Freiburger Tierheim

Mehr als die Hälfte aller Hunde dürfen nicht vermittelt werden

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 23. Juli 2018 um 11:15 Uhr

Freiburg

Beschlagnahmte Hunde müssen lange auf neues Zuhause warten. Sie wurden ihren Besitzern von der Stadt weggenommen - oft dauert es mehr als ein Jahr, bis ein Fall geklärt ist.

Es ist einfach zu viel Trubel: Darum ziehen sich der zehn Jahre alte Schäferhund Freddy, die schwarzweiße Mischlingshündin Shakira, der herzkranke Schäferhund-Dackelmischling Olli und die anderen Hunde immer wieder aus ihren Außenzwingern zurück. Denn zum Tag der offenen Tür am Sonntag sind viele Gäste ins Tierheim im Stadtteil Lehen gekommen. Darüber und über jede Unterstützung freut sich der Tierschutzverein. Umso mehr, weil die Betreuung beschlagnahmter Hunde, die lange im Heim sind, immer aufwändiger wird.

16 von 30 Hunden stammen aus Beschlagnahmungen

Von allen 30 Hunden, die derzeit im Tierheim leben, ist er wohl der größte und stärkste: "Ein richtiger Teddybär!" sagt Petra Sülflow begeistert. Sie steht mit ihrem Mann Christian und den zwei Töchtern vor einem Zwinger, in dem majestätisch ein weißer Kangal-Hirtenhund auf und ab schreitet. Die Sülflows hatten früher so einen Hund, die Rasse stammt aus der Türkei, wo die Kangals Schafherden hüten. "Sie haben einen Dickkopf und sind sehr selbstständig", sagt Petra Sülflow. Inzwischen hat die Familie einen kleineren Hund, einen Mischling aus dem Tierheim in Scherzingen. Hier in Freiburg schauen sie sich nur um.

Genau wie ein Vater, der mit seiner 13-jährigen Tochter nach Hunden Ausschau hält, obwohl sie sich derzeit noch keinen anschaffen können: Das würde ihrer Katze nicht gefallen. Doch die ist schon mehr als 18 Jahre alt. Der Vater hätte später am liebsten einen Husky, die Tochter eine französische Bulldogge. Am wichtigsten aber ist: Sie wollen einen Hund, dem es bisher nicht gut ging.

"Wenn sie im Sinne ihrer Hunde denken würden, sollten sie auf sie verzichten." Tina Majdecki, Leiterin des Tierheims
Solche Hunde gibt’s im Tierheim immer. 16, mehr als die Hälfte der 30 Tierheimhunde, müssen allerdings noch auf unbestimmte Zeit ausharren, weil sie derzeit nicht vermittelt werden dürfen, erzählt Tina Majdecki, die Leiterin des Tierheims. Denn sie stammen aus städtischen Beschlagnahmungen, weil es Probleme gab: Manche haben Besitzer, die nicht gut mit ihnen umgingen oder keinen Hund halten dürfen. Oder die Hunde selbst sind aggressiv. In der vergangenen Zeit haben zwei Freiburger Hunde andere Hunde totgebissen, erzählt Tina Majdecki. Nach der Beschlagnahme würden die meisten der Halter Widerspruch einlegen. So vergehe oft mehr als ein Jahr, bis alles rechtlich geklärt sei. 90 Prozent der Halter hätten keine Chance, ihr Tier zurückzubekommen. "Wenn sie im Sinne ihrer Hunde denken würden, sollten sie auf sie verzichten", sagt Tina Majdecki, das machten aber die wenigsten. Deshalb müsse sie immer öfter Menschen, die ihre Hunde aus irgendwelchen Gründen freiwillig abgeben wollen oder müssen, auf später vertrösten. Warum haben die Beschlagnahmungen so stark zugenommen? "Wahrscheinlich, weil die Leute immer unvernünftiger werden", sagt Majdecki.

Weniger Menschen halten Wellensittiche

In anderen Bereichen immerhin gibt es Hoffnung: Die Haltung von Wellensittichen sei stark zurückgegangen, berichtet Ann-Kristin Klein vom bundesweiten "Verein der Wellensittich-Freunde", die mit zwei Kolleginnen über einigermaßen artgerechte Wellensittich-Haltung informiert. Der Rückgang bedeute auch, dass weniger Vögel in Käfigen gehalten würden. Dagegen bezieht der Verein klar Position, ebenso gegen Einzelhaltung. Aber auch Paare seien problematisch: "Je mehr, desto schöner ist es für die Vögel", sagt Renate Beyer, die zehn Wellensittiche in einer großen Voliere hält. Auch das Tierheim vermittelt seine Wellensittiche aus der großen Tierheim-Voliere nur an Voliere- und Freiflughalter.