Platz der Alten Synagoge

Kirchen begrüßen Diskussion über den Umgang mit dem Gedenkbrunnen am Platz der Alten Synagoge

Sina Gesell

Von Sina Gesell

So, 10. September 2017 um 10:29 Uhr

Freiburg

Das gaben Katholische und Evangelische Kirche in einer Stellungnahme bekannt. Der evangelische Dekan Markus Engelhardt kritisiert aber, dass es bislang keine erklärende Gedenktafel vor dem Brunnen gibt.

Auch die Katholische und die Evangelische Kirche haben Stellung bezogen zur Diskussion um den Umgang mit dem Gedenkbrunnen am Platz der Alten Synagoge. "Pietät und Würde sind abstrakte Begrifflichkeiten, die jeder Mensch anders und wir alle in der Summe sehr vielfältig mit Leben füllen", heißt es in einem gemeinsamen Schreiben.



Die Evangelische Kirche hatte sich nach dem Brief eines Gemeindemitglieds der Christuskirche zu einer Stellungnahme aufgefordert gesehen, sagt Stadtdekan Markus Engelhardt. "Die Frau war enttäuscht, dass wir uns in der Diskussion nicht klar zu Wort gemeldet haben." Er habe daraufhin auf den Brief geantwortet und auch mit der Katholischen Kirche Kontakt aufgenommen. "Wir sind auf einer Linie", sagt Engelhardt. Der katholische Stadtdekan Wolfgang Gaber war am Freitag wegen eines Auslandsaufenthalts nicht erreichbar.

"Menschen gehen mit einer Gedenkstätte unterschiedlich um", sagt Engelhardt und zieht einen Vergleich zum Holocaust-Denkmal in Berlin. Nach großer Diskussion sei es nun akzeptiert. Der Stadtdekan erinnert auch an die Worte des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder: "Er wünschte sich einen Ort, wo viele gerne hingehen." Dies sei auch in Freiburg wünschenswert.

Ein Ort, an den viele Menschen gerne gehen

"Natürlich gibt es nach meinem Pietätsverständnis auch Grenzen", sagt Engelhardt. Bier im Brunnen zu kühlen, "geht mir gegen den Strich". Doch könne er seine Vorstellungen nicht anderen oktroyieren. Konkrete Verhaltensregeln halte er der Sache nicht für dienlich: Und: "Einen Zaun will auch keiner." Eine Gedenkstätte mit Wasser nennt der Dekan eine "mutige Entscheidung". "Das lädt auch zu grenzwertigem Verhalten ein", so Engelhardt.

"Die Stadt muss

in die Gänge kommen."

Stadtdekan Markus Engelhardt
"Der Wunsch nach einem würdevollen Ort des Gedenkens und Erinnerns ist dabei nicht nur den jüdischen Gemeinden eigen, sondern muss allen Bürgerinnen und Bürgern ein besonderes Anliegen sein", heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Engelhardt kritisiert aber, dass es bislang keine erklärende Gedenktafel vor dem Brunnen gibt. "Die Stadt muss in die Gänge kommen." Die Tafel im Brunnen sei schwer lesbar. Die Kirchen begrüßen, "dass die Diskussion engagiert geführt wird".

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