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13. Oktober 2011

Kleine finden "Großeltern"

Forschungsprojekt Begegnung: Kita-Kinder lernen von alten Menschen und umgekehrt.

  1. Dörte Weltzien Foto: privat

Gerade hat das Evangelische Stift sich mit den "Kleinen Entdeckern" Kinder unter drei Jahren in ein Haus geholt, in dem hochbetagte Menschen leben. Der private Träger "Concept Maternel" hat in seiner Wohnanlage im Stühlinger auch Kita-Gruppen untergebracht.

In Zeiten, da Enkel und Großeltern oft weit voneinander entfernt wohnen, gibt es kaum noch Gelegenheiten, dass die Generationen im Alltag miteinander in Kontakt kommen. Immer mehr Kitas und Senioreneinrichtungen tun sich daher zusammen und versuchen, die Lücke zu füllen. "Wir müssen Begegnungsformen schaffen, die für alle einschließlich der Mitarbeiterinnen in den Einrichtungen einen Gewinn darstellen. Nur so können sie nachhaltig funktionieren", ist die Fachfrau für Frühpädagogik, Professorin Dörte Weltzien von der Evangelischen Hochschule (EH), überzeugt.

Dass etwas Gutes bei solchen Begegnungen herauskommt, dürfte keiner der Beteiligten bestreiten. Aber wer profitiert in welcher Weise davon? Und wie sollten diese Treffen angelegt sein?

"Intergenerative Begegnungen" heißt ein neues Forschungsprojekt der EH, das für deren Rektor Reiner Marquardt Avantgarde-Charakter hat. Denn auch hochschulintern wurden Grenzen überschritten. Frühpädagogen und Gerontologen forschen gemeinsam. Sie rannten beim Bundesforschungsministerium mit ihrem Antrag offene Türen ein und wurden in die Förderrichtlinie "Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter" aufgenommen. Drei Jahre lang sollen nun Beurteilungskriterien und eine Datengrundlage geschaffen werden, "um zu beweisen, dass solche Begegnungen ein Gewinn sind".

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Viele Kinder, vermutet Dörte Weltzien, hätten noch nie mit einem Menschen zu tun gehabt, der im Rollstuhl sitzt, blind ist oder schlecht hört. "Das Altersbild der Kinder wird sich verändern." Sie könnten ihre eigenen Kompetenzen entdecken, wenn sie einem alten Menschen ein Handy erklären. Die könnten ihrerseits Zeit zum Spielen oder für Geschichten von früher einbringen. Beide Generationen könnten erkennen: "Jeder Mensch kann etwas gut, auch wenn er alt, noch klein oder behindert ist." Kooperationspartner sind die Arbeiterwohlfahrt mit der Kita am Norsinger Weg, die sich mit dem Martha-Fackler-Heim zusammengetan hat; das Diakonische Werk mit der Kita Wiesengrün, deren Kinder regelmäßig die benachbarte Wohngruppe für Menschen mit Demenz (Woge) besuchen; und die Waldkircher Kita Pfiffikus mit dem St. Nikolai-Spitalfonds.

"Ängste und Bedenken" gesteht eine Erzieherin aus Waldkirch bei der Auftaktveranstaltung im Interview mit dem EH-Gerontologen Thomas Klie ein: "Wir sind Fachkräfte der Frühpädagogik und mit Altenhilfe nicht so vertraut." Dennoch ist sie sicher, dass die Begegnungen mit den Alten den Kindern gut tun. "Heute dürfen wir wieder zu Oma und Opa", jubeln etwa die Wiesengrün-Kinder, wenn sie die "Woge" besuchen.

Autor: Anita Rüffer