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08. Mai 2017

Im Galopp für den guten Zweck

Beim Spendenritt sammeln Reiter Geld für Therapien mit Pferden.

  1. Zu Pferd durch Waltershofen Foto: Michael Bamberger

Durch den Waltershofener Wald, über den Opfinger Berg und zwischen den Weinreben durch – was nach einer idyllischen Laufstrecke klingt, wurde am Samstagmorgen zu einer Herausforderung für Vierbeiner: 25 Teams aus Reiter und Pferd ritten, trabten und galoppierten insgesamt 375 Kilometer im Freiburger Umland für den wohltätigen Zweck.

500 Euro sammelte die Freiburger Delegation des "Spendenritts für pferdegestützte Interventionen", der bereits zum dritten Mal vom Institut für pferdegestützte Therapie (IPTh) veranstaltet wurde. In Waltershofen organisierte ihn Vanessa Hänsler, die Gründerin von "Erlebnisorientiert", einer Institution für tiergestützte Therapie.

Die deutschlandweite Spendenaktion soll auf ein wenig bekanntes Thema aufmerksam machen: Reittherapie. Pferdegestützte Interventionen, wie das im Fachjargon heißt – das sind Reittherapie, Reitpädagogik, pferdegestützte Psychotherapie oder Hippotherapie. Mit jeweils unterschiedlicher Schwer- und Zielpunktsetzung wird hierbei ein Pferd als besonders sensibles Medium zwischen Therapeuten und Klienten eingesetzt. Krankenkassen kommen nicht dafür auf.

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"Ein Pferd hat keine Vorurteile, es ist zu jedem Menschen gleich offen", erklärt Vanessa Hänsler. Die 28-jährige Fachkraft für tiergestützte Therapie, Beratung und Pädagogik bietet nebenberuflich mit ihrem kleinen Team von vier Personen bei "Erlebnisorientiert" verschiedene Arten der Therapie mit Pferden an. Die Klienten seien aus verschiedenen Gründen dort, meist blieben sie ein bis zwei Jahre. Einige mit geistiger und körperlicher Behinderung seien dabei, sagt Hänsler. "In der Hippotherapie trainieren wir mit ihnen das Gleichgewicht oder die Feinmotorik – mit viel größerem Spaßfaktor als in einer Ergotherapie." Gerade Kinder lernten natürlicher und schneller, Bewegungsabläufe zu koordinieren, wenn es um das Streicheln einer Pferdemähne geht, sagt die Pferdetherapeutin.

Bei seelischen und psychischen Beeinträchtigungen setze man mehr auf Reiten oder auf direkten Kontakt mit dem Pferd: Beobachten, Körpersprache verstehen, Signale deuten. "Nicht umsonst sagt man, ein Pferd sei ein Spiegelbild der eigenen Seele. Die Tiere sind äußerst sensibel und passen sich dem Menschen an, ohne über sie zu urteilen." Das sei zentral bei der Arbeit mit traumatisierten Menschen, beispielsweise Betroffenen von sexualisierter Gewalt. "Sie müssen lernen, eigene Grenzen zu setzen und sie anderen deutlich zu machen. Im Alltag hat man Hemmungen, weil der Gegenüber beleidigt sein könnte. Bei einem Pferd es leichter, Grenzen zu setzen", erklärt die Pferdetherapeutin.

Den gesamten Erlös will Vanessa Hänsler an den Verein Pferde Stärken spenden: "Die Institution nimmt Anträge von Betroffenen an, kann sie finanziell unterstützen und damit viel bewirken."

Autor: Claudia Förster