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16. Dezember 2011

Mehrsprachig mehr erreichen

Drei Jahre lang bieten das Deutsche Rote Kreuz und der Verein Südwind Kurse für Eltern mit türkisch-arabischen Hintergründen an.

BETZENHAUSEN/STÜHLINGER/UNTERWIEHRE. Wie werden Kinder selbstbewusst? Was können Eltern bei Konflikten tun? Bei solchen Fragen brauchen immer mehr Familien Unterstützung – doch Angebote kommen immer noch selten bei denen an, die sie am dringendsten brauchen. Darum starten das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und der Verein Südwind jetzt Elternkurse, die sich speziell an Familien aus dem türkischen und arabischen Kulturkreis richten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert sie drei Jahre lang mit insgesamt 140 000 Euro.

Manchmal sind es banale Fragen: Welches Schulmaterial braucht ein Kind? Wie verhält man sich, wenn es von Klassenkameraden zum Geburtstag eingeladen wird? Warum erwarten deutsche Lehrer, dass sich Eltern für die Schule interessieren? Wer neu in Deutschland ist, weiß das alles nicht unbedingt. Darum passt das DRK seine üblichen Elternkurse an diese spezielle Situation mit zusätzlichen Aspekten an – auch geschlechtsspezifischen, falls Eltern Mädchen und Jungs unterschiedlich behandeln: zum Beispiel, wenn die Tochter nicht am Schwimmunterricht teilnehmen soll oder der Sohn es von zu Hause nicht gewöhnt ist, beim Abwasch zu helfen.

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Obwohl solche Inhalte nach den üblichen Klischees klingen, die muslimische Familien auf vereinfachte Zerrbilder reduzieren, steht für Sigrid Leder-Zuther vom DRK und Christine Schmidt-Brauch von Südwind fest, dass einige mehr Unterstützung als bisher brauchen. Ganz besonders, weil sie – genau wie deutschstämmige, aber sozial benachteiligte Familien – die bestehenden Elternkurs-Angebote kaum nutzen. Und weil sich viele, auch wenn sie sich auf Deutsch verständigen können, in ihrer Muttersprache besser öffnen und über Probleme sprechen. Damit sich vor allem türkische und arabische Mütter und Väter von den neuen Kursen angesprochen fühlen, ist nun ein passendes Team im Einsatz. Die Kursleiterin Doris Wende (mit einer 40-Prozent-Stelle) wird von der für Türkisch zuständigen Dolmetscherin Asuman Unseld (25 Prozent) und drei Kontakt- und Kultur-Vermittlerinnen auf 400-Euro-Basis unterstützt: Jale Karadayi stammt aus der Türkei, ist Hausfrau und Mutter von vier Kindern und für die Unterwiehre verantwortlich. Tulya Tutkun hat ebenfalls einen türkischen Hintergrund, ist Erzieherin und in Betzenhausen im Einsatz. Und Sarah Traboulisi, die ursprünglich aus dem Libanon kommt, ist eigentlich Englischlehrerin und kümmert sich nun um arabische Familien im Stühlinger und, wenn nötig, Arabisch-Übersetzungen.

Derzeit sind Kurse in drei Stadtteilen geplant, voraussichtlich im Jugendzentrum "Letz Fetz" (Stühlinger), bei der Bewohner-Initiative in der Langemarckstraße (Unterwiehre) und im DRK-Gesundheitszentrum Migration an der Flurstraße (Betzenhausen). Doch es sind auch andere Stadtteile denkbar – und auch Teilnehmer mit anderen als den vorgesehenen türkisch-arabischen Hintergründen. Die Mehrheit allerdings muss muslimisch sein, und mehr Übersetzer sind nicht möglich. Jeder Kurs findet sechs Mal statt (Teilnahme kostenlos, mit Kinderbetreuung). Sechs bis acht Kurse lassen sich in jedem der drei Jahre finanzieren, für die ersten beiden ist der Start am Donnerstag, 19. Januar, und Dienstag, 7. Februar, jeweils von 9.30 bis 11.30 Uhr, geplant, die Orte sind noch offen. Interessierte können sich melden: 0761/4517062, Erziehungskompetenzen@drk-freiburg.de .

Autor: Anja Bochtler