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22. Juli 2010
Mieten und Meinungen
Mieterhöhung in Weingarten niedriger als angekündigt / Mieter beschweren sich über Mängel.
Die Mieten in Weingarten werden wieder erhöht, und die Meinungen darüber gehen – natürlich – weit auseinandergehen. Da ist auf der einen Seite die Stadtbau als Vermieterin: Das städtische Wohnungsunternehmen verweist darauf, dass seine Mieter im Durchschnitt günstiger wohnen als andere in Freiburg und dass die jetzigen Mieterhöhungen deutlich geringer ausfallen als angekündigt. Da sind auf der anderen Seite die Mieter: Viele von ihnen sehen nicht ein, warum sie für unsanierte Wohnungen mehr zahlen sollen. Im Stadtteil hat sich Protest formiert.
Das Grundproblem ist klar: Jahrzehntelang waren die Gebäude der Stadtbau vernachlässigt worden; dafür waren die Mieten relativ niedrig. Nun will und muss das Unternehmen energetisch sanieren. Einen Teil der Sanierungskosten sollen die Mieter bezahlen, die dann ja auch in besseren Wohnungen leben. Im Ganzen betrachtet mag das schlüssig sein, im Detail jedoch ist immer wieder der Wurm drin.In 2605 ihrer rund 8000 Wohnungen wird die Stadtbau die Miete erhöhen. Geschäftsführer Ralf Klausmann betont: Auch danach zahlen Stadtbau-Mieter durchschnittlich 5,50 Euro pro Quadratmeter, in Freiburg ist die Durchschnittsmiete 7,14 Euro. In Weingarten-West wird die Stadtbau zum 1. September in 744 Wohnungen lediglich 10 Prozent mehr verlangen – möglich wären sogar 20 Prozent. In Weingarten-Ost wird die Stadtbau bei 145 Wohnungen – ein Jahr später als gesetzlich zulässig – die Miete bis zum Mietspiegelpreis anheben. Bis im Jahr 2020 will das Unternehmen 142 Millionen Euro in die Sanierung von Weingarten-West investiert haben.
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Zahlen, die Frau M. (Name der Redaktion bekannt) nichts nützen. Sie weiß nur: In ihrer 73-Quadratmeter-Wohnung in Weingarten-Ost schließen Fenster und Türen nicht, im Bad schimmelt es, und zu 375 Euro Kaltmiete kommen nochmals 183 Euro Nebenkosten monatlich hinzu. Vor zwei Jahren hatte sie bereits eine 20-prozentige Mieterhöhung, nun nochmals 5 Prozent. "Dabei muss man eher die Miete mindern", sagt sie, "wann die Wohnung saniert wird, sagt einem niemand." Erst seit sie sich einen Anwalt genommen hat, gab es einen Ortstermin und das Versprechen, die Mängel zu beseitigen.
Das findet ihr Anwalt Christian Göppert bezeichnend: "Der Umgang der Stadtbau mit ihren Mietern ist indiskutabel." Zum Beispiel bekämen Mieter ein Mieterhöhungsschreiben mit der Aufforderung, sofort zu unterschreiben, sonst werde geklagt. Göppert: "Kein Wunder, dass Mieter da irrationale Ängste haben, ihnen könne gekündigt werden, wenn sie sich wehren."
Etwa ein Viertel der Mieter, meldet die Stadtbau, hätten bis jetzt den Erhöhungen zugestimmt. Die Bürgerinitiative "Wohnen ist Menschenrecht" sowie der Mieterverein Regio Freiburg raten dagegen, das Mieterhöhungsverlangen nicht vorschnell zu unterschreiben, sondern es von Fachleuten prüfen zu lassen. Wegen der Mieterhöhungen gab es bereits zwei Mieterversammlung in Weingarten. Nach der Sommerpause soll der Aufsichtsrat der Stadtbau zu Gesprächen in den Stadtteil eingeladen werden.
Autor: Simone Lutz
