Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

30. Januar 2014 09:42 Uhr

Verwüstet

Diebe brechen mit dem Vorschlaghammer in die Pfarrkirche St. Georg ein

Die Einbrecher hinterlassen eine Spur der Verwüstung in der Pfarrkirche von St. Georgen – und stehlen einen Kelch aus dem Allerheiligsten der katholischen Kirche: dem Tabernakel.

  1. Die Pfarrkirche St. Georg vor dem Einbruch Foto: Ingo Schneider

  2. Erinnerungsfoto: Diesen Kelch klauten Diebe aus dem Tabernakel von St. Georg. Foto: Privat

Pfarrsekretärin Kathrin Hanser traute ihren Augen nicht. Am Dienstag gegen 8 Uhr hatte sie wie jeden Tag die Tür zur katholischen Kirche St. Georg aufgeschlossen. "Es sah schlimm aus, und das in einem Gotteshaus", erzählt sie. Zerstörte Türen, umgeworfene Stühle, Hostien auf dem Boden – Kathrin Hanser rief sofort die Polizei, und Pfarrer Franz Wehrle.

Der ist auch am Mittwoch noch bedrückt von dem Vorfall in seiner Kirche an der Basler Straße im Stadtteil St. Georgen. In der Nacht zum Dienstag drangen dort Diebe ein. "Mit Brecheisen und Vorschlaghammer, das war reine Gewalt", sagt Wehrle. Die Seitentüren hätten sie zerstört – auch eine Eisentür – und die beiden zu den Sakristeien. Laut müsse es gewesen sein, doch Nachbarn weit weg.

Was suchten die Unbekannten nachts in der Kirche? Pfarrer Wehrle weiß es nicht. Drei Opferstöcke hätten sie herausgerissen: "Da ist aber nicht viel drin, die werden täglich geleert." Das Schlimmste für den Pfarrer: Der Tabernakel wurde aufgebrochen, das Allerheiligste einer katholischen Kirche. Auch in St. Georg werden dort die in der eucharistischen Messe geweihten Hostien, nach katholischem Glauben der Leib Christi, aufbewahrt – in einem vergoldeten Kelch. Der fehlt, die Hostien lagen auf dem Boden. "Das tut weh", sagt Wehrle. Jede einzelne habe man eingesammelt, sie sollen im Osterfeuer verbrannt werden.

Werbung


Auch eine Sakristei wurde laut Wehrle verwüstet, Schubladen rausgerissen. Die wertvollen Kelche dort entdeckten die Diebe nicht, aber Franz Wehrles Gitarre. "Viele Dinge machen keinen Sinn", sagt er. Zum Beispiel, dass die Figuren am Hochaltar beschädigt wurden. "Wollten sie die auch mitnehmen?", fragt er sich.

Kein Respekt vor dem Haus Gottes

Dass im Gotteshaus gestohlen wird, hat er schon öfter erlebt. Kerzen würden oft geklaut, immer mal wieder ein Opferstock aufgebrochen. 2008 drangen Diebe in die Kirche Petrus Canisius im Stadtteil Landwasser ein. Auch sie hatten es auf goldene Kelche abgesehen: Zwei erbeuteten sie, und sakrales Zubehör. Im Sommer 2011 gab es eine Diebesserie rund um Freiburg, katholische Gemeinden im Südlichen Breisgau klagten über Einbrüche. Besonders bunt trieben es die Einbrecher in der Kirche St. Stephan in Bremgarten: Fußspuren ließen einen Tanz auf dem Altartisch vermuten, teilte das Dekanatsbüro in Bad Krozingen damals mit.

In St. Georgen sind schon viele Spuren beseitigt, am Mittwoch blieb die Kirche geschlossen. Rund 12 000 Euro Schaden haben die Täter angerichtet , hauptsächlich durch Verwüstungen, schätzt Wehrle. "Manche haben nicht mal Respekt vor dem Gotteshaus." Ist die Kirche nun entweiht und braucht ein bestimmtes Ritual? Pfarrer Wehrle will nachfragen: "So oft kommt das ja nicht vor."

Zeugen gesucht: Hinweise unter Tel. 0761/120713 oder 0761/8824421, Polizeiposten St. Georgen.

Autor: Yvonne Weik