in Gesprächen mit der Stadt weitere Preisreduzierungen zu erreichen", meint Baugruppen-Bauherr Henle. In einem gemeinsamen Brief meinen die betroffenen Baugruppen und die Genossenschaft: "Die Planung der Quartiersgarage war zu keinem Zeitpunkt auf die tatsächlichen Erfordernisse und das politisch gewollte Ziel, viel günstigen Wohnraum zu schaffen, abgestimmt. Wir als Bauherren sind nicht in der Lage, die daraus resultierenden Kosten und wirtschaftlichen Risiken zu tragen." Am 2. November soll weiter verhandelt werden.

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Autor: Simone Lutz