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16. März 2011 13:08 Uhr

Bugginger Strasse 50

Ins erste Passivhochhaus der Welt kommt Leben

Das Hochhaus Bugginger Straße 50 ist das erste weltweit, das nach der Sanierung Passivhausstandard erreichen wird. Mittlerweile sind die ersten Mieter eingezogen. Wie arrangiert sich die neue Hausgemeinschaft miteinander?

  1. Die drei vom 16. Stock: Karin Frey, Rosemarie Danner, Emanuel Hug (von links) Foto: Michael Bamberger

  2. Das Haus während der Sanierungsarbeiten (Archivbild vom Januar 2010) Foto: Thomas Kunz

  3. Das umgebaute Hochhaus Foto: Thomas Kunz

Emanuel Hug und Rosemarie Danner sind ein wenig erschöpft, aber doch zufrieden. Sie haben ihre Dreizimmerwohnung im 16. Stock des frisch sanierten Hochhauses in der Bugginger Straße 50 bezogen: "Hier ziehen wir nicht mehr aus", sagt Hug. Der Busfahrer im Ruhestand hat über vierzig Jahre in einer Wohnung im Hügelheimer Weg gelebt. Die neue Wohnung ist schon richtig gemütlich. Handgeknüpfte Teppiche liegen auf dem Boden und Plüschtiere sind dekorativ auf dem Wohnzimmerbuffet platziert. Nur die beiden Katzen haben sich unter einer Wolldecke im Schlafzimmer verkrochen. Sie müssen sich noch eingewöhnen. Dass es sich um eine Wohnung mit Passivhausstandard handelt, kann man auf den ersten Blick nicht erkennen.

Karin Frey ist am gleichen Tag in den 16. Stock gezogen. Sie ist eine der wenigen, die nach der Sanierung wieder zurückkehren, und genießt nun die Aussicht von ihrem Balkon auf den Kaiserstuhl. Das Unternehmen Einzug war für sie eine logistische Herausforderung – wie für alle. Ralf Klausmann, Geschäftsführer der Freiburger Stadtbau, ist aber zuversichtlich, dass alles ohne größere Probleme vonstatten geht: "Wir haben einen detaillierten Plan erstellt, pro Tag ziehen vier Parteien ein: zwei am Vormittag, zwei am Nachmittag." Auf diese Weise werden bis Ende April alle im Haus sein. Anders geht es nicht, denn das Haus hat nur zwei Aufzüge. Als Ansprechpartner beim Umzug dienen die drei neu eingestellten Concierges, die für diese Zeit täglich von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends zur Verfügung stehen. Einer von ihnen ist Johannes Lell. "Bisher hat es keine großen Schwierigkeiten gegeben", meint er, "obwohl an einem Tag sogar ein Aufzug ausgefallen ist."

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Die Drei aus dem 16. Stock haben sich allerdings ziemlich über eine Bewohnerin geärgert, die es nicht geschafft hat, an ihrem Termin einzuziehen. Stattdessen stand die Frau zur gleichen Zeit wie sie mit dem Möbelwagen vor der Tür. "Wir müssen den Möbelpackern einen Stundenlohn zahlen, da sehen wir es nicht ein, dass es länger dauert, weil noch eine dritte Partei die Aufzüge blockiert", sagt Karin Frey. Dass der Concierge auf mehr Kulanz drang, dafür konnte sie in dem Moment kein Verständnis aufbringen. Nun hoffen alle drei, dass es gut klappt mit dem Zusammenhalt im Haus. Rosemarie Danner hat sich zur Stockwerkssprecherin wählen lassen. Ihr ist es wichtig, dass die Mieter im Haus zusammenstehen und sich helfen. Auch an gemeinsamen Aktivitäten, die mit der Quartierarbeit geplant sind, will sie sich beteiligen.

"Wir wollten ein Signal setzen, gerechnet hat sich die Sanierung nicht."Ralf Klausmann, Stadtbau
Quartiersarbeiterin Christel Werb geht durch den 15. Stock. "In der Planungsgruppe, die aus Mietern, Vertretern der Stadtbau und der Quartiersarbeit besteht, haben wir im Laufe der Sanierung einige Verbesserungen durchgesetzt", erzählt sie. Zum Beispiel waren zunächst keine Türspione vorgesehen und die Fensterbretter viel zu schmal: "Da hätte man nicht einmal einen Blumentopf draufstellen können, das haben die künftigen Mieter zu Recht moniert." Sie findet es wichtig, dass die Bewohner an den Planungen beteiligt wurden, auch wenn es ihr die Stadtbau da nicht immer leichtgemacht hat.

Oleg Sachnow ist mit seiner Freundin als Erster im 15. Stock eingezogen. In diesem und in der neunten Etage sind alle Wohnungen mit Einbauküchen und extra energiesparenden Geräten ausgestattet. Für den 24-jährigen Schüler war das attraktiv, denn es ist seine erste eigene Wohnung. Die Verbrauchsdaten der Wohnungen wertet das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme im Rahmen einer Studie aus, um herauszufinden, wie viel die modernen Geräte in puncto Energiesparen tatsächlich bringen. Vergleichswerte liefert der dritte Stock, wo die Mieter ihre eigenen Geräte verwenden.

"Wir wollten ein Signal setzen und zeigen, was heute möglich ist", sagt Ralf Klausmann, "wirklich gerechnet hat sich die Sanierung nicht." Nun richtet er den Blick bereits auf das nächste Projekt, das Haus Binzengrün 9. Von dort ziehen schon jetzt einige Parteien in die Bugginger Straße 50; wenn die Sanierung startet, muss das Haus leer sein. Und was hat die Stadtbau aus dem Pionierprojekt gelernt? "Der Neuzuschnitt auf kleinere Wohnungen war mit einem erheblichen Aufwand verbunden", so Klausmann. Das will man im Binzengrün nicht wiederholen. Hier sollen größere Wohnungen entstehen – geeignet für Familien, denn auch da gibt es eine große Nachfrage.

Info: Passivhochhaus

Das Hochhaus Bugginger Straße 50 ist das Erste, das nach der Sanierung Passivhausstandard erreichen wird: 78 Prozent Energie werden eingespart. Start der Umbauarbeiten war Mitte 2009, die Zahl der Wohnungen erhöhte sich von 90 auf 135. Veranschlagt waren 12 Millionen Euro Kosten, nun wurden es 1,6 Millionen mehr; die Miete erhöht sich dadurch um 1,85 statt wie geplant 1,65 Euro pro Quadratmeter. Mehr zum Thema:

Autor: Petra Völzing