Karten aller Arten

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 02. April 2013

Freiburg

Die Freiburger Firma Reservix hat sich zur Nummer zwei der Systeme zur Ticketbuchung gemausert.

Vor zehn Jahren haben Johannes Güntert und Johannes Tolle die ersten Eintrittskarten über eine selbst programmierte Onlinesoftware verkauft. Heute zählt ihre Firma Reservix, die daraus entstanden ist, mehr als 50 Mitarbeiter und gilt als der zweitgrößte Anbieter auf dem Markt für Ticketreservierungssysteme im deutschsprachigen Raum. Die jährlichen Wachstumsraten beim Umsatz lagen zuletzt bei rund 40 Prozent. So soll es auch weitergehen, hoffen die Reservix-Chefs.

Die Reservix-Geschichte klingt wie ein typischer Silicon-Valley-Gründungsmythos: Der Erfolg des Systems war nämlich nicht von langer Hand geplant und schon gar nicht das Ergebnis eines ordentlichen Startup-Prozesses samt Marktanalyse und komplexen Vorhersagen zu künftigen Geschäftszahlen – die Software entstand vielmehr gewissermaßen nebenbei.

Im Jahr 2002 programmierte der Sulzburger Informatiker und begeisterte Chorsänger Johannes Güntert ein kleines Programm, mit dem sich Tickets platzgenau zu Hause ausdrucken ließen. Güntert wollte die Software zunächst lediglich für die Konzerte des Freiburger John-Sheppard-Ensembles verwenden, bei dem er selbst mitsang.

Als aber bei den nächsten Auftritten die Zuschauerzahlen nach oben gingen, kamen Güntert und Johannes Tolle, der Dirigent des Ensembles, allerdings auf die Idee, das System auch anderen Konzertveranstaltern zur Nutzung anzubieten. Dazu gründeten sie schließlich im Jahr 2003 die Reservix GmbH.

Bis 2005 entwickelten Güntert und Tolle die Firma und die Software quasi im Nebenjob weiter. Als sich dann ein dauerhafter Erfolg abzeichnete, machten sie Reservix zu ihrem Hauptbroterwerb - und stellten auch gleich Personal ein. Heute sind bei Reservix gut 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt.

"Sehr zugute kam uns in der Anfangsphase, dass wir recht schnell den SC Freiburg und die Badische Zeitung als Partner gewinnen konnten", erinnert sich Tolle. Es gehe beim Aufbau eines Buchungssystems für Eintrittskarten nämlich immer darum, einerseits weitere Veranstalter, andererseits aber auch zusätzliche Vorverkaufsstellen an Bord zu holen.

Heute lassen sich über Reservix Karten aller Arten buchen: klassische Musik, Pop- und Rockkonzerte, Theater, Kabarett, Vorträge, Musicals und Sportveranstaltungen - und dies in ganz Deutschland. Pro Jahr laufen laut Johannes Tolle rund 35000 Events über Reservix. An insgesamt 2200 Vorverkaufsstellen werden dafür etwa 10 Millionen Tickets verkauft. Der Jahresumsatz von Reservix lag zuletzt bei mehr als 150 Millionen Euro, wie aus der Branche verlautet.

Damit gilt Reservix heute als Nummer zwei auf dem deutschsprachigen Markt. Größer ist nur das Branchendickschiff CTS Eventim - das börsennotierte Unternehmen hat laut Tolle mehr als 50 Prozent Marktanteil. Um die Wachstumsraten der letzten Jahre von rund 40 Prozent aufrechtzuerhalten, will Reservix mit viel Flexibilität und technischen Innovationen weitere Kunden gewinnen - daher sind auch ein Drittel der Mitarbeiter in der Entwicklung tätig.

Platz für weiteres Wachstum ist vorhanden: Reservix ist von der Erbprinzenstraße in den Freiburger Hof, Humboldtstraße 2, umgezogen, wo die Firma am Ende drei Etagen mit zusammen 1200 Quadratmetern Bürofläche belegen wird.