Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Oktober 2010 13:54 Uhr

"Pink"

Hilfe für ausstiegswillige Prostituierte

Geschützter Sex ist im ältesten Gewerbe der Welt kaum noch üblich – für viele Prostituierte ist das ein Grund, um aus ihrem Beruf auszusteigen. Das ist allerdings nicht ganz einfach. In Freiburg gibt es deshalb eine neue Anlaufstelle.

  1. Teufelskreis Prostitution – eine Organisation versucht, ihn zu durchbrechen. Foto: ddp

20 Jahre hat die in Freiburg lebende Sandra S. (Name von der Redaktion geändert) als Prostituierte gearbeitet. Seit zwei Jahren versucht die 41-Jährige, aus ihrem Beruf auszusteigen, "bisher erfolglos". Gesundheitliche Gründe führt sie für ihren Wunsch an auszusteigen. Geschützter Sex sei im Gewerbe kaum noch üblich, kritisiert Sandra S., für sie ist das ein Grund, als Prostituierte aufzuhören. Andere geben den Konkurrenzdruck, das Alter und den Druck des Doppellebens als Gründe an.

"Mit Zuhälter ist ein Ausstieg nicht möglich." Prostituierte
Zwar hat Sandra S. als eine von ganz wenigen Prostituierten in Freiburg keinen Zuhälter, der sie zum Weiterarbeiten zwingt ("mit Zuhälter ist ein Ausstieg nicht möglich"), dennoch hat sie große Schwierigkeiten, in einem anderen Beruf Fuß zu fassen. "Eine Umschulung ist in meinem Alter nicht einfach zu bekommen", sagt Sandra S., die, um krankenversichert zu sein, nebenbei noch als Bus- und Lastwagenfahrerin gearbeitet hat. Am liebsten wolle sie selbst als Beraterin Prostituierten beim Ausstieg zur Seite stehen. Frauen wie Sandra S. wird in Freiburg und der Region künftig Hilfe beim Ausstieg angeboten: "Pink" (Prostitution – Integration – Neustart – Know-How) heißt ein Modellprojekt der Bundesregierung, das neu in Berlin, Nürnberg sowie in Freiburg und Kehl angeboten wird, wo die Diakonien in Freiburg und der Ortenau Träger sind. Finanziert wird "Pink" zu 73 Prozent vom Bund (617 000 Euro für fünf Jahre) und zu 27 Prozent vom Land (228.000 Euro). Drei Mitarbeiterinnen auf zwei Vollzeitstellen beraten in Freiburg und Kehl die ausstiegswilligen Prostituierten. Im Zentrum stehen Einzelberatung und Coaching, erklärt Projektleiterin Angelika Hägele.

Werbung


70 Clubs, Terminwohnungen und Kleinbordelle in Freiburg

Für Gesprächsstoff sorgte in letzter Zeit die zunehmende Zahl von Liebeswohnmobilen am Autobahnzubringer Süd. Die Polizei tue nicht viel, kritisiert Sandra S. Gegenüber der BZ will sich die Polizei zum Thema nicht weiter äußern. Anders als in Strasbourg/Kehl gibt es in Freiburg keinen Straßenstrich. Weshalb "Pink"-Beraterin Simone Heneka auch gemeinsam mit Kollegen vom Gesundheitsamt oder der Aidshilfe direkt in die einschlägigen Etablissements geht. In Freiburg gibt es zirka 70 Clubs, Terminwohnungen und Kleinbordelle. Die meisten Prostituierten in der Stadt kommen aus Ost- und Südosteuropa und Thailand. "Die finanziellen Einnahmen stehen in keinem Verhältnis zum Risiko", klagt Sandra S. Das Einkommen von Prostituierten beziffert sie auf höchstens 1500 Euro netto. Grenzöffnungen, Internet und Globalisierung hätten zu einem Verfall der Preise geführt.

Mehr zum Thema:

Autor: Frank Zimmermann