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08. Juni 2009
Mensch und Tier unter einem Dach
Wiedersehen! Der Dilgerhof in Kappel als typisch Schwarzwälder Eindachhof existiert seit dem Jahr 1715
KAPPEL. Mit dem Stadtteil Kappel reichen die Gemarkungsgrenzen der Stadt Freiburg bis in den Schwarzwald. Bemerkenswerte Bauernhäuser, die typischen Schwarzwälder Eindachhöfe, prägen denn auch das Ortsbild, besser gesagt das Landschaftsbild. Denn die Höfe liegen in den Tälern des Intenbächles und des Reichenbachs weit auseinander inmitten ihrer Fläche, die sich jeweils vom Bergkamm der einen Seite bis zum gegenüberliegenden Bergkamm erstreckt.
Das älteste Hofgebäude ist der Dilgerhof der Familie Freßle in der Butzenhofstraße. Es wurde im Jahr 1715 erbaut und gilt als Vertreter des "Dreisamtäler Hauses", bei dem sich ein zweigeschossiger, unterkellerter gemauerter Wohnteil und der aus Holz errichtete Stall unter einem gemeinsamen, tief hinabgezogenen Dach befinden.Um 1700 stand Kappel unter der Herrschaft des Oberrieder Wilhelmitenklosters. Der Hof als Siedlungspunkt ist jedoch älter. Denn die Erschließung der Kappler Täler vollzog sich bereits im 11. und 12. Jahrhundert, schreibt der Historiker Wolfgang Hug in der 1993 erschienenen Chronik "Kappel im Tal". Aus dieser Zeit stammt auch die Einteilung der Rechte für die Nutzung der Tallandschaft, die später in Eigentumsrechte übergegangen waren. Jeder Bauer sollte alle Lagen und Bodenarten auf den stärker und schwächer besonnten Hängen gleichmäßig bewirtschaften können, so dass die ökonomischen Voraussetzungen für die Höfe annähernd gleich waren und jeweils ausreichten, eine Großfamilie zu versorgen. Im Falle des Dilgerhofs waren das zehn Hektar Feld und 33 Hektar Wald. Um die Selbstversorgung ging es auf den Schwarzwaldhöfen denn auch in erster Linie, und zwar bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Grundlage waren die Milchwirtschaft, die Schweine- und Hühnerhaltung und der Anbau von Futtergetreide sowie von Roggen und Kartoffeln jeweils für den Eigenbedarf.
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Adolf Freßle, Jahrgang 1936, der den Dilgerhof 1974 von seinen Eltern übernommen und bis ins Jahr 2001 im Nebenerwerb zusammen mit seiner Ehefrau Bertha Freßle geführt hat, kann sich noch gut an diese Wirtschaftsweise erinnern. "Alles was wir gebraucht haben, haben wir selbst hergestellt", erzählt er. Aus diesem Grund gehörten zum Hof auch ein kleines Sägewerk und eine Mühle, die vom Wasser des Reichenbachs angetrieben wurden, zunächst direkt über ein Wasserrad, später mit einer stromliefernden Turbine. Damit wurde Viehfutter geschrotet und Brotmehl gemahlen – alles für den Eigengebrauch. Einnahmen erzielte die Familie allenfalls mit dem Verkauf von Holz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Milchmenge, die an den damaligen Freiburger Milchhof geliefert wurde, denn züchterische Fortschritte bewirkten wachsende Milchleistungen.
Schon bevor Adolf Freßle den Hof übernahm, hatte er erkannt, dass er zu klein war, um als Haupterwerbsbetrieb bewirtschaftet zu werden. Zusätzlich zu seiner Ausbildung als Landwirt erlernte er deshalb den Beruf des Forstwirts und war bis zur Rente als Waldarbeiter in den Diensten der Stadt Freiburg tätig. Die Landwirtschaft betrieb er jedoch nebenher weiter, und zwar als Zuchtbetrieb für die Hausrindrasse der Vorderwälder.
Heute sind der Stall und das Heulager leer, jedoch noch unverändert, auch die Milchkammer und den Pferdestall gibt es noch. Bevor 1958 der erste Traktor auf den Dilgerhof kam, waren die Rösser als Zugtiere für das Holzrücken und die Feldarbeit unabdingbar. Nur das frühere Stroh- und Getreidelager im Speicher des Wohnteils wurde umgebaut. Tochter Angelika Freßle, die das Anwesen jüngst übernommen hat, ist die erste Frau als Eigentümerin in der langen Geschichte des Dilgerhofs, die keine Landwirtin mehr ist. Von Beruf ist sie Bautechnikerin. Der Name Dilger rührt übrigens von ihren Vorfahren. Im Jahr 1902 verschwand er aus der Familiengeschichte als Angelika Freßles Urgroßmutter Johanna Dilger den Bauernsohn Karl Freßle aus Weilersbach heiratete, das heute zu Oberried gehört.
Autor: Silvia Faller
