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20. Juli 2012 17:38 Uhr

Albert-Ludwigs-Universität

Zum Teil herbe Kritik der Gutachter an Uni-Rektorat

Die Gutachter der Exzellenzinitiative haben nicht nur Negatives in Freiburg entdeckt. In der Zusammenfassung ihrer Stellungnahme, die der Wissenschaftsrat der Universität vor einer Woche zugeschickt hat und die derzeit in Klausuren, im Universitätsrat, demnächst im Senat und mit den Mitarbeitern diskutiert wird, gibt es auch Lob: "Hochklassige Forschungsleistungen" sehen sie dort, wo sich die Universität profiliert hat.

  1. Gut geforscht, aber nicht gut organisiert? Das Gutachten der Exzellenzinitiative sorgt für Gesprächsstoff. Foto: Alexander Raths - Fotolia

  2. Der Aschoff-Hörsaal des Frias in Freiburg. Foto: Thomas Kunz

Ausschlaggebend für ihr Votum war jedoch die Kritik – an der Verknüpfung des Forschungskollegs Freiburg Institute for Advanced Studies (Frias) mit der übrigen Universität und an der Rolle des Rektorats in der Durchsetzung des Zukunftskonzepts. Mit einer überarbeiteten Fassung hatte sich die Universität in der Exzellenzinitiative erneut beworben – und in dieser zweiten Runde (wie auch die Universitäten in Karlsruhe und Göttingen) Mitte Juni den Elitetitel verloren.

Insider gehen davon aus, dass das, was in dem achtseitigen Brief des Wissenschaftsrats an den Rektor Hans-Jochen Schiewer übermittelt wird, eine harmlose Fassung des gutachterlichen Urteils ist. Aber auch das bietet schwere Kost für die Freiburger: So heißt es, die Gutachter hätten von Frias und Universität den Eindruck gewonnen, es handele sich um "parallel existierende und höchstens lose gekoppelte Einrichtungen". Auch aus dem Neuantrag werde nicht vollends deutlich, was sich die Universität von diesem Forschungsinstitut verspricht.

Zwar sei beachtlich, dass binnen fünf Jahren ein so weltweit ausstrahlendes Institut wie das Frias aufgebaut wurde. Aber der Nutzen für die Fakultäten, etwa in der Gewinnung neuer Professoren, sei unklar. Von der Sonderstellung des Frias hätten vor allem dessen Fellows profitiert, während Impulse für die Entwicklung der übrigen Universität nicht erkennbar seien – anders als im ersten Antrag vor fünf Jahren angekündigt. Andererseits hat die Gutachter durchaus beeindruckt, wie sich die Universitätskultur seit 2007 in Freiburg verändert habe.

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Zwei Punkte störten die Gutachter besonders: Sie vermissen eine ausreichende Dokumentation, um die Ergebnisse der Frias-Arbeit der vergangenen fünf Jahre bewerten zu können; zum anderen stellen sie fest, dass die Freistellung von Freiburger Professoren für das Institut "auch negative Nebeneffekte" für die Lehre hatte. Irritiert hat sie zudem, dass innerhalb des Frias keine Wechsel der Abteilungen (Schools) geplant seien, sondern die bestehenden vier Schools zwölf Jahre weitgehend unverändert weiter arbeiten sollten.

Gutachter sehen Schwächen der Universitätsleitung

An die Adresse des Rektorats geht die Kritik, man habe kaum Ansätze erkennen können, dass das Frias "als internes Vehikel der Universitätsentwicklung strategisch" eingesetzt worden sei. Auch bei der gescheiterten Internationalen Graduiertenakademie sehen die Gutachter Schwächen der Universitätsleitung: Sie habe die Konflikte, die zwischen Frias und den Fakultäten entstanden seien, nicht lösen und sich gegen die Fakultäten nicht durchsetzen können. Und nicht nur das: Sie haben auch Zweifel, ob die Universität ihre Schwächen ernsthaft angehe. Denn die Stärken-Schwächen-Analyse, die das Rektorat im Zukunftskonzept biete, sage zu wenig aus – und andere Instrumente zur "Selbsteinschätzung und Fortschrittskontrolle" gebe es nicht.

Es dürfte vor allem diese Kritik am Rektorat sein, die speziell in der Sitzung des Universitätssenats – gleichsam das Parlament der Hochschule – zur Sprache kommen wird. Mit der Forderung nach Rücktritt des Rektors rechnet indes kaum jemand, wohl aber mit einer harten Debatte. Bevor die intern nicht gelaufen ist, will sich Rektor Schiewer nicht öffentlich äußern. Auch eine Schelte der Gutachter – deren Aussagen sind nicht immer frei von Widersprüchen und willkürlichen Wertungen – wird man sich voraussichtlich ersparen. Vor dergleichen warnte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Freitag in Freiburg; nützlicher sei, die Gutachten genau zu analysieren.

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Autor: Wulf Rüskamp