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29. Juli 2010

Türkische Grundschule: Kritische Töne

Kaum ist die türkische Grundschule "Regenbogen" im Deutsch-Französischen Gymnasium eingezogen, kommen Fragen auf den Tisch.

  1. Der hintere Teil des Pavillons (links im Bild) ist neue Heimat für die neue Schule – und zumindest die Stadt weiß, für wie lange. Foto: Michael Bamberger

Für einige Unruhe sorgt in Freiburg die Nachricht, dass im Deutsch-Französische Gymnasium vom neuen Schuljahr an die neu gegründete türkische Grundschule der "Akademischen Plattform" vorläufig untergekommen sei (die BZ berichtete). An zwei Tagen der offenen Tür gab es dennoch positive Rückmeldungen, jedoch auch besorgte Nachfragen zum Beispiel in Leserzuschriften.

Zahlreiche Online-Kommentare äußern Kritik am Begründer der übergreifenden Schule-Bewegung, Fetullah Gülen, aber auch der Grundgedanke eines exklusiven Angebotes zum erklärten Zwecke der Integration wird in etlichen Reaktionen kritisiert – wie auch aus Schulkreisen des DFG die mangelhafte Kommunikation seitens der Stadt. Noch ist das Genehmigungsverfahren bei Kultusministerium und Regierungspräsidium nicht vollständig abgeschlossen, kaum sind die fünf Räume im 70er-Jahre-Pavillon zwischen Radweg und Sportplatz in rosa Tupftechnik renoviert und gerade mal zehn türkische Erstklässler angemeldet, da zeigt sich schon, wo auf die eine oder andere Art Nachbesserungsbedarf ansteht.

Zum einen wäre da die Kommunikation. Zu den Gesprächsrunden bei Oberbürgermeister Dieter Salomon im Vorfeld der Vermietung an die private Grundschule war das DFG – anders als von der Stadt behauptet – nicht eingeladen, es sei auch nicht im Nachgang über die Gespräche informiert worden, erklärt ausdrücklich Schulleiter Martin Wedel. Dass das städtische Gebäudemanagement von einer Zwischennutzung bis spätestens Ende 2014 ausgeht, weiß der Schulleiter nicht, der mit Schreiben vom 26. Juli die Elternvertreter der Schule informiert, dass die Stadt die Pavillons zur Zwischennutzung bis zum Abriss im Jahre 2012 dem Schulverein der Akademischen Plattform überlassen habe.

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Anders als Martin Wedel ist allerdings die Schulleiterin der neuen Schule, Seminur Özdemir, durchaus im Bilde: Als maximalen Aufenthalt im DFG nennt sie Ende 2014. Bei einer angestrebten Aufnahme von 18 Kindern pro Schuljahr wären das nach vier Jahren 72 Kinder – aus Sicht von Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik kein Problem, für Martin Wedel allerdings "in der Größenordnung mit Sicherheit fürs DFG dann nicht mehr zu bewältigen." Dennoch plädiert der DFG-Chef für eine offene Aufnahme der Zwischennutzer – und hofft auf eine Verbesserung der Kommunikation.

"Gut, dass die Menschen Fragen stellen."

Mehr noch als das Gespräch über Organisatorisches liegt Schulleiterin Özdemir der lebendige Diskurs über die Bewegung "Fethullahcilar" am Herzen. Vorsichtige Kritik an Fetullah Gülens Bewegung übt selbst die als äußerst aufgeschlossen geltende Plattform "ufuq.de", die Jugendkultur und politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft zu ihrem Thema gemacht hat. Allerdings beobachten die Macher von ufuq.de bei Fethullahcilar "in jüngerer Zeit eine vorsichtige Öffnung nach außen". Seminur Özdemir lobt die kritischen Kommentare: "Es ist gut, dass den Menschen nicht egal ist, was passiert, dass sie Fragen stellen." Und man müsse Raum schaffen, um genau diese Fragen zu erörtern. Beispielsweise ein hochkarätiges Symposium zu Gülen und seinen Ideen und Zielen, gerne schon im Herbst.

Anderen Diskussionsbedarf sieht Carlos Mari, Leiter des Jugendhilfswerks und unter anderem auch Experte in Sachen Integration. Dass man hier eine exklusive Schule gründe, um damit Integration zu fördern, kommt ihm absurd vor: "Wenn wir Zuwanderung wollen, müssen wir Zuwanderer in unser Schulsystem integrieren, müssen für chancengerechtes, interkulturelles Aufwachsen sorgen." Nur dann könnten auch alle Migrantenkinder an der hiesigen Gesellschaft teilhaben. Mit einer türkischen Schule sieht Mari die Option auf ein "Ausklinken" aus hiesigen Strukturen, eine Entwicklung, die er akut nicht für gefährlich, wohl aber für bedenklich hält. Özdemir hält dagegen: "Wir streben selber an, dass unsere Türen für alle Kinder offenstehen."

Autor: Julia Littmann