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02. Januar 2013

Mit einem neuen Konzept gegen die Sucht

Im Victoriahaus hat der Landesverband für Prävention und Rehabilitation eine Tageseinrichtung geschaffen.

  1. Das Team der Tageseinrichtung „Tag-Reha-Sucht“ im Viktoriahaus: Karin Engler, Ilse Zimmermann (ärztliche Leitung), Klaus Limberger (Leitung) und Eva Schnurr (von links). Foto: Thomas Kunz

Etwas tun gegen die Sucht: So manche und so mancher mag sich das als guten Vorsatz für das neue Jahr vorgenommen haben. Heute startet ein neues und in Südbaden bislang einmaliges Therapiekonzept, das Menschen mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit in einer Tageseinrichtung behandelt.

Im Victoriahaus an der Basler Straße stehen in der Suchtberatungsstelle dafür auf 600 Quadratmetern helle und freundlich eingerichtete Räume zur Verfügung. Die "Tages-Reha-Sucht", so der Name der Einrichtung, die vom Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation (bwlv) getragen wird, hält dort zehn Plätze für Männer und Frauen aus der Region vor, deren Ziel es ist, in Zukunft abstinent zu leben. Geleitet wird die Einrichtung von Klaus Limberger, einem diplomierten Sozialarbeiter, der bereits seit 15 Jahren die Leitung der Suchtberatungsstelle innehat und Ilse Zimmermann, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie.

Bislang bekannt sind ambulante oder stationäre Einrichtungen. Mancher Patient oder manche Patientin ist so sehr in seine familiären oder beruflichen Verpflichtungen eingebunden, dass eine stationäre Behandlung nicht denkbar ist. Meist kommt für die Betroffenen, aber auch für Suchtberater oder behandelnde Ärzte dann eine ambulante Behandlung in Betracht, mit einem Angebot, ein- bis zweimal in der Woche therapeutisch unterstützt zu werden. Wenn dies nicht ausreicht, um von der Sucht loszukommen, dann bietet die Tagesrichtung eine Alternative.

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"Therapiekonzepte müssen heute individueller gestaltbar sein" ist Limberger überzeugt. "Es geht darum, die Sucht so früh zu behandeln, dass eine stationäre Behandlung gar nicht notwendig wird und Begleiterkrankungen und Chronifizierungen vermieden werden." Motivation und ein möglichst stabiles soziales Umfeld sind sinnvoll, "dann können auch schwer Suchterkrankte mit dem Konzept erreicht werden." Einen entscheidenden Vorteil sehen Zimmermann und Limberger darin, dass die neuen Erfahrungen und alternativen Handlungsmöglichkeiten täglich im Alltag erprobt und überprüft werden können. Die Klienten verbringen den Tag in der Therapieeinrichtung und können abends nach Hause fahren. Probleme, die dort auftauchen, können am nächsten Tag sofort mit fachlicher Begleitung aufgearbeitet werden – eine Hilfe, die gegebenenfalls auch die Angehörigen mit einbezieht.

Der Stundenplan der "Tages-Reha-Sucht" ist vielseitig und wird gemeinsam mit jedem Patienten geplant. Von Gruppen- und Einzeltherapie über Kunst- und Ergotherapie reicht das Angebot bis zu Fitnesstraining, Berufsberatung und Gesundheitsbildung. "Es gibt ein breites Feld individueller Heilswege und es ist wichtig, dass der Arzt gemeinsam mit dem Patienten entscheidet", sagt Ilse Zimmermann, die seit zehn Jahren ärztlich und therapeutisch in der Suchtarbeit tätig ist.

Von Montag 8 Uhr bis Freitag 16 Uhr arbeitet das Team von Sozialarbeitern, Psychologen, Heilpraktikern und Therapeuten gemeinsam mit den Klienten an der Stabilisierung der Suchtfreiheit und Begleiterkrankungen wie Ängsten, Depressionen und Essstörungen. 12 Wochen dauert die Behandlung in der Regel. Nach Absprache mit Ärzten und Kostenträgern ist auch eine Kombinationstherapie von acht Wochen ambulant im Anschluss an eine stationäre Therapie möglich. Da das Genehmigungsverfahren durch die Kostenträger – meist Rentenversicherungen oder Krankenkassen – oft einige Zeit in Anspruch nimmt, sollten Interessierte sich zeitig mit ihrem Hausarzt oder der Suchtberatungsstelle in Verbindung setzen. Dort unterstützen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch direkt beim Antragsverfahren. Auch das Team der Tageseinrichtung im Victoriahaus berät – ebenfalls vertraulich, anonym und kostenlos – über Details und Chancen des neuen Konzepts. Es laufen schon einige Antragsverfahren für eine Therapie, aber es sind noch Plätze frei.

Investiert in die Tageseinrichtung hat der Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation rund 30 000 Euro. Er trägt zunächst auch die Kosten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Sachkosten, die er von den Rentenversicherungen oder Krankenkassen in Form von Tagessätzen zurückerhält. Der Satz pro Patient liegt hier bei 95 Euro – im Gegensatz zu rund 120 bis 130 Euro in einer vollstationären Einrichtung der Suchttherapie.

TAGES-REHA-SUCHT

Es gibt zehn Plätze für Frauen und Männer zur Therapie bei einer Medikamenten- oder auch Alkoholabhängigkeit.

Träger:
Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH (bwlv).
Adresse: Basler Straße 61 (Viktoriahaus); 79100 Freiburg
Kontakt: Klaus Limberger (Gesamtleitung) und Ilse Zimmermann (ärztliche und therapeutische Leitung)
Telefon: Tel. 0761/ 156309-30
E-Mail: tagesreha-freiburg@bw-lv.de
Internet: http://www.bw-lv.de  

Autor: aly

Autor: Annette Aly