Hoffnung aus Tabak

Martin Küper

Von Martin Küper

Mo, 16. April 2012

Freiburg

Experten stellen neue Erkenntnisse der Parkinson-Forschung vor.

Früherkennung, Symptomatik und Therapiemöglichkeiten bei Morbus Parkinson: Diese Themen standen im Mittelpunkt des vierten "Freiburger Forums Bewegungsstörungen" am Samstag Vormittag im Neurozentrum der Uniklinik. Mehr als 150 Gäste drängten sich im vollbesetzten Konferenzraum zu Vorträgen namhafter Parkinson-Spezialisten. Geladen hatte die Freiburger Regionalgruppe der deutschen Parkinson Vereinigung (dPV).

Auf großes Interesse bei Betroffenen und Angehörigen im Publikum stieß unter anderem der Vortrag von Tobias Piroth, einem jungen Freiburger Neurologen, der über neueste Entwicklungen in Frühdiagnostik und Frühtherapie von Parkinson sprach. Der Blick auf die Erkrankung, die das zentrale Nervensystem fortschreitend befällt, habe sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt, so Piroth: "Inzwischen werden nicht mehr die Störungen des Bewegungsapparates und der Feinmotorik als früheste Symptome wahrgenommen, sondern eine ganze Reihe anderer Erscheinungen, die früher nicht mit Parkinson in Verbindung gebracht wurden."

Forscher vermuten zwei unterschiedliche Ausgangspunkte der Krankheit im Körper: Zum einen das Nervensystem des Dickdarms, zum anderen das Geruchszentrum im Hirn. Daher könnten bereits Beschwerden wie Verstopfung, Störungen der Durchblutung, der Blasenfunktion und der Potenz, aber auch der Verlust des Geruchssinnes sowie Schlafstörungen, Depressionen bis hin zu Halluzinationen auf ein frühes Stadium von Parkinson hindeuten. Allerdings könnten all diese Erscheinungen auch mit anderen Krankheiten in Verbindung gebracht werden, die Früherkennung sei daher keineswegs einfacher geworden, erklärte Tobias Piroth.

Unerlässlich für die Diagnose sei noch immer der Dopamin-Test. Die Bewegungsstörungen bei Parkinson gehen auf einen Mangel des Botenstoffs im Gehirn zurück. Wenn sich bei der Gabe von Dopamin eine Verbesserung der Symptomatik einstellt, deute dies auf die Krankheit hin.

Raucher erkranken weniger an Parkinson

Die lange Zeit umstrittene Frage, ob Dopamin schon in einem frühen Stadium verabreicht werden sollte, konnte der Neurologe mit einer eindeutigen Empfehlung beantworten: "Spätestens wenn die alltäglichen Gewohnheiten beeinträchtigt werden, sollte mit der Dopamin-Therapie begonnen werden, auch wenn die Medikamente über einen längeren Zeitraum starke Nebenwirkungen haben."

Zum Ende seines Vortrages konnte Tobias Piroth mit einem medizinischen Kuriosum aufwarten, anders lässt sich eine gute Nachricht für Raucher wohl kaum bezeichnen: Ihr Risiko, an Parkinson zu erkranken, liegt nämlich um 20 bis 30 Prozent unter dem Durchschnitt. Und tatsächlich deuteten erste Tierversuche darauf hin, dass Nikotin das Nervengewebe schützt. Der Suchtstoff aus der Tabakpflanze solle nun auch am Menschen auf seine positiven Eigenschaften untersucht werden. Zum nächsten Zigarettenautomaten wollte der Arzt seine Zuhörer gleichwohl nicht schicken.