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21. September 2009

Künftig kein beengendes Gefühl mehr im Lesesaal

Erste Begehung der Baustelle Unibibliothek mit dem Architekten Heinrich Degelo / Verglasung bis zum Boden öffnet die Sicht

Die Freiburger Universitätsbibliothek (UB) am Werthmannplatz befindet sich in der ersten, einjährigen Phase ihres Umbaus und ihrer Sanierung. Die Brücke über dem Rotteckring ist abgebaut, die Entkernungsarbeiten im Inneren der UB sind im vollen Gang, und an der Südostecke wurde am obersten Stockwerk vor einigen Wochen eine Musterfassade angebracht, um herauszufinden, inwieweit die geplanten Änderungen die avisierten Verbesserungen in puncto Raumklima und Energieeinsparung erbringen.

Jetzt lud Universitätsbauamtsleiter Karl-Heinz Bühler Fachkollegen zu einer ersten Begehung mit dem Basler Architekten Heinrich Degelo ein, dessen Entwurf vor drei Jahren als Sieger aus dem ausgeschriebenen Wettbewerb hervorging. Dass nicht nur Architekten erschienen, sondern eine beachtliche Zahl von "Laien", zeugt vom öffentlichen Interesse an dem Bauvorhaben.

Verschlissene und schadstoffhaltige Baumaterialien, ein hoher Energieverbrauch und Fehlplanungen in der räumlichen Nutzung – Bühler listete eingangs alle Mängel auf, die den Umbau erforderlich machten. Von diesem verspricht er sich eine "wesentliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Funktionsabläufe". Der atmosphärische Kontrast zwischen den Räumen im ersten Obergeschoss mit ihren schmalen Fensterpartien sowie dem durch das getönte Glas zusätzlich gefilterten Tageslicht einerseits und der lichten Raumsituation bei der Musterfassade im fünften Obergeschoss andererseits stach denn auch buchstäblich ins Auge. Dort reicht die mit Aluminiumpanelen durchsetzte Verglasung vom Boden bis zur Decke.

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Angesichts des künftig weitgehend barrierefreien Blicks auf die nähere und fernere Umgebung dürfte sich der fensternahe Bibliotheksnutzer der Zukunft fühlen, als sitze er im Freien. Dem Eindruck der Beengung in der Vergangenheit dürfte auch durch die Entfernung der Deckenverkleidung und die entsprechend gewachsene Raumhöhe entgegen gearbeitet werden.

Heinrich Degelo, der Architekt, fand für seinen Entwurf der Fassade mit ihrem Wechsel von Glaselementen und Aluminiumpanelen das Bild eines Reißverschlusses. Größe und flächenmäßiger Anteil der beiden Elemente ändern sich beständig, tragen der wechselnden Lichtsituation Rechnung und beugen zudem durch Individualisierung der Fassadenbereiche dem Eindruck von Monotonie vor. Insgesamt ist das Verhältnis von Glas zu Aluminium in etwa ausgeglichen. "Man hat aber", so Degelo, "das Gefühl, dass der Glasanteil wesentlich höher ist."

Die Form des von ihm entworfenen Gebäudes vergleicht Degelo mit einem geschnittenen Rohdiamanten. Für das Gebäudeinnere sieht sein Entwurf zwei Höfe vor, über die die Stockwerke räumlich und visuell miteinander verbunden sein werden: Neben einem zentral gelegenen auch einen randständigen Hof, der sich, zum Platz der Alten Synagoge und dem Rotteckring hin, zwischen die von oben nach unten kaskadenartig erweiterten Raumebenen und die Fassade schiebt.

"Ich möchte den Baukörper wesentlich besser in die Stadt integrieren", sagt Degelo – auch wenn gerade diesbezüglich Zweifel an seinem Entwurf laut werden. Einen Bezug zur Umgebung will er nicht durch farbliche Abstimmung auf den rötlichen Sandstein der unmittelbar benachbarten Universitätsgebäude erreichen; für ihn muss das Gebäude vor allem in Größe und Proportionen mit seiner Umgebung harmonieren.

"Durch die Fassadenspiegelung wird die Umgebung zu einem Teil des Gebäudes", erklärt der Architekt. Und die reflektierende Fassade ist für ihn das adäquate architektonische Signet einer Universitätsbibliothek als "Marktplatz des Wissens". So wollte Degelo weder die Kritik an dem für einige Besucher zu gering dimensionierten Eingang gelten lassen noch die monierte mangelnde Sichtbarkeit der Funktion des Gebäudes zugestehen.

Autor: Hans Dieter Fronz