Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Januar 2017 19:41 Uhr

Katholiken / Protestanten

Kein Reformationsjubiläum im Münster: Luther spaltet noch immer

Die Nachricht, dass die Katholische Kirche den Protestanten für ihr Reformationsjubiläum nicht das Münster überlässt, hat nicht nur zwischen den Konfessionen zu Debatten geführt. Auch unter katholischen Theologen sowie innerhalb der Evangelischen Kirche gehen die Meinungen auseinander.

  1. Martin Luther sah Maria nicht als „Himmelskönigin“ – hier schaut sie vom Münster herab. Foto: Thomas Kunz

Mit seiner Anfrage habe der evangelische Dekan Markus Engelhardt den Erzbischof "in Kalamitäten" gebracht, sagt Helmut Hoping, Studiendekan der Theologischen Fakultät. "Die Briten würden den Brexit auch nicht im Europaparlament feiern."
"Die Briten würden den Brexit auch nicht im Europaparlament feiern." Helmut Hoping
Der Professor für Dogmatik und Liturgiewissenschaft, der sich eher als konservativ katholisch bezeichnet, verweist darauf, dass die Evangelische Kirche den ökumenischen Gottesdienst zwar unter dem Titel "gedenken – feiern – teilen" ankündigt, aber eben auch als "Festgottesdienst". "Wir Katholiken können keine Kirchenspaltung feiern", sagt Hoping, "schon gar nicht im eigenen Haus." Hinzu komme die Bedeutung des Münsters als Bischofskirche (Kommentar). In der Bevölkerung sei das Münster viel stärker als "Bürgerkirche" verankert, zudem sei es sehr ökumenisch ausgerichtet, argumentiert dagegen Engelhardt. Deshalb und weil "wir keine zentrale Kirche mit solchen Kapazitäten haben", habe er angefragt.

Werbung


Doch selbst unter den Protestanten gibt es kritische Stimmen. Das Thema sei in den Ältestenkreisen besprochen worden, sagt Regina Schiewer. "Einige hatten Bedenken oder zumindest ein diffuses Gefühl", so die Vorsitzende der Stadtsynode. Die Mehrheit aber habe eine Nachfrage befürwortet.

Die Absage hatte Dompfarrer Wolfgang Gaber, der der Idee offenbar anfangs offen gegenüberstand, nach einer Besprechung mit Erzbischof Stephan Burger überbracht. Es sei ein eminent evangelisches Gedenken, dass besser in einer evangelischen Kirche begangen werden sollte, hatte der katholische Stadtdekan gegenüber der BZ gesagt. Für weitere Nachfragen war der Hausherr des Münsters in dieser Woche nicht zu erreichen.

Theologin: Das wäre auch in einem katholischen Gotteshaus möglich

Auch aus den Reihen der Katholiken gibt es jene, die die Entscheidung nicht gutheißen: "Selbst wenn der Gottesdienst nur als Fest der Evangelischen Kirche unter sich gedacht wäre, wäre das auch in einem katholischen Gotteshaus möglich", sagt Barbara Henze, Akademische Oberrätin an der Theologischen Fakultät. Ein ökumenischer Gottesdienst sowieso, den ersten im Münster gab es ihr zufolge schließlich schon 1971.

Die Kirchenhistorikerin, die Mitglied im Leitungskreis der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) ist, sieht den 31. Oktober 1517 als "eine Reform, wie sie jede Kirche immer wieder nötig hat und die damals schon mindestens 100 Jahre anstand". Gegenseitige Verletzungen, die auch heute noch die Beziehungen unter den christlichen Kirchen belasteten, hätten ihren Grund nicht in Luthers Ablassthesen. Das Münster für die Reformation zur Verfügung zu stellen, wäre ein Signal, dass die Reformation die Konfessionen heute nicht mehr trenne. Und auch "außerhalb" würden so die Veränderungsprozesse in der römisch-katholischen Kirche bemerkt.

"Starker ökumenischer Akzent" des Gottesdienstes am 31. Oktober

Die ACK kritisiert jedoch in einer Stellungnahme, dass das Jubiläum als evangelisch-landeskirchlicher Reformationsgottesdienst mit "möglicherweise ökumenischer Beteiligung" geplant sei. Ein ökumenischer Gottesdienst mit allen christlichen Gemeinden hätte ein unverkrampftes Selbstbewusstsein der Kirchen gezeigt. Auch in Form eines gemeinsamen Gedenkens "wäre es sicher leichter gefallen, die Zustimmung fürs Münster zu geben", heißt es weiter. "Auch für uns ist das Gedenken wichtig", sagt Engelhardt, schließlich gehe es nicht um eine protestantische Selbstdarstellung. Der Dekan verweist abermals auf den "starken ökumenischen Akzent" des Gottesdienstes am 31. Oktober hin.

Für mehr sind die Unterschiede offenbar noch zu groß – auch in den Liturgien, wie Theologe Hoping erklärt. So lehne die Evangelische Kirche das Priesteramt ab. Die katholische Kirche dagegen erkenne die Eucharistiefeier – die es in der Form bei den Protestanten nicht gibt, sie feiern das Abendmahl – nur an, wenn sie von einem ordinierten Priester gehalten wird.

"Luther hat gemeint, dass das Papsttum vom Teufel sei." Helmut Hoping
Der größte Streitpunkt aber bleibt wohl die Reformation. "Luther hat gemeint, dass das Papsttum vom Teufel sei", so Hoping, der auf frühere Gedenktage zur Reformation verweist, die oft antikatholisch geprägt gewesen seien. Dass für Katholiken die Reformation noch schmerzlich sei, könne er verstehen, sagt Engelhardt.

Aus Platzgründen nun im Stadttheater

Der Gottesdienst soll nun – auch aus Platzgründen – im Stadttheater stattfinden. Selbst in die große frisch renovierte Christuskirche in der Wiehre passen Engelhardt zufolge nur bis zu 500 Menschen. Im Stadttheater sei für knapp doppelt so viele Platz. Zudem sei die Reformation ein guter Anlass, die Kirche "raus in die Welt" zu bringen.

Für viele Katholiken ist ein Gottesdienst in ungeweihten Räume ein No-Go: "Wir würden nicht in einem Theater das Fest Kathedra Petri feiern", so Hoping. Trotzdem hat Stadtdekan Gaber bereits sein Mitwirken zum Reformationsjubiläum zugesagt.

Mehr zum Thema:

Autor: Sina Gesell