IMMER WIEDER SAMSTAGS: Statistisch ausgestorben

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Do, 15. Dezember 2011

Freiburg

SAMSTAGS-UNI (6):Gerd Bosbach warnt vorm Lügen mit Zahlen.

"Alt und Jung" sind in diesem Semester im Visier der Samstags-Uni. Der Kölner Mathematiker Gerd Bosbach findet die Panik der Deutschen vor Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung unangebracht.

Herr Bosbach, Zahlen sind doch eine verlässliche, objektive Grundlage – Sie aber behaupten es werde zum Thema demografische Entwicklung mit Statistiken unnötig Panik gemacht. Warum?
"Weil diese Statistiken beispielsweise ganz wesentliche Aspekte gar nicht einbeziehen. Wenn wir heute auf das Jahr 2050 schauen, gehen wir von konstanten Verhältnissen ohne Strukturbrüche aus. Die Dinge, die sich in den kommenden Jahrzehnten ändern und Auswirkungen auf das Leben haben, kennen wir ja nicht. Das Phänomen unzuverlässiger Prognosen ist so alt wie die daraus resultierenden Demografieängste. Adenauer hat schon 1953 vorm Aussterben der Deutschen gewarnt. Wir sind weit entfernt vom Aussterben und wissen heute, welche bevölkerungswirksamen Veränderungen seit 1953 eingetreten sind, die Adenauer eben nicht hatte kennen und für seine Prognose berücksichtigen können wie die Pille. Oder die Auflösung des Ostblocks. Für uns heute ist nun spannend: Die Demografiepanik wirkt. Etwa, zugunsten kostspieliger, unsinniger Rentenversicherungen. Und auch da wird abenteuerlich mit Zahlen hantiert. Das werde ich im Vortrag genauer zeigen."

"Die instrumentalisierte Zukunftsangst: Gesetzliche oder private Rentenversicherung, wer hat den Nutzen?": 17. Dezember, 11.15 Uhr, Platz der alten Synagoge, Kollegiengebäude II, Audimax, Eintritt frei.