Hochhäuser werden höher

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 24. Dezember 2017

Freiburg

Der Sonntag Großes Nachverdichtungsprojekt auf privatem Areal: Die Studentensiedlung stockt auf.

Weil Freiburg kaum wachsen kann, ist Nachverdichtung angesagt. Eines der größten Projekte betrifft ein ganzes Viertel und beginnt bald: In der Studierendensiedlung am Seepark sollen nach Umbauten für 70 Millionen Euro fast 1 000 Menschen mehr als bislang unterkommen. Gebaut wird vor allem in die Höhe.

Die Skyline der "Stusie" gehört fest zur Optik des Seeparkgeländes, im Freiburger Westen ist die Siedlung schon alteingesessen: in den 60er-Jahren waren die Studenten am damaligen Baggersee Pioniere der West-Erweiterung der Stadt entlang der Sundgauallee. Seit damals wurde die Studierendensiedlung immer wieder mal um ein Gebäude ergänzt, jetzt aber will das Studentenwerk den Komplex per Gesamtkonzept umbauen: "Vor rund fünf Jahren haben wir gemerkt, dass wir eine Art Masterplan brauchen", sagt Clemens Metz, Geschäftsführer des Studentenwerks. "Und dann haben wir einen Wettbewerb gestartet, innerhalb dessen sich Architekten überlegen sollten, was man hier machen kann."

Denn man müsse etwas tun, sagt das Studierendenwerk. "Trotz einiger Hochhäuser ist die Studierendensiedlung baulich deutlich geringer genutzt, als dies der Situation in der wachsenden Stadt Freiburg angemessen wäre, heißt es in einem Informationsblatt für den Bürgerverein. Der Masterplan, der das ändern soll, ist inzwischen fertig. Er sieht vor, dass das gestalterische Prinzip der Siedlung – einzeln stehende Gebäude in parkähnlicher Grünfläche – erhalten bleibt, aber trotzdem mehr Wohnungen geschaffen werden.

Das funktioniert natürlich nur, wenn man in die Höhe geht. Die Studierendensiedlung besteht bislang vorrangig aus mehreren Dreiergruppen von Häusern, jede Gruppe beinhaltet ein neunstöckiges Hochhaus und zwei dreistöckige Häuser. In den nächsten Jahren nun sollen die beiden kleinen Gebäude jedes Ensembles durch jeweils ein fünf- und ein elfstöckiges Gebäude ersetzt werden, die dann auf der Südseite der Anlage stehen. "Entlang der Sundgauallee wird ein Rhythmus aus fünf- und elfgeschossigen Häusern entstehen", so drückt es Architekt Jochen Gerlach vom Studierendenwerk im Infotext für den Bürgerverein aus. Eines dieser Ensembles wird komplett neu entstehen, denn die Studierendensiedlung wird sich nach Westen noch auf das ehemalige Gelände einer Autovermietung ausdehnen.

Verträgt der Stadtteil 1 000 neue Einwohner?

Von Seiten der Bürger im Stadtteil hört man zwar auch kritische Stimmen – dazu, dass die Gebäude deutlich höher würden und auch zur Frage, ob im Stadtteil noch genügend Platz und Freiraum für rund 1000 neue Einwohner sei. Von massiven Beschwerden könne aber nicht die Rede sein, heißt es beim Bürgerverein. Dessen Mitglieder selbst haben auch nichts gegen das Vorhaben des Studierendenwerks. "Wir befürworten es prinzipiell", sagt Beate Diezemann, die stellvertretende Vorsitzende des Bürgervereins. "Wir sind der Auffassung, dass mehr Studentenwohungen benötigt werden. Und vielleicht ergibt sich ja auch der Nebeneffekt, dass Studenten dadurch Wohnungen freimachen, in denen dann Familien wohnen können". Dass eine Phalanx von elfstöckigen Hochhäusern schon deutlich sichtbar sein wird, schätzen die Bürgervertreter nicht als schwerwiegend ein. "Die Sundgauallee ist ja insgesamt schon recht hoch" Und die Informationspolitik des Studentenwerks sei ebenfalls ausgezeichnet gewesen.

Im kommenden Frühjahr soll es mit dem ersten Bauabschnitt losgehen, nämlich den Neubauten auf dem ehemaligen Autovermietungsgelände. Kosten soll das gesamte Projekt das Studentenwerk etwa 70 Millionen Euro, 192 Wohneinheiten werden dafür abgerissen, 1076 entstehen neu, überwiegend in 2er- und 4er-Wohngemeinschaften.

Wenn der Umbau 2023 abgeschlossen ist, wird sich die Bewohnerschaft der Stusie fast verdoppelt haben.