Leute in der Stadt

Irene Schüller dreht einen Film über die Freiburger Tangoszene

Steffen Bonhoff

Von Steffen Bonhoff

Di, 17. Februar 2015

Freiburg

LEUTE IN DER STADT: Irene Schüller dreht einen Film über die Freiburger Tangoszene.

Bei dem Wort "Tango" wandern die Gedanken eher in den Süden Lateinamerikas, nach Argentinien und in eine aufregend fremde Kultur. Aber auch in Freiburg hat sich eine große Tangoszene etabliert – und die will Irene Schüller in ihrem Film "Umarmung" zeigen. Die 40-jährige Filmkünstlerin begleitet in ihrer 30-minütigen Dokumentation fünf Freiburger Singles vor und während der Tanzabende. Insbesondere die ständige Suche der Singles nach zwischenmenschlicher Nähe, die der Tango für die Zeit eines Tanzes ermöglicht, will sie darstellen.

"Die Freiburger Tangoszene ist sehr groß und spannend", erzählt Irene Schüller. Und da sie selbst seit acht Jahren leidenschaftlich Tango tanzt, kennt sie auch viele Leute und Gruppen hier in der Stadt. "Was mich am Tango besonders interessiert, ist zum einen, dass er Nähe ermöglicht, gleichzeitig aber durch den ständigen Partnerwechsel wiederum Nähe verhindert", erzählt Irene Schüller. Der Tanz gleiche einer ständigen Suche mit flüchtigen Glücksmomenten, die man sich immer wieder aufs Neue wünsche. "Es ist wie eine Sucht", sagt auch einer der Freiburger Singles in der filmischen Dokumentation.

Irene Schüller studierte zunächst Kunst und Englisch an der Freiburger Pädagogischen Hochschule mit dem Ziel, Realschullehrerin zu werden. Nachdem sie dieses Studium aber abgeschlossen hatte, ließ sie die Kunst nicht mehr los – daher hängte die gebürtige Rheinland-Pfälzerin, die aus der Nähe von Bitburg stammt und seit 1996 in Freiburg lebt, ein Malereistudium dran. Nach diesem Studium konzentrierte sich Irene Schüller auf den Film als künstlerisches Ausdrucksmittel und hat sich dafür zudem über Abendschule und Drehbuchseminare weitergebildet. Zwei Ereignisse, berichtet die 40-Jährige, seien in ihrem bisherigen künstlerischen Werdegang besonders bereichernd für sie gewesen: "Zum einen die Möglichkeit einer Installation 2012 im E-Werk, und zum anderen ein Stipendium der Berliner Staatskanzlei für Videokunst, das ich 2013 erhalten habe. Beides hat mir den Freiraum gegeben, meine Ideen umsetzen zu können."

Filmemacherin setzt auf Crowdfunding

Während der Dreharbeiten zu "Umarmung" hat sich Schüller über die Offenheit ihrer Akteure, die sie begleitete, sehr gefreut. Allerdings sei es nicht immer reibungslos gelaufen. Denn wenn während der Tangoabende gedreht wurde, waren andere Tanzende, vor allem aber die Veranstalter, nicht immer glücklich über die Dreharbeiten mitten unter ihnen. Schüller hat für die Dauer des Drehs ein Team eingestellt, das sich mit ihr zusammen um Licht, Ton und Kameraarbeit kümmerte. Doch damit ist der Film noch nicht fertig: Für den noch anstehenden letzten Schliff der Dokumentation sucht Schüller nun noch über Online-Spenden, das sogenannte Crowdfunding, nach Unterstützung. Irene Schüller möchte langfristig beim Film bleiben – und ihr Ziel ist es, möglichst bald auch längere künstlerische Dokumentationen verwirklichen zu können.