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25. September 2010

Kladderadatsch im Kopf

Ein unterhaltsamer Exkurs durch die Hirnforschung mit Manfred Spitzer in der Rothaus-Arena.

  1. Manfred Spitzer Foto: Thomas Kunz

Wenn in der Rothaus-Arena Hunderte von gebannten Zuschauern in Lachen und spontanen Applaus ausbrechen, dann steht auf der Bühne meist ein Comedian oder vielleicht ein Popstar. Am Donnerstag war es ein Psychiater. Der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer sprach zweieinhalb temporeiche Stunden im Rahmen der Reihe "Ein Tag mit..." über "Gehirnforschung als Selbsterfahrung" und zeigte, dass sein Fach alles andere als trocken ist.

"Vielleicht werden Sie heute Abend etwas über sich selbst herausfinden, das Ihnen nicht gefällt", warnt Manfred Spitzer sein Publikum zu Anfang: "Aber es ist nun mal das Wesen der Hirnforschung, über sich selbst nachzudenken." Die schlechte Nachricht des Abends ist schnell raus: Unser Gehirn ist kein Videorekorder, der jedes Detail abspeichern kann. Die gute Nachricht ist: Unser Gehirn ist besser. Spitzer erklärt wortgewandt, zu welchen Höchstleistungen dieses ganz besondere Organ im Stande ist.

In einem Crashkurs zur Funktion von Synapsen, also den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, erklärt der dynamische 52-Jährige, was im Kopf beim Lernen passiert. Damit auch jeder Laie mitkommt, werden Nervenverbindungen schon mal als "Fädchen mit Knubbeln dran" bezeichnet, oder das Hirn als Organ, in dem jede Menge "biochemischer Kladderadatsch" abläuft. Hauptsache, man versteht eines: Das Hirn lernt ständig. Es stellt ständig neue Verbindungen her. Oder: "Das Hirn ist wie Knetmasse, und je nachdem, was Sie den ganzen Tag lang machen, so formen Sie es."

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Besonders leidenschaftlich wird Spitzers Rede, wenn es um Erziehung geht. "Lernen macht höllisch Spaß", davon ist er überzeugt, denn Glück und Lernen gehen im Kopf Hand in Hand. "Leider vermiest die Schule den Kindern diesen Spaß viel zu oft", beklagt er. Vor allem Angst sei im Unterricht völlig fehl am Platz, da sie jegliche Kreativität hemme. Das Wichtigste, was ein Kind lernen müsse, sei, das man besser wird, wenn man sich bemüht.
Auch über die Nutzung von neuen Medien hat der Forscher viel zu sagen: Wer gleichzeitig SMS schreibt, während er seine E-Mails abruft und nebenher den Fernseher laufen lässt, der trainiere sich Unaufmerksamkeit an. Von dieser Art von Multitasking rät der Experte tunlichst ab, und fügt hinzu: "Bildschirmmedien haben weder im Kindergarten noch in der Grundschule etwas verloren." Ob es am Charme des Redners liegt oder dem wissenschaftlichen Fundament, das er seinen Thesen gibt: Der spontane Applaus zeugt von breiter Zustimmung im Publikum. Vom Rentner bis zum Abiturienten ist an diesem Abend alles vertreten. Und nicht nur zum Lachen bringt Manfred Spitzer sie, sondern auch zum Nachdenken über den eigenen Alltag. Die Studentin Irina Mishyyeva (27) aus Freiburg ist nach dem Vortrag sichtlich bewegt: "Es war ein richtig toller Abend", findet sie: "Ich glaube, Herr Spitzer hat erreicht, dass viele mehr an sich arbeiten wollen."

Weitere Vorträge aus der Reihe unter http://www.auditorium-netzwerk.de

Autor: Veronika Keller