Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Januar 2015

Wohnungsbau

Keine Kredite von der L-Bank: Baugruppen schauen in die Röhre

Landeseigene L-Bank will Kredite für geförderte Mietwohnungen nur an Unternehmen vergeben.

  1. Vorbereitungsarbeiten auf Gutleutmatten-Ost Foto: Ingo Schneider

Böse Überraschung für drei Baugruppen im Haslacher Neubaugebiet Gutleutmatten: Die landeseigene L-Bank will ihnen offenbar keine Kredite für den Bau von insgesamt 32 geförderten Mietwohnungen geben. Begründung: Die Mietwohnraumförderung des Landes sei auf etablierte Wohnbauunternehmen, nicht auf neugegründete Hausprojekte ausgerichtet. Die Stadtverwaltung, die in Gutleutmatten den Bau von geförderten Mietwohnungen zur Bedingung gemacht hatte, hat von dieser Richtlinie allerdings noch nie gehört und will intervenieren.

Drei Baugruppen – Lamakat GmbH, Luftschloss GmbH und Schwerelos GmbH; zusammen: Dreihäuserprojekt – gehören zum Umfeld des Mietshäusersyndikats, das mit der L-Bank schon bei diversen Bauprojekten problemlos zusammengearbeitet hat: bei den Vorhaben Grether Ost und West in der Innenstadt etwa oder bei der Susi GmbH im Stadtteil Vauban. Die L-Bank fördert sozialen Wohnungsbau mit zinsfreien Krediten.

Insgesamt rund acht Millionen Euro Kredit wollten die drei Baugruppen nun von der L-Bank. Mit diesem Geld, mit Direktkrediten sowie Krediten der Sparkasse finanzieren sie auf Gutleutmatten unter anderem 32 geförderte Wohnungen. Bei einem Treffen am 14. November erklärten die L-Banker den verdutzten Bauherren jedoch, ihre Hausprojekte hätten keine Chance auf die zinslosen Kredite: Ein Rating habe ihre Bonität mit einer glatten Null bewertet, weil sie weder einen großen Altbaubestand noch genügend Kapitalkraft hätten. Dass die Projekte, wie in den Förderbedingungen des Landeswohnbauprogrammes vorgeschrieben, 25 Prozent Eigenkapital der Investitionssumme nachweisen können, spielte keine Rolle. "Als wir fragten, wo das denn in den Förderprogrammen steht, ernteten wir nur ein Schulterzucken", so Stefan Rost vom Mietshäusersyndikat.

Werbung


Auch hat er einen grundlegenden Konstruktionsfehler des Förderprogramms ausgemacht: "Weil die Förderkredite zu sehr günstigen null Prozent Zins angeboten werden, ist eine Miete von mindestens 33 Prozent unter Mietspiegelniveau Bedingung, in unserem Fall etwa 7 Euro pro Quadratmeter. Wenn wir aber damit kalkulieren, sinkt der Beleihungswert der Immobilie, der sich nach dem Mietertrag errechnet, unter das erforderliche Niveau."

Die Stadtverwaltung, die den Bau geförderter Wohnungen in Gutleutmatten vorschreibt, reagierte konsterniert. In der Sitzung des Hauptausschusses vom 1. Dezember sagte Finanzbürgermeister Otto Neideck, er sei schockiert. Die Stadtverwaltung bestätigt auf Anfrage: "Uns ist keine Richtlinie bekannt, wonach neue Hausprojekte grundsätzlich keine Bonität haben." Man habe bereits mit dem Mietshäusersyndikat und der L-Bank Kontakt aufgenommen sowie das zuständige Landesministerium für Finanzen und Wirtschaft und die Freiburger Landtagsabgeordneten informiert und um Unterstützung gebeten. Voraussichtlich Mitte Januar werde es ein Gespräch mit der L-Bank geben.

Bei der L-Bank heißt es auf Anfrage, die Kriterien zur Beurteilung der Bonität hätten sich in den letzten Jahren nicht geändert: "Da ein neugegründetes Unternehmen noch über keine eigene Bonität verfügen kann, steht die künftige Wirtschaftlichkeit des geplanten Investitionsprojektes sowie die Sicherheitsposition der Bank im Mittelpunkt der Kreditentscheidung. Hierbei spielen unter anderem der Eigenkapitaleinsatz und der Beleihungswert des zu finanzierenden Objektes eine wesentliche Rolle."

Autor: Simone Lutz