Leute in der Stadt

Irene Schüller hat einen Film über Freiburgs Tangoszene gedreht

Bettina Gröber

Von Bettina Gröber

Di, 31. Januar 2017

Freiburg

Fünf Singles und ein Tanz: Irene Schüller hat einen humor- und liebevollen Dokumentarfilm über den Tango Argentino in Freiburg gedreht.

Mit dem Tanzen hat sie mittlerweile aufgehört, doch die Leidenschaft dafür ist geblieben: Irene Schüller hat nach rund drei Jahren die Arbeit an einem Film abgeschlossen, der fünf Singles in Freiburg über einen längeren Zeitraum hinweg beim Tango begleitet hat. "Umarmung – Tango im Schwarzwald" lautet entsprechend der Titel des Werks, das demnächst im Kommunalen Kino gezeigt wird.

52 Minuten dauert der Film, den Schüller als Regisseurin, Produzentin und Autorin verantwortet. Er ist die Quintessenz dessen, was die zwei Frauen und drei Männer, die Irene Schüller mit der Kamera begleitet hat, von sich und ihrem Verhältnis zum Tangotanzen preisgegeben haben. "Es war sehr schön, dass mich die Darsteller so nahe an sich herangelassen haben", schildert die 42-jährige Filmkünstlerin die Dreharbeiten.

Sie habe das Gefühl gehabt, die Menschen richtig kennenzulernen. Alle fünf seien "derart vernarrt in den Tango, dass sie ihr Hobby extrem ausüben". Ein Darsteller hat inzwischen sogar eine Profilaufbahn als Tänzer begonnen.

Viel Musik gibt es natürlich im Film. Die Klänge des Tango Argentino "transportieren viel Schmerz", so Schüller, "es ist fast nicht möglich, davon unberührt zu bleiben". Doch sei "Umarmung" keine ausschließlich melancholische Inszenierung: "Es gibt im Film auch viel Humor." Und es gehe um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Tanz: Denn um den Tango genießen zu können, müsse auch viel gelitten werden, erklärt die Künstlerin. Es gebe feste Regeln – "zum Beispiel wird über den Blickkontakt zum Tanz aufgefordert, und je aufreizender die Kleidung ist, desto größer sind die Chancen der Frau", so Irene Schüller.

Mit dem dahinter steckenden Geschlechterbild setzen sich die Darstellerinnen und Darsteller im Film ebenfalls auseinander. In einer Szene etwa erzählt ein Tänzer von seinen Erfahrungen in China: Dort seien die Tanzpartnerinnen wesentlich "geschmeidiger", während deutsche Tänzerin- nen eher "ihren eigenen Kopf" hätten...

Vor allem aber brauche es jahrelanges Training, ehe man im Tango so versiert sei, dass man auch Spaß am Tanzen habe, sagt Irene Schüller. Ihr selbst sei das auf die Dauer zu anstrengend gewesen, "deshalb habe ich damit aufgehört". Zumal die Dreharbeiten in den vergangenen Jahren praktisch das komplette Zeitbudget der 42-Jährigen erschöpft haben: "Seit ich mit dem Film angefangen habe, habe ich nichts anderes mehr gemacht." Der "Tango im Schwarzwald" ist Schüllers erster Film. Studiert hat sie zunächst Kunst und Englisch fürs Realschullehramt, danach Malerei. Perspektivisch wolle sie beides weiterführen, die Kunst und den Film.

Dazu braucht es nicht nur Kreativität, sondern auch eine gute Portion Idealismus, ganz wie beim "Tango im Schwarzwald". Vom Thema und auch von den Darstellern sei sie von Anfang an "überzeugt" gewesen, so Schüller.

Nun geht es um die Vermarktung

Daran änderten auch die finanziellen Ausmaße des Projekts nichts: "Ich habe 45 000 Euro ausgegeben – und drei Jahre lang ohne Bezahlung gearbeitet", rechnet sie vor. 35 000 Euro konnte Schüller durch ein Stipendium der Berliner Staatskanzlei für Videokunst, durch die MFG Filmförderung Baden-Württemberg, das Kulturamt Freiburg und durch Crowdfunding im Internet akquirieren. Nun geht es für sie darum, ihr Filmdebüt möglichst gut zu vermarkten. Ans Aufgeben habe sie aber zu keinem Zeitpunkt des Projekts gedacht, betont sie: "Was ich anfange, führe ich in der Regel auch zu Ende."

"Umarmung – Tango im Schwarzwald" im Kommunalen Kino, Urachstraße 40: Sonntag, 5. Februar, 17.30 Uhr (mit Irene Schüller); Montag, 6. Februar, 19.30 Uhr; Freitag, 10. Februar, 17.30 Uhr. 7, ermäßigt 5 Euro